Mit seiner Multi-Agenten-Plattform will Atira komplexe Angebotsprozesse in Industrieunternehmen automatisieren. Nun hat das Münchner KI-Startup in einer Seed-Runde etwa 13 Millionen Euro (15 Millionen Dollar) unter Führung von Accel eingesammelt, an der sich auch Bestandsinvestor UVC Partners beteiligt. Bereits in einer Pre-Seed-Finanzierung erhielt Atira von UVC Partners knapp 2,1 Millionen Euro (2,5 Millionen Dollar).
Atira setzt an einem Teil des industriellen Vertriebs an, der trotz CRM-, ERP- und anderer Unternehmenssoftware vielfach noch von manueller Arbeit geprägt ist: der Übersetzung komplexer Kundenanfragen in technisch und kommerziell belastbare Angebote. Dafür entwickelt das Münchner Unternehmen eine agentenbasierte Orchestrierungsebene, die zwischen Customer-Relationship-Management (CRM) und Enterprise-Resource-Planning (ERP) arbeitet.
Besonders bei kundenspezifisch gefertigten Industrieprodukten können Angebotsanfragen, sogenannte Requests for Quotation (RFQ), umfangreiche technische Spezifikationen enthalten. Sales Engineers, technisches Fachpersonal, Rechtsabteilungen und Commercial Teams müssen Informationen prüfen, Risiken bewerten und individuelle Angebotsunterlagen zusammenstellen. Der Prozess kann dadurch Wochen oder sogar Monate dauern.
Insgesamt über 15 Millionen Euro Kapital
Mit den beiden Finanzierungsrunden erhält Atira insgesamt also über 15 Millionen Euro (17,5 Millionen Dollar). Atira will das neue Kapital insbesondere für den Ausbau des Go-to-Market-Teams, die weitere Produktentwicklung und die internationale Expansion einsetzen.
Benjamin Erhart, General Partner bei UVC Partners, betont:
„Die gängige Annahme ist, dass ein einzelnes System diese Herausforderung lösen kann – mit echtem Umsatzeffekt für alle Kunden. Doch das Wissen, das tatsächlich zum Erfolg eines Deals führt, stammt aus der eigenen Angebotshistorie des Unternehmens, einem Gedächtnis, das mit jedem Projekt wächst. Und genau dieses Wissen liefert Atiras Plattform.“
Atira positioniert KI-Agenten zwischen CRM und ERP
Technologisch setzt Atira nicht auf einen einzelnen KI-Assistenten für isolierte Aufgaben. Stattdessen soll ein Multi-Agenten-System mehrere Schritte eines industriellen Angebotsprozesses koordinieren.
Die Plattform deckt den Prozess vom Screening eingehender Anfragen über die Konfiguration einer passenden Lösung bis zur Erstellung technischer und kommerzieller Angebotsinhalte ab. Dabei soll Wissen aus vergangenen Projekten nicht nur abgelegt, sondern für neue Anfragen wieder nutzbar gemacht werden.
Damit verbindet Atira zwei bestehende Unternehmenssysteme: Während im CRM Kundenbeziehungen und Vertriebsaktivitäten verwaltet werden und ERP-Systeme unter anderem operative Unternehmensressourcen und Geschäftsprozesse abbilden, konzentriert sich Atira auf die Koordination der dazwischenliegenden Angebotsarbeit.
Mehr als 15 Industriekunden seit dem Marktstart 2025
Seit dem kommerziellen Start im Jahr 2025 hat Atira nach eigenen Angaben mehr als 15 Kunden gewonnen. Dazu zählen mittelständische Industrieunternehmen wie Robel, Chiron Group, Theegarten-Pactec und Fette Compacting. Darüber hinaus nutzt Atira auch Konzerne mit mehr als einer Milliarde Dollar Jahresumsatz als Kunden.
Für ein junges B2B-Softwareunternehmen ist dabei insbesondere die frühe Positionierung in komplexen industriellen Vertriebsprozessen relevant. Dort muss KI nicht nur Text generieren, sondern mit technischen Anforderungen, vorhandenen Unternehmensdaten und individuellen Prozessabläufen umgehen.












