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Ballgaze: Klarheit für komplexe Tech-Systeme

Ballgaze: Klarheit für komplexe Tech-Systeme

Credit: © Ballgaze

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Helen Duran

Helen Duran

Das Münchner Startup Ballgaze hilft Unternehmen, technische Fehlentscheidungen früh zu erkennen, bevor Risiken, Komplexität und Technical Debt explodieren. Aus Forschung an der TUM entstanden, zeigt das Deeptech-Startup, wo Systeme kippen, bevor sie kippen und wie Teams Qualität und Effizienz messbar steigern. Gründerin Fandi Hartl analysierte dafür systematisch „Technische Schulden“, also künftige Kosten und den Mehraufwand, der durch schnelle, aber qualitativ schlechtere Entscheidungen in der Entwicklung entsteht, und machte aus ihren Erkenntnissen ein Geschäftsmodell.

5. Dezember 2025

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was macht Ballgaze? Welches Problem löst ihr?

Fandi Hartl: Wir unterstützen Unternehmen dabei, früh zu erkennen, welche technischen Entscheidungen Risiken erzeugen, Komplexität erhöhen oder langfristig zu Technical Debt führen – und wo Effizienz- und Qualitätshebel liegen. Denn in technischen Systemen scheitern Projekte selten an Menschen, sondern an Fehlentscheidungen, die niemand sieht.

Ballgaze analysiert komplexe technische Systeme und zeigt Teams auf einen Blick:
• wo versteckte Risiken entstehen,
• welche Entscheidungen unerwartete Auswirkungen haben,
• wie sich Komplexität reduzieren lässt und wo der größte Hebel für Effizienz liegt.

Unsere Zielgruppe sind alle, die unter technischer Komplexität Entscheidungen treffen müssen: EntwicklerInnen, die versteckte Komplexität erkennen, Technical Debt früh priorisieren und bessere technische Entscheidungen treffen wollen; Forschungsteams, die Risiken sichtbar machen, Fokusbereiche eingrenzen und mit quantitativen KPIs transparent kommunizieren; System Engineers und Projektteams, die cross-domain Abhängigkeiten verstehen, Bottlenecks früh identifizieren und Projekte besser ausführen möchten; ProjektmanagerInnen, die Hochrisiko-Bereiche visualisieren, rechtliche Themen aufdecken und Entscheidungen faktenbasiert priorisieren; Startups, die skalierbare Entscheidungen treffen, Wachstum ermöglichen und sich durch Benchmarks strategisch positionieren wollen; sowie Unternehmen, die Komplexität reduzieren, Qualität steigern und Technical Debt über Teams und Regionen hinweg messbar, nachvollziehbar und zukunftsfähig managen.

Kurz: Wir evaluieren technische Entscheidungsfindung und bringen Klarheit dorthin, wo bisher nur Intuition war.

Warum Ballgaze anders auf Komplexität schaut

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Fandi Hartl: Wenn uns jemand mit „Das gibt’s doch schon“ begegnet, gehen wir einen Schritt zurück und fragen erst mal ganz konkret: Wo genau? Für welche Systeme? Und mit welchem Impact? Denn klar: Im Forschungsfeld ‚Technical Debt Management‘ existieren viele Tools – aber nahezu keines davon ist auf mechatronische Systeme ausgelegt. Die meisten Lösungen kommen aus der Softwarewelt, und genau dort endet ihr Blick meist auch. Ballgaze setzt hier an und verbindet drei Bereiche, die bisher kaum zusammengedacht wurden: die Psychologie der Entscheidungsfindung, Systems Engineering und datengetriebene Entscheidungsmodelle.

Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?

Fandi Hartl: Ich habe über 150 technische Systeme untersucht. Und ich habe Muster gefunden, die niemand gerne sieht, aber jeder verstehen sollte. Als Forscherin an der TUM habe ich in meiner Masterarbeit und später in meiner Promotion technische Systeme aus mehr als 20 Unternehmen analysiert, in Automotive, Automation, Additive Manufacturing, Food Engineering und mehr.

Überall tauchten dieselben Muster auf: Entscheidungen, die unter bestimmten Bedingungen getroffen werden, erzeugen langfristige negative Effekte, oft völlig unbemerkt. Das kann psychologisch, strukturell und systemisch begründet werden. Für diese Arbeit habe ich zwei Fakultätsauszeichnungen erhalten. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Warum bleiben diese Erkenntnisse in der Forschung, wenn die Industrie sie so dringend braucht? Ballgaze ist meine Antwort.

Übersetzung in die Praxis und Teamaufbau

Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?

Fandi Hartl: Die größte Herausforderung war nie die Forschung. Es war die Übersetzung in die Praxis.

Wir wollten kein akademisches Tool bauen, das in PDFs glänzt, aber in der Realität scheitert. Wir wollten ein Werkzeug, das EntwicklerInnen und ManagerInnen wirklich nutzen. Ob im Alltag, im Projekt, im Stress oder im Konflikt. Der zweite große Schritt: Ein Team aufbauen, das nicht nur fachlich passt, sondern menschlich, wertebasiert und vom Lebens- und Startup-Stadium her synchron ist. Das ist schwerer, als es klingt.

Expansion in weitere Industrien

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

Fandi Hartl: Wir sind gerade in der spannendsten Phase: Wenn Forschung auf echte Kunden trifft.

Aktuell arbeiten wir mit unseren ersten zahlenden Kunden. Wir begleiten Projekte, analysieren Entscheidungsprozesse und entwickeln das Tool direkt mit den AnwenderInnen weiter.

Für nächstes Jahr ist unser Ziel klar: Die Ballgaze-Software für Unternehmen als SaaS-Lösung. In fünf Jahren wollen wir der führende Standard für technische Entscheidungsanalyse sein
und in weitere Industrien expandieren.

Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Fandi Hartl: Für uns ist München der optimale Standort: Hier treffen wir auf starke Industriepartner, exzellente Universitäten und eine politisch stabile Förderlandschaft. Gleichzeitig gibt es ein ausgereiftes, aber weiterhin innovatives Startup-Ökosystem – und ein Umfeld, das Arbeit, Leben und Familie gut miteinander verbindet. Für ein Deep-Tech-Startup wie unseres ist diese Mischung echt Gold wert.

Risiko verstehen, statt es zu vermeiden

Munich Startup: Risiko oder Sicherheit?

Fandi Hartl: Ich glaube nicht an blindes Risiko. Ich glaube an bewusstes Risiko.

Risiko entsteht nur dort, wo Informationen fehlen. Deshalb ist mein Grundsatz klar: information is king. Je mehr Informationen du hast, desto weniger riskant fühlt sich eine Entscheidung an.

Wir bei Ballgaze analysieren, messen und bewerten Risiken systemisch. Sicherheit entsteht nicht durch Vermeidung. Sicherheit entsteht, wenn man Risiken versteht. Das ist genau das, wobei wir unseren Kunden helfen.

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