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Zwopr: Nachbarschaftshilfe per App

Tausche Fliesenlegen gegen Einkaufengehen – Zwopr vermittelt Nachbarschaftshilfe per Smartphone-App. Für erbrachte Hilfsleistungen erhalten die Nutzer eine Gutschrift auf dem Zeitkonto, die sie in Unterstützung anderer Nutzer eintauschen können. Geld fließt dabei nicht. Die Gründer von Zwopr erklären im Interview, wie ihre App genau funktioniert und was sie mit Zwopr erreichen möchten.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Zwopr: Wir sind Bernhard und Christian, 38 und 51 Jahre alt, und die Gründer von Zwopr. Mit Tassilo (38) haben wir noch einen weiteren Gründungspartner, in unserer Dependance in Berlin. Wir sind beste Freunde seit über 20 Jahren. Seit sechs Jahren veranstalten wir eine Charity-Veranstaltung zugunsten der Kinderkrebshilfe. Dabei ist uns aufgefallen, dass es oft ungemein schwerfällt, jemanden um Hilfe zu bitten – entweder, weil es einfach unangenehm ist zu fragen, oder weil man gar nicht weiß, wer welche Hilfe leisten kann. Obwohl die Bereitschaft zu gegenseitiger oder nachbarschaftlicher Hilfe tief in uns verankert ist, ist sie oft einfach nicht „abrufbar“. Das wollten wir ändern – die Idee von Zwopr war geboren.

Zwopr ist „eine Art digitaler Tauschring“

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Zwopr: Was nützt die größte Hilfsbereitschaft, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden kann? Mit Zwopr liefern wir die Antwort auf diese Frage. Wir organisieren Nachbarschaftshilfe übers Netz – einfach, schnell und kostenlos. Man geht einfach auf www.zwopr.com oder lädt sich die App herunter, registriert sich und gibt im Profil an, wobei man Hilfe braucht und wobei man anderen helfen kann. Und schon bekommt man automatisch Vorschläge. Die Menschen haben unser Konzept sofort angenommen.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Zwopr: Wir verstehen uns nicht als klassisches Nachbarschaftsportal, bei uns geht’s nicht um Freizeittipps, sondern um gegenseitige Hilfe. Wie eine Art digitaler Tauschring. Daher auch der Name, der sich vom englischen Wort „swop“ ableitet, also tauschen. Das Prinzip ist denkbar einfach: Im Fokus steht die gegenseitige Hilfe, die nicht mit Geld, sondern mit Zeit vergütet wird. Jeder Nutzer verfügt über ein Zeitkonto. Wer eine Stunde lang einem Nachbar hilft, indem er ein Regal montiert, seine Expertise im Chat teilt oder mit dem Hund Gassi geht, dem wird selbst Zeit gutgeschrieben, die er dann wiederum gegen Hilfe eintauschen kann. In den meisten Fällen bekommen man über Zwopr Hilfe von anderen Mitgliedern. In manchen Fällen aber auch über Organisationen. Im Gegenzug spenden sie dann einen geringen Beitrag für einen guten Zweck.

Munich Startup: Was waren bisher Eure drei größten Herausforderungen?

Zwopr: Drei sind es bislang noch nicht. Uns gibt’s aber auch erst seit zwei Jahren. Extrem herausfordernd für uns war die Hochphase der Corona-Krise. Wir sind in dieser Zeit extrem schnell gewachsen, die täglichen Anmeldezahlen hatten sich verzehnfacht. Die Leute haben vor allem um Einkaufshilfe oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung gebeten. Helfende Hände für Haustiere waren ebenso gefragt. In Berlin haben wir innerhalb weniger Tage mit dem Deutschen Roten Kreuz eine Hilfe-Hotline auf die Beine gestellt. Tagsüber an der Plattform gearbeitet, abends in die Hauptstadt gedüst, am nächsten Morgen die DRK-Mitarbeiter geschult, darauf einem lokalen Radio-Sender Rede und Antwort gestanden und direkt danach zurück nach München. Das war heftig!

„Aktive Startup-Community, die eine enorme kreative Energie freisetzt“

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Zwopr: Wir sind auf Wachstumskurs und möchten das Tempo der vergangenen Monate halten. Dafür suchen wir IT-Spezialisten und auch einen CTO als Co-Founder. Zugleich sind wir in Gesprächen mit Investoren und Kooperationspartnern. Hier bieten sich Händler, beispielsweise Baumärkte, ebenso an wie Hilfsorganisationen oder Kommunen. In einem Jahr möchten wir solche Partnerschaften mit Leben gefüllt haben. Und in fünf Jahren sehen wir Zwopr als gelerntes Tool für jedermann in Deutschland und Europa, wenn es um die Themenfelder smart helfen und helfen lassen geht.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Zwopr: Klasse! Insbesondere im Münchner Osten ist in den letzten Jahren mit dem Werksviertel eine aktive Startup-Community entstanden, die eine enorme kreative Energie freisetzt. Wir sind inzwischen ein Teil davon und im Werk1 ansässig, dem – so die Eigenbeschreibung des Hauses – „Startup-freundlichsten Ort Münchens“. Wir stimmen dem voll und ganz zu und freuen uns ungemein, von diesem Spirit zu profitieren.

Munich Startup: Skype oder persönlich?

Zwopr: Wir lieben die direkte Nachbarschaft und damit auch den persönlichen, direkten Austausch mit unseren Mitmenschen. Skype und Co haben natürlich auch ihre Berechtigung, und sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Den Austausch mit unserem Kumpel und Partner Tassilo in Berlin beispielsweise erleichtert das ungemein.

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