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Ambuflow: Das Betriebssystem für ambulante OP-Zentren

Ambuflow: Das Betriebssystem für ambulante OP-Zentren

Das Gründungsteam von Ambuflow: Franziska Herbert, Johannes Hargasser und Stefan Sulistyo (v. l.)

Credit: ambuflow GmbH

Das Gründungsteam von Ambuflow: Franziska Herbert, Johannes Hargasser und Stefan Sulistyo (v. l.) – Credit: ambuflow GmbH

Saskia Doll

Saskia Doll

Ambulante Operationen gewinnen an Bedeutung, doch vielerorts bremsen Insellösungen, Medienbrüche und sogar Faxgeräte die Abläufe. Das 2024 gegründete Startup Ambuflow entwickelt ein End-to-End-Betriebssystem speziell für ambulante OP-Zentren. Im Interview erklärt Co-Gründer Johannes Hargasser, der selbst als Anästhesist tätig ist, wie Ambuflow Verwaltung vereinfachen, Erlöse steigern und mehr Zeit für die Patientenversorgung schaffen will.

21. August 2026

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?

Johannes Hargasser, CEO & Co-Gründer: Bei Ambuflow entwickeln und betreiben wir das erste End-to-End-Betriebssystem speziell für ambulante OP-Zentren. Unsere Software ermöglicht einen effizienten, sicheren und steuerbaren ambulanten OP-Betrieb von der OP-Anmeldung bis hin zur Abrechnung.

Im Gesundheitssystem beobachten wir aktuell den unaufhaltsamen Trend, dass Patienten vermehrt ambulant operiert werden. Dies bedeutet, der Patient wird nach seiner Operation nicht stationär im Krankenhaus aufgenommen, sondern verbringt bereits die erste Nacht nach der OP zu Hause in seinem gewohnten Umfeld. Getrieben wird dieser Trend vor allem durch die Gesundheitspolitik (Ambulantisierung) sowie durch medizinischen und technischen Fortschritt.

Das Problem daran: Ein effizienter ambulanter OP-Betrieb erfordert grundlegend andere Prozesse und Strukturen als ein stationärer OP-Betrieb. Es mangelt an Expertensoftware, die sich dem ambulanten Operieren speziell und ganzheitlich widmet. Aus diesem Grund greifen Betreiber vermehrt auf Insellösungen oder Software zurück, die eigentlich für andere Use Cases konzipiert ist. Auch das Fax findet noch breite Anwendung. Die Folge sind ineffizienter Einsatz von Ressourcen, isolierte Prozesse und Medienbrüche. Informationen gehen unter, Patienten fühlen sich nicht abgeholt, Mitarbeiter leiden unter manuellem Aufwand und Betreiber haben keinen Überblick und gleichzeitig hohen Kostendruck. Wir ändern das und ermöglichen mehr Fokus auf das Wesentliche: die Patienten und einen reibungslosen Ablauf.

Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?

Johannes Hargasser: Betreiber ambulanter OP-Zentren sind nicht „nur“ medizinische Leistungserbringer, sondern fungieren als Infrastrukturdienstleister. Sie stellen häufig sämtliche OP-Infrastruktur zur Verfügung, die für die Planung, Durchführung und Verwaltung einer ambulanten Operation notwendig ist. Dazu zählen zum Beispiel Materialwirtschaft, technisches Equipment, Sterilgut und natürlich die ausgestatteten OP-Säle. Wir sind die Einzigen, die diese Leistungen unter Beachtung der finanziellen Rahmenbedingungen entlang der Prozesskette vollumfänglich erfassen und verwaltbar machen. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass alle am Prozess beteiligten Personen zum richtigen Zeitpunkt rollenbasiert in den Prozess integriert werden.

Gründungsteam kommt aus der Branche

Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?

Johannes Hargasser: Der Auslöser für die Gründung war letztlich eigener Bedarf. Unser Gründungsteam stammt zum Teil aus einem Familienunternehmen, das ambulante OP-Zentren betreibt.

Als wir nach Lösungen auf dem Markt suchten, die uns helfen sollten, unsere eigenen alltäglichen Herausforderungen besser in den Griff zu bekommen, wurden wir nicht fündig. Es gab zwar Lösungen für einzelne Teilprozesse, aber kein System war darauf ausgelegt, den Betrieb ambulanter OP-Zentren ganzheitlich abzubilden. Diese Lücke, kombiniert mit dem hohen Optimierungspotenzial und der Tatsache, dass wir in Deutschland mittelfristig dringend mehr effiziente ambulante OP-Zentren benötigen, um eine zeitgemäße und hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen, brachte uns dazu, Ambuflow zu gründen.

Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?

Johannes Hargasser: Nein, tatsächlich nicht. Die Organisation des ambulanten Operierens ist wirklich komplex und manchmal dauert es länger, bis man die perfekte Lösung für ein Problem gefunden hat. Jedoch haben wir direkt nach der Einführung in unserem ersten OP-Zentrum gemerkt, dass wir einen echten Schmerzpunkt lösen. Das unmittelbar positive Feedback der User sowie deren sehr konstruktive Impulse für Weiterentwicklungen waren damals wie heute eine riesige Motivation, weiterzumachen.

Höhere Erlöse, weniger Arbeitsstunden

Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Johannes Hargasser: Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigt uns schon heute das Feedback unserer Anwender: Unsere Kunden steigern ihre Erlöse pro Fall spürbar und sparen viele Arbeitsstunden in der Verwaltung. Zudem begleiten wir bereits neu gegründete Zentren dabei, von Beginn an effiziente Prozesse aufzubauen.

Wenn aus diesen Erfolgen im kommenden Jahr eine noch breitere Marktresonanz wird und sich unser Mehrwert flächendeckend herumspricht, ist das die Bestätigung, dass wir die Branche nachhaltig verändern mit dem klaren Ziel, im kommenden Jahr mindestens 50.000 Operationen vollständig über unsere Plattform abzubilden.

Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?

Johannes Hargasser: Wir würden jederzeit wieder in München gründen. Der Standort bietet wirklich viel. Es gibt hier eine tolle Startup-Szene, mit der man super in den Erfahrungsaustausch gehen kann, und spannende Events zum Netzwerken.

Munich Startup: Bootstrapping oder Venture Capital?

Johannes Hargasser: Sowohl als auch. Im frühen Unternehmensaufbau hat Bootstrapping, sofern es finanziell möglich ist, viele Vorteile. Sobald man seinen Markt und sein Produkt gut kennt und klare, belastbare Strategien für Wachstum hat, kann Kapital durch Venture Capital natürlich ein starker Beschleuniger sein.

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