Das Tidely-Management-Team
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Tidely: „Wir wollen das ‚Apple‘ der Finanzsoftware sein“

Die Finanzplanung in vielen kleinen und mittleren Unternehmen läuft per Excel – nicht, weil das Programm dafür perfekt geeignet wäre, sondern eher aus Verlegenheit. Das Münchner Startup Tidely will hier mit seiner Lösung Abhilfe schaffen. Im Interview erklären die Gründer, was ihre Software kann.

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Tidely: Tidely ist eine cloudbasierte SaaS-Lösung für die aktive Liquiditätsplanung und -steuerung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland und international. Durch uns erlangen Unternehmen Transparenz und Verständnis über die eigenen Finanzen in Echtzeit.

Dabei wird jederzeit auf Knopfdruck eine Simulation der zukünftigen Liquidität durchgeführt. Mit Hilfe unseres Tools können Kunden einen KI-basierten Autoforecast anwenden, branchenspezifische Planungstemplates nutzen und verschiedene Szenarien vergleichen, um die Implikationen von Geschäftsentscheidungen ableiten zu können. Die aktive Steuerung der Liquidität ermöglicht die Integration spezifischer Produktlösungen von strategischen Produktpartnern (z.B. Factoring). Dabei können spezifische Reports und Auswertungen für die verschiedenen Interessensgruppen, z.B. Banken, Investoren, Steuerberater erstellt werden.

Mit unserer Lösung bieten wir kleinen bis mittelständischen Unternehmen endlich eine echte Alternative zu Excel, da Excel für die aktive Steuerung der Finanzen nicht geeignet ist (z.B. wegen fehlender Anbindung von Datenquellen in Echtzeit).

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Tidely: Uns unterscheiden zwei zentrale Themen von bisherigen Lösungen und machen unseren USP aus: 1. Was wir tun („Inhaltlicher Fokus“) und 2. wie wir es tun („UX/UI“).

1. Heutige Lösungen adressieren zwei thematische Felder: a) Expense Management oder b) Finanzplanung. Während die Expense-Management-Lösungen eine fokussierte Sicht auf die Ausgaben der Unternehmen haben und Daten in Echtzeit hochladen, fokussieren sich Finanzplanungstools auf die langfristige Finanzsituation auf Basis von Buchhaltungsdaten. Was im Markt fehlt, ist eine Betrachtung, Analyse und Steuerung der Finanzen mit einem kurzfristigen Zeithorizont, also Tage, Wochen und Monate. Dies versuchen Unternehmen heute mit Hilfe von Excel zu lösen und stoßen damit auf eine Vielzahl von Herausforderungen. Mit Tidely können Unternehmen dies nunmehr sehr einfach mit Hilfe einer Softwarelösung darstellen.

„Die komplexe Materie der Finanzen so einfach wie möglich Unternehmen näherbringen“

2. Finanzen sind ein sehr komplexes Themengebiet und für die meisten Unternehmen eher ein „notwendiges Übel“, mit dem man sich einfach auseinandersetzen muss. Viele haben dabei emotionale „Hemmschwellen“, da die Materie einerseits schnell recht komplex werden kann, andererseits aber sehr relevant ist. Wir haben uns mit Tidely deshalb zum Ziel gemacht, unsere Software entlang der folgenden drei Eckpfeiler zu konzipieren: 1) Maximal Intuitiv, 2) Maximal Individualisierbar und 3) Maximal Erkenntnisreich. Wir wollen das „Apple“ der Finanzsoftware sein. Apple hat es seinerzeit geschafft, eine komplexe Materie wie die PC / Technik-Welt in die „normalen“ Haushalte zu bringen. Diesem Vorbild folgend, wollen wir die komplexe Materie der Finanzen so einfach wie möglich den Unternehmen näherbringen!

Gerade in den heutigen Zeiten der disruptiven Marktverwerfungen stehen die Finanzen im Mittelpunkt des erfolgreichen Bestehens. Mit Tidely und der Art, wie wir diese Software erstellen, wollen wir einen zentralen Beitrag dazu leisten, dass so viele Unternehmen wie möglich „sichert“. Unser „Purpose“ lautet: Kein Unternehmen soll „nur“ wegen eines falschen Liquiditätsmanagements insolvent gehen müssen!

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Tidely: Zwei Eckpfeiler:

1. Über 75 Prozent der Unternehmen können ihre kurzfristigen Finanzen nicht steuern, da die notwendigen Tools schlicht nicht vorhanden sind / waren. Dies gilt vor allem für alle Branchen, bei denen das Thema Liquidität eine zentrale Rolle im wirtschaftlichen Handeln spielt (z.B. Agenturgeschäft, Beratungen, (E-Commerce) Handel, Bau, etc.). In der heutigen Krisenzeit verschärft sich diese Situation, weil 100 Prozent der Unternehmen mit steigenden Kosten zu kämpfen haben (Inflation, Energiepreise, Lieferkettenprobleme/-preise, etc.)

Tidely will zum vertrauenswürdigen Partner der KMUs werden

2. Der Wechsel von einem „sicheren“ Job ins Startup Abenteuer mit einer klaren Vision, einen substanziellen Beitrag für kleine bis mittelständische Unternehmen (KMUs) leisten zu können. KMUs bilden das Rückgrat aller Wirtschaftsnationen (über 98 Prozent der Unternehmen sind KMUS, also haben 1-250 Mitarbeiter). Aber diese Unternehmen werden heute leider sehr unzureichend bei den zentralen Frage- bzw. Problemstellungen unterstützt. Wir wollen der vertrauenswürdige Partner der KMUs werden, der in schwierigen Zeiten bei kritischen Themen wie „Finanzen“ an deren Seite steht!

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Tidely:

1. In kürzester Zeit vom Prototyp zur Marktreife zu kommen (knapp 15 Monate).
2. Ständiges Entscheiden, dass man Themen „zurückpriorisiert“, um nicht den Fokus zu verlieren.
3. Die richtigen MitarbeiterInnen zu finden, um das rasante Wachstum abbilden zu können.

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

Tidely: Es sind über 4.500 Registrierungen in den ersten 3 Quartalen als kostenloser Prototyp zu verlesen und bereits 500 Kunden zahlen nach den ersten 12 Monaten (Wachstum >20 Prozent Monat für Monat).

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Tidely: Einerseits ist der Standort ein richtiges „Asset“, weil es sehr attraktiv ist, in München zu arbeiten. Auf der anderen Seite ist der Standort München auch mit hohen Lebenshaltungskosten verbunden. In der Summe aber eher ein Vorteil und vermutlich gemeinsam mit Berlin der attraktivste Standort für ein Startup in Deutschland: Der Austausch mit anderen Startups ist natürlich auch sehr gut in München, da es so viele Startups gibt!

Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?

Tidely: Selber machen.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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