Vladimir Fomenko, Dmitry Burlakov und Isa Usmanov (v.l.n.r.), die drei Gründer von Droov

Droov: Die Lieferung auf der letzten Meile neu gedacht

Die drei Gründer von Droov haben eine neue Lösung für die Herausforderungen der Lieferung auf der letzten Meile entwickelt. Wie kleine und mittelständische Unternehmen damit ihr Business skalieren können, erklären die Gründer im Interview.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Droov? Stellt Euch bitte kurz vor!

Droov: Wir sind  Vladimir Fomenko, Dmitry Burlakov und Isa Usmanov. Wir haben uns während unseres Studiums an der TU München kennengelernt: Dmitry und Isa bei der Organisation einer großen Veranstaltung, und Vlad und Isa bei der Arbeit an einem UnternehmerTUM-Projekt. Alle drei von uns haben bereits schon mal gegründet. Nachdem wir außerdem Erfahrung im akademischen Bereich und in Unternehmen gesammelt hatten, fanden wir gemeinsam eine nachhaltige Geschäftsidee und starteten damit 2019. 

Als Team verfügen wir über einen breiten und sich ergänzenden akademischen Hintergrund und Berufserfahrung. Management und Produktentwicklung (Isa, 24), Softwaretechnik und künstliche Intelligenz (Vlad, 23), Informatik und Betriebswirtschaft (Dmitry, 24).

Droov: Wachsende Nachfrage nach Lieferdiensten befriedigen

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Droov: E-Commerce wächst seit Jahren stetig. Dabei werden die Verbraucher immer anspruchsvoller und verlangen mehr Komfort bei der Lieferung von Waren und Dienstleistungen. Gleichzeitig verstärkt sich der Trend zum „buy local“ – die Verbraucher kaufen bevorzugt bei lokalen Akteuren. Es versteht sich von selbst, dass die COVID-19-Pandemie auch die Einkaufsgewohnheiten stark beeinflusst hat.

Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen wie Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Einzelhandel, Wäscherei, Apotheken, Blumenläden, Landwirte und andere haben jedoch Schwierigkeiten, ihre Betriebe zu skalieren und sich an die wachsende Nachfrage nach Lieferdiensten anzupassen.

Hier kommt unsere Lösung ins Spiel: Droov ist eine Software, die die „Lieferung auf der letzten Meile“ verwaltet und optimiert. Wir geben Unternehmen flexible Lösungen, um ihren Kunden einen Lieferservice zu bieten, und gleichzeitig optimierte Routen zu generieren, den Fuhrpark zu managen, den Umsatz zu steigern und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Während wir Unternehmen auf der Einnahmenseite helfen, haben wir unser Startup mit Blick auf die Umwelt entwickelt. Aufgrund der wachsenden Verbrauchernachfrage wird die Zahl der Lieferfahrzeuge in den 100 größten Städten der Welt bis 2030 voraussichtlich um 36 Prozent steigen, was zu einem Emissionsanstieg von über 30 Prozent führen wird. Unser Ziel ist es, die Emissionen um mehr als 20 Prozent zu reduzieren, indem wir den Unternehmen unsere firmeneigenen Instrumente zur Routenoptimierung zur Verfügung stellen.

B2B-SaaS-Logistikmarkt ist hart umkämpft

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Droov: Der B2B-SaaS-Logistikmarkt für die letzte Meile ist in der Tat ziemlich hart umkämpf, und viele Lösungen verfolgen unterschiedliche Ansätze. Wir haben jedoch herausgefunden, dass man für die Einrichtung der meisten Lösungen die Hilfe von Beratern benötigt. 

Darin unterscheiden wir uns stark – die Plug-and-Play-Plattform Droov ist so einfach und intuitiv einzurichten, dass jede Oma innerhalb weniger Minuten einen Lieferservice starten kann. Das bedeutet nicht, dass unsere Lösung weniger Funktionen bietet als die der Konkurrenz. Wir haben uns auf die Kunst der „Komplexität der Einfachheit“ konzentriert. Unsere Software ist einfach zu bedienen und verfügt über modernste Technologie für Routenoptimierung, Sendungsverfolgung, Auftrags- und Ressourcenmanagement.

Munich Startup: Was waren bisher Eure drei größten Herausforderungen?

Droov: Droov war nicht die Idee, mit der wir begonnen haben. Unser Pivot (ein radikaler Kurswechsel im Geschäftsmodell, Anm. d. Redaktion) war das Ergebnis vieler Höhen und Tiefen, und wir haben dabei viel gelernt. Anfang 2020 starteten wir Reinio. Nachdem wir einige Monate lang erfolgreich Kunden bedient hatten (fast genau zu dem Zeitpunkt, als die Pandemie begann), erkannten wir, dass unsere Logistiksoftware und das integrierte Bestellsystem ein großartiges Angebot für ein viel breiteres Publikum ist – nicht nur für Wäschereien.

Wir beschlossen, unsere Strategie anzupassen. Es war nicht einfach, das laufende operative Geschäft zu beenden, und uns an etwas Neues wagen. Aber wir bedauern unsere Entscheidung nicht. 

Der Plan: Seed-Runde noch dieses Jahr abschließen

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte? 

Droov: Wir sind gerade dabei, unseren ersten Geschäftskunden an Bord zu holen – eines der größten Textilreinigungsunternehmen in München. Wir erhalten auch Interesse von KMU aus Einzelhandel, Mobilität und der Reinigungsindustrie, die mit uns arbeiten wollen.

Unser Team wächst: Mitte September werden wir ein Team von elf Leuten sein, und wollen weiter expandieren. Außerdem planen wir, im vierten Quartal 2020 eine Seed-Runde abzuschließen.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Droov: München ist eine Stadt, in der Kultur und Tradition auf Zukunftsfokus und hohe Vitalität treffen. Das macht sie als Startup-Hub einzigartig. Wir sind sehr dankbar für das lokale Gründer-Ökosystem und dass wir mit der UnternehmerTUM, dem LMU Entrepreneurship Center und anderer zusammenarbeiten dürfen. Die Zahl der Münchner Startups wächst rasant, genauso wie die der Risikokapitalgeber. Auch die Unterstützung und staatliche Förderung sind ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Ökosystems.

Munich Startup: Zoom oder persönlich?

Droov: Hängt davon ab, mit wem. Nein, nur ein Scherz. Eine kluge Mischung! Wir haben gelernt, beides recht gut zu kombinieren.