Reverion freut sich über eine Series-B-Finanzierung in Höhe von etwa 153 Millionen Euro (175 Millionen Dollar). Die Finanzierung soll die Produktion der reversiblen Brennstoffzellenkraftwerke verzehnfachen und Reverion zugleich den Schritt in größere Projekte sowie den wachsenden Markt für die Stromversorgung von Rechenzentren ermöglichen.
Das Energie-Startup versucht, eine bislang vergleichsweise kleine Stückzahl komplexer Kraftwerkssysteme in eine industrielle Großserienfertigung zu überführen. Bis zu 800 neue Arbeitsplätze sollen nach Unternehmensangaben am geplanten Produktionsstandort entstehen.
Lead-Investor der Series B ist Kembara, ein europäischer Wachstumsfonds mit Fokus auf Deeptech und Klimatechnologien. Neu beteiligen sich außerdem Allianz, KfW Capital über ein von UVC Partners verwaltetes SPV, aurum Impact und Carbon Equity. Auch die Bestandsinvestoren Extantia, Energy Impact Partners, alfa8, UVC Partners, EIC Fund und Possible Ventures sind laut Reverion an der Runde beteiligt.
Von 62 auf 175 Millionen Dollar: Reverion beschleunigt die Skalierung
Für das Unternehmen ist die Series B der nächste große Finanzierungsschritt nach der knapp 56 Millionen Euro (62 Millionen Dollar) schweren Series A von 2024. Damals wurde die Runde von Energy Impact Partners angeführt und sollte vor allem den Einstieg in die Serienproduktion finanzieren. Reverion meldete zu diesem Zeitpunkt bereits Kunden-Vorbestellungen von mehr als circa 88 Millionen Euro (100 Millionen Dollar).
Nun soll die Produktionskapazität nochmals deutlich steigen. Für die geplante Megafactory nennt Reverion eine jährliche Kapazität von 250 Megawatt – nach Angaben des Unternehmens entspricht das einer Verzehnfachung der bisherigen Fertigungskapazität. Parallel will Reverion seine Systeme weiter skalieren, um Projekte im Multi-Megawatt-Bereich bedienen zu können.
Am Stammsitz in Eresing ist das Team laut Unternehmen bereits von rund 100 auf mehr als 200 Beschäftigte gewachsen. Am neuen Produktionsstandort sollen perspektivisch bis zu 800 weitere Arbeitsplätze entstehen. Wo genau die Fabrik errichtet wird und wann sie ihre volle Kapazität erreichen soll, geht aus der Mitteilung noch nicht hervor.
74,2 Prozent Wirkungsgrad: So funktioniert Reverions Brennstoffzellenkraftwerk
Technologisch setzt Reverion auf Festoxidbrennstoffzellen, sogenannte Solid Oxide Fuel Cells (SOFC). Sie wandeln die in Gas gespeicherte Energie elektrochemisch in Strom um, statt das Gas wie in klassischen Gasmotoren oder Gasturbinen zu verbrennen.
Im September 2025 meldete Reverion für eine Anlage im Kundenbetrieb einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent. Das Unternehmen bezeichnet den Wert als Weltrekord für thermische Kraftwerke. Als Vergleich führte Reverion den zuvor dokumentierten Wirkungsgradrekord des britischen Gas-und-Dampf-Kombikraftwerks Keadby 2 von 64,18 Prozent an; auch der TUM-Energiesystemforscher Hartmut Spliethoff ordnete den von Reverion erreichten Wert damals als außergewöhnlich hoch ein.
Eine weitere Besonderheit ist die Reversibilität des Systems. Bei Strombedarf erzeugt die Anlage aus Gas Elektrizität. Steht dagegen überschüssiger Strom zur Verfügung, kann sie als Elektrolyseur arbeiten und Energie wieder in speicherbare Gase umwandeln. Reverion verbindet damit Stromerzeugung, Power-to-Gas und Energiespeicherung in einem System.
Beim Einsatz von Biogas wird das dabei entstehende biogene CO₂ nach Unternehmensangaben in konzentrierter Form abgeschieden. Wird dieses CO₂ dauerhaft gespeichert, kann das Gesamtsystem negative CO₂-Emissionen erreichen. Die Klimawirkung hängt damit unter anderem vom eingesetzten Gas und dem weiteren Umgang mit dem abgeschiedenen CO₂ ab.
Rechenzentren werden zum neuen Wachstumsmarkt für Reverion
Mit der Series B verschiebt sich auch der adressierte Markt. Reverion kam ursprünglich stark aus dem Umfeld landwirtschaftlicher Biogasanlagen. Inzwischen sieht das Unternehmen insbesondere Rechenzentren als Wachstumsfeld.
Statt ausschließlich auf einen ausreichend dimensionierten Stromnetzanschluss angewiesen zu sein, könnten Rechenzentren mit Reverion-Systemen Strom direkt am Standort produzieren. Als Energieträger kommen nach Angaben des Unternehmens sowohl Biogas als auch Erdgas aus vorhandener Gasinfrastruktur infrage.
Damit adressiert Reverion ein Problem, das mit dem Ausbau von Cloud-Infrastruktur und KI-Rechenzentren an Bedeutung gewinnt: große, kontinuierliche Strombedarfe treffen regional auf begrenzte Netzkapazitäten und lange Anschlusszeiten.
Für Reverion eröffnet diese Entwicklung potenziell deutlich größere Projekte als das ursprüngliche Geschäft mit einzelnen Biogasanlagen. Das Unternehmen will seine Technologie deshalb in die Megawatt-Klasse skalieren.
Sieben Reverion-Kraftwerke im Feld, Pipeline über zwei Milliarden Dollar
Aktuell befinden sich nach Unternehmensangaben sieben Reverion-Anlagen im regulären Kundenbetrieb. Die Leistung pro Einheit liegt inzwischen bei bis zu 500 Kilowatt.
Deutlich größer ist die von Reverion genannte Projektpipeline. Sie soll ein potenzielles Umsatzvolumen von mehr als 1,76 Milliarden Euro (2 Milliarden Dollar) umfassen. Dabei handelt es sich allerdings um eine Pipeline und nicht um bereits realisierte oder zwingend vertraglich gesicherte Umsätze. Erste internationale Projekte befinden sich laut Unternehmen in der Entwicklung.
Mit der neuen Fabrik soll nun die industrielle Basis entstehen, um einen größeren Teil dieser Nachfrage bedienen zu können.

Reverion im Überblick
Sitz: Eresing bei München
Branche: Energytech / Climatetech
Technologie: reversible Festoxidbrennstoffzellen (SOFC/SOEC)
Series B: etwa 153 Millionen Euro (175 Millionen Dollar)
Lead-Investor: Kembara
Neue Investoren: Allianz, KfW Capital, aurum Impact, Carbon Equity
Geplante Fertigungskapazität: 250 MW pro Jahr
Beschäftigte in Eresing: mehr als 200
Geplante neue Stellen: bis zu 800
Anlagen im Kundenbetrieb: sieben
Elektrischer Wirkungsgrad: 74,2 Prozent laut Reverion
Projektpipeline: mehr als zwei Milliarden Dollar potenzielles Umsatzvolumen laut Unternehmen












