Munich Startup
2 Millionen Euro Finanzierung für Reformer Club

2 Millionen Euro Finanzierung für Reformer Club

Credit: Reformer Club / Mirjam Hagen

Credit: Reformer Club / Mirjam Hagen

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Reformer Club erhält 2 Millionen Euro von Vorwerk Ventures. Damit hat das Münchner Fitness-Startup nun große Pläne, die über die Grenzen Deutschlands hinausreichen.

31. August 2026

5 Min. Lesezeit

Der Pilates-Markt wächst. Kein Wunder also, dass das Fitness-Startup Reformer Club mit seiner ersten Finanzierungsrunde expandieren möchte. Vorwerk Ventures gibt dem Münchner Startup 2 Millionen Euro und finanziert damit kein klassisches Software-Startup, sondern baut physische Standorte auf. Reformer Club möchte mit dem neuen Kapital bis Ende 2029 sein Netz von derzeit fünf auf 50 Studios ausbauen. Nach ersten Studios in München, Hamburg und Berlin sollen zunächst weitere deutsche Städte und anschließend europäische Märkte folgen.

Reformer Club macht aus einer Studiokette einen VC-Case

Gegründet wurde Reformer Club von Marlene Schöbel und Stephanie Adolf. Das erste Studio eröffnete im November 2024 in München-Haidhausen. Innerhalb von weniger als zwei Jahren ist daraus ein standortübergreifendes Studiokonzept geworden.

Die nächsten Schritte stehen bereits fest: Mannheim, Düsseldorf und Frankfurt sollen das bestehende Netz ergänzen. Anschließend wollen die Gründerinnen weitere deutsche Städte erschließen und perspektivisch in andere europäische Märkte expandieren.

Das Ziel von 50 Studios bis Ende 2029 bedeutet einen erheblichen Roll-out: Ausgehend von fünf bestehenden Standorten müsste Reformer Club sein Netzwerk innerhalb von gut drei Jahren verzehnfachen.

Studios sind Aufenthalts- und Begegnungsorte

Eine entscheidende Stellschraube des Geschäftsmodells ist die Kursgröße. Reformer Club positioniert sich zwischen sehr kleinen Trainingsgruppen und größeren Gruppenformaten: Rund 15 TeilnehmerInnen sollen gleichzeitig eine individuelle Betreuung und die Wirtschaftlichkeit des Studiobetriebs ermöglichen.

Das Trainingskonzept verbindet klassische Reformer-Pilates-Elemente mit funktionellen Kraftübungen. Unter dem Leitgedanken „Reform. Refuel. Connect.“ soll das Angebot allerdings über das eigentliche Workout hinausgehen.

Die Studios verfügen deshalb neben den Trainingsflächen über Health Bars, Community-Bereiche, Duschen und weitere Amenities. Hinzu kommen kuratierte Marken- und Community-Events. Reformer Club positioniert seine Standorte damit bewusst als Aufenthalts- und Begegnungsorte – und nicht ausschließlich als Räume für einen 60-minütigen Fitnesskurs.

Das ist auch wirtschaftlich relevant, denn eine starke eigene Marke und Community können StudiobetreiberInnen dabei helfen, Kundenbeziehungen jenseits externer Buchungsplattformen aufzubauen.

Peter Schmetz ist Principal bei Vorwerk Ventures und sagt:

„Boutique Fitness Angebote entwickeln sich, neben dem eigenen Zuhause und der Arbeit, zum ‘Third Space’, die ambitionierten Sport mit einem Community-Ansatz verbinden. Reformer Pilates ist einer der stärksten Treiber dieser Entwicklung, während das Angebot in Deutschland im europäischen Vergleich noch begrenzt ist. Reformer Club besetzt den Bereich mit einem skalierbaren Premium-Konzept und hat dies bereits an Standorten wie München, Berlin und Hamburg unter Beweis gestellt. Wir freuen uns sehr, die beiden Gründerinnen Marlene und Stephanie bei ihrem nächsten Wachstumsschritt begleiten zu dürfen.“

Reformer Club Academy soll Qualität über 50 Studios skalieren

Eine weitere Herausforderung des geplanten Roll-outs liegt beim Personal. Ein Studiokonzept lässt sich nur dann als einheitliche Marke skalieren, wenn das Kundenerlebnis an unterschiedlichen Standorten vergleichbar bleibt.

Dafür hat das Startup die Reformer Club Academy aufgebaut. Über drei Trainingslevel und definierte Kursstandards soll der Instructor-Pool erweitert werden, ohne dass sich das Training von Standort zu Standort grundlegend unterscheidet.

Dass beide Gründerinnen selbst als Reformer-Trainerinnen ausgebildet sind, spielt dabei eine wichtige Rolle. Schöbel und Adolf bringen zugleich Consulting-Erfahrung in Strategie und Operations mit und haben bereits vor Reformer Club gemeinsam gegründet. Schöbel entdeckte Reformer Pilates nach eigenen Angaben während eines Beratungsprojekts im Ausland. Daraus sei die Idee entstanden, das Trainingsformat in Deutschland und später europaweit zugänglicher zu machen.

Reformer Club wuchs in drei Monaten auf mehr als 90 Prozent Auslastung

Hinweise darauf, warum ein VC in das standortgebundene Geschäftsmodell investiert, lieferte Reformer Club bereits kurz nach dem Start. Drei Monate nach Eröffnung des ersten Münchner Studios berichteten die Gründerinnen von einer Auslastung von mehr als 90 Prozent. Damals arbeiteten bereits mehr als 20 TrainerInnen und über zehn weitere Teammitglieder im Check-in für das Unternehmen.

Inzwischen ist die Organisation deutlich größer. Vorwerk-Ventures-Principal Peter Schmetz spricht im Zusammenhang mit der Finanzierung von fünf Studios, mehr als 100 Mitarbeitenden und drei weiteren Standorten im Bau.

Für die weitere Expansion dürfte entscheidend sein, ob Reformer Club diese Auslastung und die Wirtschaftlichkeit einzelner Studios auch außerhalb der bisherigen Metropolen reproduzieren kann. Anders als bei einem Softwaremodell entstehen mit jedem zusätzlichen Standort neue Fixkosten für Fläche, Ausbau, Equipment und Personal. Genau darin liegt gleichzeitig der Test für das Geschäftsmodell: Gelingt es, Standortauswahl, Studiodesign, Kursgrößen, Instructor-Ausbildung und Community-Aufbau weitgehend zu standardisieren, könnte aus dem bislang regional geprägten Angebot tatsächlich eine überregionale Fitnessmarke entstehen.

Mit Vorwerk Ventures gewinnt Reformer Club einen Investor, dessen Portfolio über klassische Softwareunternehmen hinausgeht. Der unabhängige VC wurde ursprünglich 2007 gegründet und investiert heute schwerpunktmäßig in (Pre-)Seed- und Series-A-Runden. Für die beiden Gründerinnen von Reformer Club soll die Partnerschaft vor allem den nächsten Expansionsschritt ermöglichen. Das frische Kapital fließt in den bereits begonnenen Roll-out in Deutschland und perspektivisch in die Expansion nach Europa.

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