Die GoodIP-Gründer Linus Kohl, Bastian July und Sebastian Hugl (v.l.)
Foto: GoodIP

GoodIP: Patent-Bewertung mit künstlicher Intelligenz

GoodIP analysiert und bewertet mithilfe künstlicher Intelligenz die Patente von Unternehmen. So soll erstmals ein objektiver Überblick über den Bestand an Intellectual Property (IP) möglich werden. Die Gründer berichten über ihr Startup.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

GoodIP: Hallo, wir sind Dr. Bastian July, Sebastian Hugl und Linus Kohl, die Gründer von GoodIP. Wir machen Patente mit Hilfe von künstlicher Intelligenz verständlich und objektiv bewertbar. Somit ermöglichen wir Unternehmen herauszufinden, ob sie für die Zukunft richtig aufgestellt sind.

Wir kommen alle drei aus komplett unterschiedlichen Bereichen: Bastian ist Patentanwalt in Deutschland und New York, der zuvor bei Lantiq (jetzt Intel), McDermont Will & Emery und Osram beschäftigt war, Sebastian hat bereits neben seinem Wirtschaftsingenieurwesen Studium sein erstes eigenes Unternehmen gegründet und bei Proglove den Logistikmarkt mit aufgebaut. Linus kommt aus dem Bereich Software und Machine Learning mit Fokus auf Natural Language Processing. Er hat ebenfalls bereits Firmen gegründet, zuletzt für Forschung und Entwicklung mit Kunden aus dem öffentlichen und privaten Sektor. Zwischenzeitlich hat er die Softwareentwicklung in verschiedenen Startups geleitet.

Als wir drei uns kennenlernten, waren wir gerade in unterschiedlichen Startups in München tätig. Bastian und Linus lernten sich über das LMU Accelerator Programm kennen und Sebastian kam durch Proglove ins Spiel. Die Idee, ein komplexes Thema wie Patente mit Hilfe von KI für jeden Menschen zugänglich zu machen hat uns von Anfang an begeistert. Deshalb haben wir GoodIP komplett neu geformt. Mittlerweile haben wir ein interdisziplinäres Team aufgebaut, um das Thema Patente noch weiter aufzubrechen.

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

GoodIP: Bisher ließen sich Patente nur auf menschliche Art und Weise, also rein subjektiv bewerten unter anderem aufgrund sehr vieler weicher Faktoren. Wenn auf dem Patent Stapel plötzlich 562 Patente mit 15 Seiten pro Patent liegen, ist es für Menschen quasi komplett unmöglich eine objektive, rationale und effiziente Bewertung durchzuführen.

Wir ermöglichen es unseren Kunden ihr Patentportfolio, das ihrer Wettbewerber oder eines möglichen Investment Targets zeitnah und objektiv – mit Hilfe von künstlichen Intelligenz – zu analysieren. Hierfür zerlegen wir jedes einzelne Patent in Bruchstücke, um alle nötigen Informationen zu bekommen. Am Ende erhält unser Kunde die Information, ob das analysierte Unternehmen wirklich zukunftssicher ist und wie gut die bisherigen Investments in Patente wirklich waren. Des Weiteren kategorisieren wir das komplette Patentportfolio neu, damit jeder genau versteht, um was es geht und wie gut es tatsächlich ist.

GoodIP: Unternehmen verstehen den Nutzen ihre Patente nicht

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Bastian July: IP-Evaluierung gibt es schon seit Jahrzehnten, keine Frage. Die grundlegende Idee bleibt ja auch die Gleiche. Jedes Unternehmen stellt sich die Frage: “Sind wir für die Zukunft gesichert?” Diese Frage ist mit der bisherigen Evaluierung durch einen Menschen aus zwei Gründen nicht zu beantworten: Ein Patentanwalt ist immer noch menschlich und daher nicht objektiv. Des Weiteren braucht ein Mensch sehr lange, um tausende von Patenten zu evaluieren. Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Sie wertet die Patente objektiv aus und macht es Unternehmen möglich, ihre Patente im Detail zu verstehen und dadurch effektiver und schneller Business-Entscheidungen auf Basis von Patenten zu machen.

Sebastian Hugl: Ich denke auch, dass, wenn es das Konzept in der Form, wie wir es entwickelt haben, bereits geben würde, dann wäre die derzeitige Nachfrage nicht so hoch und jeder Executive wüsste genau, was die Patente seiner Firma aussagen und hätte seine teuren Patentanwälte vor die Türe gesetzt. Es ist zugleich wirklich faszinierend, aber vor allem erschreckend zu sehen, wie viele Unternehmen ihre Patente einfach als Wert in ihrer Jahresbilanz „herumliegen“ haben, ohne den eigentlichen Nutzen zu verstehen.

Munich Startup: Gab es bereits einen Punkt, an dem Ihr beinahe gescheitert seid?

Linus Kohl: Naja, was heißt gescheitert. Ich denke, jedes Startup war mal an diesem einen Punkt, an dem alles irgendwie unmöglich oder zu viel erscheint und man darüber nachdenkt alles über den Haufen zu werfen und nochmal komplett von vorne zu beginnen. Erfahrungsgemäß scheitern viele Startups an Konflikten im Team. Für uns ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Aspekt und wir sind uns in den großen Fragen und dem Ziel einig. Alle aufkommenden Probleme meistern wir gemeinsam. Zum Beispiel haben wir zu Beginn der Corona Pandemie leider einen großen Auftrag verloren. Allerdings hat uns genau diese Situation die Augen geöffnet und zu der Entwicklung unseres neuen, auf künstlicher Intelligenz basierenden Produkts geführt. Letztendlich war genau das der ausschlaggebende Faktor, der uns zu der Gewinnung neuer Kunden und gesteigerten Verkaufszahlen verholfen hat.

„Die Startup-Community in München ist sehr groß, und die Stadt sehr international“

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

GoodIP: Unser Geschäft läuft sehr gut, trotz dieser für die Wirtschaft schwierigen Zeit. Wir sind überdurchschnittlich erfolgreich ins erste Quartal gestartet – so viel können wir verraten. Darüber sind wir sehr dankbar, da es uns zeigt, dass sich die harte Arbeit auszahlt. Derzeit arbeiten wir mit amerikanischen und Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand zusammen, die ihren Weg in die Digitalisierung finden möchten. Aber das Jahr hat gerade erst begonnen und wir haben noch viel vor.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

GoodIP: In München sitzen viele große internationale Unternehmen, die offen für neue Ideen sind und die Stadt zieht junge Leute aus aller Welt an. Die Startup-Community in München ist sehr groß, und die Stadt sehr international, was wir super finden.

Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?

GoodIP: Definitiv langer Atem! Ein Unternehmen aus dem Nichts aufzubauen ist immer ein Marathon, und kein Sprint. Dabei ist Ausdauer der alles entscheidende Faktor. Es hat lange gedauert, bis wir an dem Punkt angelangt sind, an dem wir jetzt sind. Aber zu sehen, dass wir auch während dieser schwierigen Zeit nicht nur überleben, sondern wachsen, bestätigt uns in unseren Vorhaben und macht uns stolz auf das, was wir bereits erreichen konnten.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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