Die Kooperation verbindet öffentliche Ladeinfrastruktur mit teilöffentlichen Ladepunkten auf Betriebshöfen. Für Fryte ist das ein wichtiger Schritt beim Aufbau einer betreiberübergreifenden Plattform: Das Startup will E-Lkw-Flotten nicht an ein einzelnes Ladenetz binden, sondern unterschiedliche Ladeangebote entlang einer Route zusammenführen.
Fryte wurde 2025 in München gegründet und entwickelt eine Plattform für die Routen- und Ladeplanung elektrischer Lkw. Die Technologie basiert nach Unternehmensangaben auf mehrjähriger Forschung an der Technischen Universität München (TUM).
Fryte integriert auch Ladepunkte auf Betriebshöfen
Ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit ist der Smatrics Depot Club. Über das Modell können Logistikunternehmen ihre eigene Ladeinfrastruktur anderen Unternehmen zur Verfügung stellen und freie Kapazitäten vermarkten.
Fryte nimmt diese Depotstandorte in seine Plattform auf. Damit sollen Speditionen neben öffentlichen Ladestationen auch teilöffentliche Ladepunkte auf Betriebshöfen in ihre Routenplanung einbeziehen können.
Smatrics ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Verbund und EnBW und bietet Dienstleistungen rund um Aufbau, Betrieb und Management von Ladeinfrastruktur an. Nach eigenen Angaben umfasst das von Smatrics betriebene Ladenetz rund 20.000 Ladepunkte.
OCPI verbindet die Ladesysteme
Technische Grundlage der Kooperation ist das Open Charge Point Interface (OCPI). Der offene Standard ermöglicht den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Akteuren und Systemen im Bereich Ladeinfrastruktur.
Da sowohl Fryte als auch Smatrics auf OCPI setzen, lassen sich die Ladepunkte in die Plattform des Münchner Startups integrieren. Für Fryte ist diese Interoperabilität ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells: Statt ein eigenes geschlossenes Ladenetz aufzubauen, verknüpft das Unternehmen bestehende Infrastruktur verschiedener Betreiber.
„Für die Disposition zählt nicht, wer den Ladepunkt betreibt, sondern dass er zur Route passt“,
sagt Fryte-CEO Maximilian Zähringer zur Kooperation.
Reservierung von Ladepunkten ab 2027 geplant
Die Zusammenarbeit soll künftig über die reine Anzeige der Ladepunkte hinausgehen. Ab 2027 wollen Fryte und Smatrics ausgewählte Ladestationen über die Fryte-Plattform reservierbar machen.
In einem weiteren Schritt sollen Reservierungsinformationen auch an die Energiemanagementsysteme der jeweiligen Standorte übertragen werden. Betreiber könnten dadurch frühzeitig erkennen, wann ein E-Lkw laden muss und welche Leistung dafür benötigt wird.
Für Speditionen wiederum können reservierbare Ladefenster die Planungssicherheit erhöhen. Gerade im Lkw-Verkehr ist die Verfügbarkeit eines Ladepunkts entscheidend, weil Ladezeiten mit Touren, Lenk- und Ruhezeiten sowie Lieferfenstern abgestimmt werden müssen.
Fryte arbeitet bereits mit weiteren Partnern an der Reservierung von Ladeinfrastruktur. 2026 testete das Startup gemeinsam mit MAN Charge&Go und Traton Charging Solutions reservierbare Ladefenster für E-Lkw an Standorten in München, Dachau und Nürnberg.
Depotladen wird zum zusätzlichen Geschäftsmodell
Die Kooperation adressiert zugleich eine wirtschaftliche Frage beim Aufbau von Ladeinfrastruktur. Unternehmen errichten leistungsfähige Ladestationen zunächst für ihre eigenen E-Lkw-Flotten. Sind diese zeitweise nicht ausgelastet, können freie Kapazitäten anderen Logistikunternehmen angeboten werden.
Für Depotbetreiber entsteht damit die Möglichkeit, vorhandene Infrastruktur besser auszulasten. Gleichzeitig wächst für Speditionen das potenziell verfügbare Ladenetz, ohne dass dafür ausschließlich neue öffentliche Ladeparks gebaut werden müssen.












