Munich Startup
Europas Circular-Economy-Startups ziehen 55 Prozent des globalen VC an

Europas Circular-Economy-Startups ziehen 55 Prozent des globalen VC an

Credit: Foto: European Spotlight Overview © Circular Republic

Credit: Foto: European Spotlight Overview © Circular Republic

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Laut der neuen Startup-Landkarte 2026 von Circular Republic flossen 2024 mehr als 55 Prozent des weltweit investierten Venture Capitals in Kreislaufwirtschafts-Startups nach Europa. Die datenbasierte Analyse identifiziert rund 2.800 Startups in Europa und zeigt insbesondere bei automatisierter Demontage, KI-gestütztem Recycling und der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe starkes Wachstumspotenzial.

12. Mai 2026

3 Min. Lesezeit

Europa entwickelt sich zum globalen Zentrum für Circular-Economy-Startups. Die neue Startup-Landkarte von Circular Republic, der Circular-Economy-Initiative von UnternehmerTUM, verdeutlicht einen strategischen Wandel. Kreislaufwirtschaft wird zunehmend nicht mehr primär als Nachhaltigkeitsthema verstanden, sondern als industriepolitischer Hebel für Europas wirtschaftliche Resilienz.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten und steigender Rohstoffpreise gewinnt insbesondere die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe an Bedeutung. Europa ist bei Seltenen Erden, die unter anderem in Windkraftanlagen, Robotik oder Elektromotoren eingesetzt werden, bislang massiv von Importen abhängig – bei einzelnen Materialien liegt die Abhängigkeit von China laut Circular Republic bei bis zu 95 Prozent.

Genau an dieser Stelle entstehen neue Startup-Chancen. Technologien für automatisierte Demontage, KI-gestützte Sortierung und moderne Recyclingverfahren sollen künftig helfen, wertvolle Rohstoffe effizienter zurückzugewinnen und industrielle Kreisläufe wirtschaftlich skalierbar zu machen.

Deutschland, Großbritannien und Frankreich führen Europas Circular-Economy-Szene an

Mit rund 2.800 identifizierten Startups bleibt Europa laut der Analyse ein globaler Hotspot für zirkuläre Geschäftsmodelle. Besonders viele Unternehmen entstehen weiterhin in Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße zählen jedoch Estland und Finnland zu den dynamischsten Ökosystemen im Bereich Circular Economy. Die Studie unterstreicht damit, dass sich zirkuläre Innovation zunehmend europaweit verteilt und nicht ausschließlich in den großen Industriestaaten entsteht.

Die Untersuchung gilt laut Circular Republic als bislang größte datenbasierte Analyse europäischer Circular-Economy-Startups. Erfasst wurden neben den Unternehmen auch Finanzierungstrends sowie technologische Schwerpunkte.

Automated Disassembly und Critical Raw Materials Recovery als neue Wachstumsmärkte

Einen besonderen Fokus legt die diesjährige Erhebung auf industrielle Anwendungen. Im Mittelpunkt stehen dabei Technologien zur automatisierten Demontage von Industrieprodukten, KI-gestützte Systeme zur Sortierung von Stoffströmen, die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe sowie robotikbasierte Recyclingprozesse und sogenannte Physical-AI-Anwendungen für industrielle Kreisläufe.

Vor allem die Kombination aus KI und hardwarebasierten Recyclingtechnologien gilt als Zukunftsfeld. Laut der Analyse arbeiten allerdings bislang weniger als fünf Prozent der Circular-Economy-Startups explizit an Lösungen rund um kritische Rohstoffe.

Gleichzeitig beschäftigen sich rund 15 Prozent der europäischen Circular-Economy-Startups mit Recyclingtechnologien zur Schließung von Materialkreisläufen.

Leonhard Teichert ist der Programmleiter bei Circular Republic und sagt dazu:

„Die wenigen Unternehmen, die es an der Schnittstelle zwischen Kreislaufwirtschaft und KI gibt, sind allerdings die absoluten Spitzenreiter.“

Europa sieht Chance auf technologische Führungsrolle

Für Circular Republic liegt genau darin eine strategische Gelegenheit für den europäischen Industriestandort. Während Europa in Bereichen wie Internetplattformen, Solarindustrie oder Elektromobilität Marktanteile an die USA und China verloren habe, könne bei Recycling- und Zerlegetechnologien nun eine neue industrielle Führungsrolle entstehen.

Matthias Ballweg, Co-Founder von Circular Republic, erklärt:

„Doch jetzt haben wir bei der Zerlege- und Recyclingtechnologie eine neue Chance, es besser zu machen und diesmal die Marktführerschaft aus Europa heraus zu sichern.“

Die Studie warnt allerdings gleichzeitig davor, dass Europa seinen aktuellen Vorsprung ohne konsequente Industrialisierung und Skalierung wieder verlieren könnte.

Die europäische Startup-Landkarte für den Bereich Circular Economy findet ihr hier.

Mehr davon

Passende Beiträge zum Weiterlesen

Die Luft reicht nicht mehr: Quantum Systems geht unter Wasser
Inside Stories

Die Luft reicht nicht mehr: Quantum Systems geht unter Wasser

15.09.26
3 Min.
Erst ins Meer, jetzt ins All: Isar Aerospace schafft den Durchbruch
Inside Stories

Erst ins Meer, jetzt ins All: Isar Aerospace schafft den Durchbruch

08.09.26
4 Min.
Dieser Umzugskarton von The Ocean Package soll 20 Leben haben
Inside Stories

Dieser Umzugskarton von The Ocean Package soll 20 Leben haben

01.09.26
4 Min.
Vom Tabu zum Milliardenmarkt: Warum Startups immer mehr auf Defence setzen
Inside Stories

Vom Tabu zum Milliardenmarkt: Warum Startups immer mehr auf Defence setzen

27.08.26
7 Min.
Wem gehört das All? Münchens Rolle im New Space
Inside Stories

Wem gehört das All? Münchens Rolle im New Space

25.08.26
7 Min.
Gründen braucht Vielfalt: Das Munich Startup Doppelinterview
Inside Stories

Gründen braucht Vielfalt: Das Munich Startup Doppelinterview

25.08.26
5 Min.
Eine Woche Coliving: Was ich aus dem Werk1 mitnehme
Inside Stories

Eine Woche Coliving: Was ich aus dem Werk1 mitnehme

21.08.26
4 Min.
Eine Woche Coliving: Wie Startups im Werk1 wachsen
Inside Stories

Eine Woche Coliving: Wie Startups im Werk1 wachsen

20.08.26
4 Min.
Vom Labor zum Startup: Warum gute Forschung allein nicht reicht
Inside Stories

Vom Labor zum Startup: Warum gute Forschung allein nicht reicht

20.08.26
10 Min.
Eine Woche Coliving: So funktioniert Coworking im Werk1
Inside Stories

Eine Woche Coliving: So funktioniert Coworking im Werk1

19.08.26
4 Min.
Eine Woche Coliving: Im Gespräch mit dem Mann hinter dem Werk1
Inside Stories

Eine Woche Coliving: Im Gespräch mit dem Mann hinter dem Werk1

18.08.26
4 Min.
Warum Patrick Owomoyela dem FC Bayern absagte – und was GründerInnen daraus lernen können
Inside Stories

Warum Patrick Owomoyela dem FC Bayern absagte – und was GründerInnen daraus lernen können

18.08.26
7 Min.