Für Code Gaia ist der Wechsel der Global-Climate-Kunden mehr als zusätzliches Neugeschäft. Das Münchner Startup positioniert sich damit gezielt als Auffang- und Konsolidierungsplattform für einen ESG-Softwaremarkt, dessen Rahmenbedingungen sich deutlich verändert haben. Parallel baut die House-of-Gaia-Gruppe ihr Führungsteam aus und holt Marc Erfkamp als VP Revenue an Bord.
Ein wesentlicher Treiber für die Veränderungen im Markt ist die europäische Nachhaltigkeitsregulierung. Die EU-Kommission hatte im Februar 2025 mit ihrem ersten Omnibus-Paket umfangreiche Vereinfachungen unter anderem bei CSRD und CSDDD angestoßen. Die Änderungen an den entsprechenden Richtlinien wurden inzwischen verabschiedet.
Das im Februar 2025 von der EU-Kommission vorgestellte Omnibus-Paket zielte darauf, Nachhaltigkeits- und Sorgfaltspflichten für Unternehmen zu vereinfachen und den Kreis der verpflichteten Unternehmen deutlich einzugrenzen. Nach Angaben der Kommission sollen die Maßnahmen die administrativen Kosten im Bereich nachhaltigkeitsbezogener Regulierung um Milliarden Euro pro Jahr reduzieren.
Für ESG-Softwareanbieter verschiebt sich damit der Markt. Lösungen, deren Nutzen hauptsächlich in der Erfüllung einzelner Berichtspflichten besteht, treffen auf andere regulatorische Voraussetzungen als noch beim Start der CSRD. Gleichzeitig verschwinden Nachhaltigkeitsdaten nicht aus dem Unternehmensalltag: CO₂-Bilanzen, Kundenanforderungen, Lieferkettendaten oder freiwilliges Reporting können auch jenseits einer unmittelbaren gesetzlichen Berichtspflicht relevant bleiben.
Damit verändern sich auch die Rahmenbedingungen für Softwareanbieter, deren Produkte stark auf regulatorisch vorgeschriebene Nachhaltigkeitsberichte ausgerichtet sind. Code Gaia setzt deshalb auf ein breiteres Angebot rund um Nachhaltigkeits- und Compliance-Management.
Global-Climate-Kunden sollen historische ESG-Daten behalten
Konkret haben sich Code Gaia und die Beteiligten bei Global Climate darauf verständigt, Code Gaia als Anschlusslösung für die Kunden des Münchner ESG-Softwareanbieters einzusetzen. Nach Angaben von Code Gaia soll dabei nicht nur die Software gewechselt werden, sondern auch bestehende Daten und bisher aufgebaute Reporting-Prozesse sollen möglichst ohne Bruch weitergeführt werden.
Global Climate bot Unternehmen Lösungen unter anderem für Corporate Carbon Footprints (CCF), Product Carbon Footprints (PCF), CSRD, Lieferkettenanforderungen, EU-Taxonomie und Science Based Targets an.
Für Unternehmen ist die Frage nach der Datenmigration relevant, weil Nachhaltigkeitsmanagement zunehmend auf historischen Datenreihen aufbaut. Emissionsbilanzen, Lieferkettendaten oder Informationen aus früheren Reporting-Zyklen verlieren bei einem Anbieterwechsel nicht ihre Bedeutung.
Code Gaia kombiniert Software und KI-gestützte Datenverarbeitung mit Beratung. Zum Angebot gehören unter anderem CO₂-Bilanzierung, ESG-Reporting, VSME und CSRD sowie Produkt- und Lieferkettenthemen. Auf seiner Website nennt das Unternehmen aktuell mehr als 630 Kunden, über 60 MitarbeiterInnen und fünf Standorte.
Wilhelm Hammes, Geschäftsführer bei House of Gaia, erklärt:
„Für Unternehmen geht es hier um weit mehr als um den Wechsel einer Software. Sie haben über Jahre Zeit und Ressourcen in ihre Daten, Bilanzierungen und Reporting-Prozesse investiert.“
Code Gaia will deshalb einen Übergang mit definiertem Fahrplan und der Übernahme historischer Daten ermöglichen.
House of Gaia setzt auf Buy-and-Build im ESG-Softwaremarkt
Der Schritt fügt sich in eine größere Konsolidierungsstrategie ein. Im Mai 2026 hatten Code Gaia und Planted ihren Zusammenschluss zur House-of-Gaia-Gruppe bekanntgegeben. Im Juli folgte die Übernahme des Nachhaltigkeits-Startups Codio Impact. Auch Clime gehört nach Unternehmensangaben inzwischen zur Gruppe.
Das Ziel beschreibt Code-Gaia-Geschäftsführer Markus Adler so:
„Wir bieten ESG-Anbietern die Möglichkeit, Teil der Gruppe zu werden. So bieten wir Unternehmen langfristige Sicherheit und ein wachsendes Portfolio.“
Aus einzelnen Lösungen soll damit schrittweise eine gemeinsame Plattform für Nachhaltigkeit und Compliance entstehen.












