Munich Startup
Simulierte Personenströme – 7 Fragen an… accu:rate!

Simulierte Personenströme – 7 Fragen an… accu:rate!

Helen Duran

Helen Duran

Als Redakteurin war Helen Duran bis 2026 in der Münchner Startup-Szene für Munich Startup unterwegs.

9. April 2018

4 Min. Lesezeit

Das Münchner Startup accu:rate weiß, wie Mensch und Raum dynamisch zusammenwirken — und wie sich Personenströme verhalten. Das Oktoberfest nutzt bereits das Wissen des IT-Startups. 7 Fragen, 7 Antworten.

1. Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind accu:rate – ein Münchner Startup aus dem Softwarebereich und beschäftigen uns mit dem Zusammenwirken von Mensch und Raum. Immer dann, wenn viele Menschen auf einem Raum zusammenkommen, entwickeln sich Dynamiken, die im Ernstfall sogar in Katastrophen enden können. Um dies zu verhindern, gibt es computergestützte Simulationen – in unserem Fall unsere Software crowd:it – die bereits im Vorfeld überprüfen, ob ein Gebäude oder eine Veranstaltung sicher geräumt werden kann. Und nicht nur das: wir können beispielsweise auch Abläufe an Bahnhöfen oder Flughäfen simulieren.

Initialzündung Loveparade

2014 haben wir uns aus der TU München ausgegründet basierend auf der Forschungsarbeit der Gründerin Dr. Angelika Kneidl. Die Initialzündung war das Unglück der Loveparade 2010 in Duisburg. Davon angetrieben hat Frau Dr. Kneidl sich entschieden, das Thema aus der Forschung in die Praxis hinauszutragen. Sie konnte schnell Florian Sesser dafür begeistern, der von der Idee von Anfang an überzeugt war und seine Fähigkeiten als Software Architekt in die Entwicklung der Software crowd:it einbringt.

Seit 2014 arbeiten sie gemeinsam an Kundenprojekten und an der Entwicklung von crowd:it, die im Februar 2017 offiziell gelauncht wurde. Somit bietet accu:rate ihren Kunden die Simulation von Personenströmen als Dienstleistung, aber auch als Softwareprodukt an.

Bewegungsmuster, Besucherströme und Ablaufzyklen simulieren

2. Aber das gibt’s doch schon längst!

Klar gibt es das schon – wenn auch selten. Die meisten anderen Programme für Personenstromsimulation fokussieren sich allerdings ausschließlich auf Evakuierungen. Das ist auch bei uns eines der wichtigsten Anwendungsgebiete. Wir sehen aber noch viel mehr Potential in dieser Technologie: Mit unserem Modell können wir auch Bewegungsmuster, Besucherströme und Ablaufzyklen simulieren.

Dass unser Simulator auch solche Abläufe zuverlässig abbilden kann, liegt vor allem an dem zugrunde liegenden Modell. Wir verwenden in crowd:it das Optimal Steps Model, welches an der Hochschule München (HM) entwickelt wurde und zu den modernsten auf dem Markt gehört. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit der HM und der TUM haben wir den großen Vorteil, die neuesten Forschungsergebnisse direkt in unseren Simulator zu integrieren und ihn dadurch immer weiter verbessern zu können.

3. Was war Eure bisher größte Herausforderung?

Aus dem sicheren Hafen der Gründerfinanzierung raus und sich selbst über Wasser zu halten, war zu Beginn wohl eine der größten Herausforderungen; aber eigentlich kommen ständig kleine neue hinzu. Man muss oft aus seiner Komfortzone heraus, um weiterzukommen, und wächst daran täglich. Das ist auf der einen Seite eine Riesenherausforderung, auf der anderen Seite treibt es unglaublich an, wenn man zurückblickt und sieht, wie weit man gekommen ist — auch bezogen auf unser Team!

Ausgezeichnet: Awards, Förderprogramme, Accelerator

4. Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

Die ersten Jahre haben wir hart daran gearbeitet, unsere Software zu entwickeln und uns einen Namen in der Branche zu machen – und dieser Aufwand hat sich gelohnt und trägt jetzt langsam Früchte. Wir konnten große Kunden wie die Deutsche Bahn oder das Oktoberfest München für uns gewinnen und haben unser Team auf 13 Mitglieder erweitert.

Außerdem haben wir ja auch ein paar Awards und Förderprogramme wie den Startup Pitch des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gewonnen und wurden in das Accelerator Programm von Wayra aufgenommen. Da wir eigenfinanziert sind und keine Investoren an Bord haben, sieht unsere Umsatzkurve zwar nicht wie der berühmte Hockeystick aus, allerdings verdoppeln wir unseren Umsatz jährlich.

5. Was bedeutet München für Euch?

München bedeutet für uns erst mal gutes Essen, denn wir sitzen direkt am Viktualienmarkt ;-). Aber Spaß beiseite: wir schätzen die hohe Qualität des Wirtschaftsstandorts München sehr und viele unserer Projektkunden sind aus München. Zudem ermöglicht die große Vielfalt an Universitäten es auch uns als kleine Firma, tolle Nachwuchskräfte für uns zu gewinnen.

München ist einfach eine tolle Stadt mit einer super Infrastruktur, einer ausgewogenen Startup-Szene und vielen Chancen auch für junge Firmen.

Ein Unicörnchen für den Mittelstand

6. Wie wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night?

Auf keinen Fall auf der Epic Fail Night, aber es wird wohl eher ein Unicörnchen, da wir ein Nischenprodukt anbieten. Unser Ziel ist es, accu:rate im Mittelstand zu etablieren und bedacht zu internationalisieren, aber man weiß ja nie…

7. Helles oder Prosecco?

Ganz klar Helles! Am besten Augustiner.

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