Die Conxai-Gründer Krishna Sridhar und Sharique Husain.
© Conxai

Conxai bringt die KI auf den Bau

Verglichen mit anderen Branchen gilt die Baubranche als ineffizient, was laut McKinsey zu Verlusten im Billionen-Bereich führt. Das Münchner Startup Conxai hat diesen Ineffizienzen den Kampf angesagt und setzt dabei auf Computer Vision und KI.

„Die Bauindustrie setzt weltweit jedes Jahr über 10 Billionen Dollar um. Aber die meisten Bauprojekte brauchen länger bis zur Fertigstellung und überschreiten deutlich ihr Budget, was zu Rentabilitätsverlusten, Rechtsstreitigkeiten und übermäßigen Versicherungskosten führt. Das alles kostet die Industrie jährlich 1,6 Billionen Dollar“,

erklärt der Conxai-Gründer Sharique Husain. Der Physiker gründete zuvor in Madrid bereits das erfolgreiche Computer-Vision-Startup Dive, zudem war er für mehrere Startups in verschiedenen Positionen tätig. Mit seiner Idee, die Baubranche zu digitalisieren, wandte er sich an den KI-Experten Krish Sridhar, der bisher als Program Head Autonomous AI bei Continental die Forschung auf dem Gebiet des autonomen Fahrens leitete und für das US-Verteidigungsministerium bei der DARPA forschte. Gemeinsam erarbeiteten sie ihre KI-Lösung.

Conxai nutzt bestehende Infrastruktur

Das Startup macht sich die Infrastruktur zu Nutze, die bereits auf Baustellen besteht, um selbige zu digitalisieren. Die KI-Plattform sammelt und analysiert die Daten aus Kameras und anderen verfügbaren Sensoren um Bautätigkeiten zu analysieren und zu interpretieren, wie sie die Entwicklung der Gebäudestrukturen beeinflussen. So kann die Baustelle in Echtzeit automatisiert überwacht werden, und alle kostenoptimierenden Ereignisse, Sicherheit, Qualität und Logistik können identifiziert und gemeldet werden.

Die KI soll in Zukunft aber noch mehr können: Mit Hilfe eines digitalen Zwillings der Baustelle soll sie Probleme wie zum Beispiel Abweichungen vom Bauplan erkennen. Auf diese Weise sollen Fehler und Probleme schneller erkannt und behoben werden können als es derzeit der Fall ist.

„Wird zum Beispiel eine Wand falsch gesetzt, weil etwa die Arbeiter noch eine veraltete Version des Bauplans haben, kann das System das erkennen und rechtzeitig eingreifen, bevor die Wand fertig gebaut ist und wieder abgerissen werden muss. Normalerweise würden solche Fehler erst bei der nächsten Baubesichtigung auffallen. So spart man nicht nur viel Zeit, sondern entsprechend auch Kosten“,

sagt Husain.

Günstig und DSGVO-konform

Das Startup hat dabei keineswegs nur Großprojekte im Blick, wie die Gründer weiter erklären. Denn die Lösung von Conxai erzeuge mit den kostengünstigen Kameras Ergebnisse, die sich in ihrer Qualität auch mit deutlich teureren LiDAR-Systemen messen können. Und durch den Hardware-agnostischen Ansatz des Startups können Unternehmen Kameras nutzen, die sie bereits für anderen Anwendungen besitzen.

“Das ist ein Game Changer, denn so machen wir KI für Baustellen zum ersten Mal Massenmarkt-tauglich“,

führt Husain aus. Und auch über Datenschutz müssten sich Anwender keine Sorgen machen, erklären die Gründer. Denn Conxai verarbeitet keine personenbezogenen Daten und verfügt über einen zusätzlichen Layer, der sowohl Gesichter als auch Kennzeichen und Bereiche um die Baustelle herum, die von den Kameras erfasst werden, unkenntlich macht. Damit ist die Lösung vollständig DSGVO-konform.

Über die Unternehmensphilosophie von Conxai sagt Husain:

„Unser Produkt ist inspiriert von der Bauhaus-Philosophie: Das Beste für die größtmögliche Anzahl von Anwendern zu den geringstmöglichen Kosten.“

Und warum haben sich Sridhar und Husain dazu entschlossen, ihr Startup in München zu gründen, und nicht etwa wieder in Madrid oder gar in den USA? Die Gründer sagen:

„Das Münchner Startup-Ökosystem hat uns wirklich überzeugt. Die Kombination aus Akademie, jungen und motivierten Talenten sowie bestehender Industrie vor Ort macht München für uns zum ‚place to be‘ wenn es ums Gründen geht. Wir glauben an München als Powerhouse für Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz in Europa.”

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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