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2021 im Rückblick: Das Jahr der Superlative

Was für ein Jahr! Nachdem 2020 aufgrund der beginnenden Corona-Krise schwächer ausfiel als zunächst erwartet, zeichnete sich bereits an dessen Ende die Erholung ab. Was dann jedoch 2021 in der Münchner Startup-Szene passierte, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Der Jahresrückblick in Zahlen.

Alle Daten zur Münchner Startup-Szene in Rückblick 2021 stammen aus unserem Data & Insights-Dashboard. Wer mehr erfahren will, kann auch selbst die Datenbank nach weiteren Insights durchsuchen. Zur besseren Handhabung haben wir einen Guide sowie Tutorial-Videos erstellt, die die wichtigsten Funktionen erklären.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Euro in Startups aus München und dem Umland investiert und somit fast vier Mal so viel wie 2020 (1,2 Milliarden Euro). Und auch das bisherige Rekordjahr 2019, in dem die Münchner Startups insgesamt 1,7 Milliarden Euro einsammeln konnten, wurde somit eindrucksvoll überboten. Die Anzahl der Investitionen hingegen blieb beinahe konstant: 2020 gab es 171 Closings, auf die nun 173 folgten. Das durchschnittliche Investitionsvolumen ist im nun abgeschlossenen Jahr also deutlich gestiegen. Lag es 2020 noch bei rund 7 Millionen Euro, erhielten die Startups 2021 im Schnitt 24,3 Millionen Euro pro Finanzierung.

Einen wichtigen Teil zu dieser Entwicklung leisteten zahlreiche Mega-Investments. Angeführt wird die Liste von Celonis, das Startup sammelte in seiner Series-D 1 Milliarde Dollar ein. 750 Millionen Euro konnte sich zudem Ionity sichern, ein Corporate Spinoff mehrerer Autobauer wie BMW, Mercedes und VW. Auf Platz drei landet Flixbus mit 267 Millionen Euro in seiner Series-G-Finanzierungsrunde. Insgesamt durchbrachen im vergangenen Jahr zehn Investments die Marke von 100 Millionen Euro. 2020 schaffte dies lediglich ein Startup, nämlich Lilium.

Aber auch die Finanzierungen zwischen 100 Millionen und 10 Millionen Euro nahmen zu. Konnten sich im letzten Jahr 30 Münchner Startups Investments in dieser Größenordnung sichern, waren es 2021 mit 42 deutlich mehr. 2019 waren es übrigens nur 18 Finanzierungsrunden in diesem Bereich.

Die Entwicklung einzelner Branchen

Bei dem Geldsegen, der im letzten Jahr die Münchner Startups erreichte, verwundert es nicht, dass beinahe alle Branchen davon profitierten. So konnten Enterprise-Software-Startups 2021 insgesamt 1,5 Milliarden Euro einsammeln und somit so viel wie keine andere Branche. 2020 waren es noch 204 Millionen. Auf Platz zwei folgt der Transport-Bereich mit 1,4 Milliarden (2020: 511 Millionen). Und den dritten Rang sicherte sich der Energiesektor mit 835 Millionen (2020: 152 Millionen).

Einen besonders großen Sprung konnten zudem der Bereiche Robotics machen. So sammelten die Münchner Robotik-Startups 2021 insgesamt 400 Millionen Euro ein und somit mehr als das sechsfache als im Jahr zuvor (2020: 62,8 Millionen). Weniger als im Vorjahr gab es hingegen für Startups in den Bereichen Travel und Legal. Startups der Reisebranche sicherten sich mit 47,7 Millionen Euro rund 30 Prozent weniger Mittel als noch im Jahr 2020 (68,4 Millionen). Legal-Startups, die 2020 noch 18,2 Millionen Euro von Investoren bekamen, wurden im Rekordjahr 2021 mit lediglich 1,5 Millionen bedient.

Das Münchner Startup-Ökosystem ist 41,3 Milliarden Euro wert

Alle diese Entwicklungen gingen natürlich nicht an den Firmenbewertungen vorbei. So konnte München mit Celonis nicht nur Deutschlands erstes Decacorn – also ein Startup mit einer Bewertung von über 10 Milliarden Dollar – begrüßen, auch die Zahl der Unicorns stieg im vergangenen Jahr weiter an. Mit Sono Motors, Personio, Agile Robots und Scalable Capital erreichten vier Münchner Startups eine Unternehmensbewertung von 1 Milliarde Dollar oder mehr. Gemessen an den summierten Unternehmenswerten lag das Münchner Startup-Ökosystem am Ende des vergangenen Jahres bei 41,3 Milliarden Euro. 2020 war das Ökosystem noch 20,2 Milliarden Euro wert.

Zuletzt erreichte auch die Zahl der Exits ein neues Rekordhoch: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 27 Münchner Startups von anderen Unternehmen gekauft oder an die Börse gebracht. Im Vorjahr gingen die GründerInnen von 15 Startups solche Schritte. Am aufsehenerregendsten dürften dabei die IPOs von Lilium und Sono Motors gewesen sein (die wichtigsten Exits des letzten Jahres haben wir euch hier zusammengefasst).

Ein Rückblick auf das vierte Quartal 2021

Im vierten Quartal des alten Jahres konnten insgesamt knapp 1,4 Milliarden Euro durch Münchner Startups eingesammelt werden. Im Vorjahresquartal waren es hingegen 304 Millionen Euro. Ein Großteil der Summe entfiel dabei mit 750 Millionen Euro auf Ionity (Growth Equity sowie Late VC). Zudem sicherte sich Personio 233 Millionen Euro in einer Series-E. Platz drei belegt Helsing, das knapp 100 Millionen Euro einsammeln konnte (die wichtigsten Investitionen des Quartals haben wir euch hier zusammengefasst).

Die Zahl der Investitionsrunden lag im vierten Quartal 2021 mit 33 unter dem Niveau von Q3 (45 Finanzierungen) sowie des Vorjahresquartals (38 Finanzierungen). Die umfangreichen Investitionen in Ionity, Personio und Helsing ließen in diesem Herbst die durchschnittliche Höhe der Investitionsrunden auf rund 42,4 Millionen Euro nach oben schnellen. In Q3 2021 lag der Schnitt bei 17,4 Millionen Euro, im Vorjahresquartal bei 8 Millionen Euro. Damit lag das vierte Quartal 2020 auch deutlich über dem Jahresdurchschnitt von 24,3 Millionen Euro.

Auch die Fonds-Landschaft entwickelt sich in München positiv. So legten Münchner Venture-Capital-Firmen in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres drei neue Fonds auf, die insgesamt auf eine Investitionssumme von etwas mehr als 1 Milliarde Euro kommen. Ein Jahr zuvor wurden im selben Zeitraum fünf Fonds aufgelegt, die insgesamt auf eine Investitionssumme von 2,7 Milliarden Euro kommen. Im gesamten Jahr 2021 betraten übrigens 14 neue Fonds die Bühne, deren Volumen insgesamt rund 6,1 Milliarden umfasst.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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