Munich Startup
Dais will mehr als Periodenunterwäsche

Dais will mehr als Periodenunterwäsche

Credit: Dais

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

Mit Dais wollen Eva Bodenmüller und Grace Forsyth „Cyclecare“ im Handel etablieren. Im Interview sprechen sie über Wachstum, Rückschläge und München als Standort.

28. September 2026

5 Min. Lesezeit

Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?

Eva Bodenmüller, Co-Founderin Dais & Grace Forsyth, Co-Founderin Dais: Wir bieten eine Lösung für Frauen, die sich durch ihren Zyklus nicht in ihrem Alltag einschränken lassen wollen. Im Kern geht es uns um Frauengesundheit und Wellbeing und genau dafür entwickeln wir Produkte, die den Alltag leichter machen. Wir nennen diesen Ansatz Cyclecare: eine ganzheitliche Antwort auf alles, was mit dem weiblichen Zyklus zu tun hat.

Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?

Eva Bodenmüller & Grace Forsyth: Wir setzen konsequent auf hohe Qualität: moderne Schnitte, gute Rohstoffe und den Anspruch, in allem best in class zu sein und das bei fairen Preisen. Dazu kommt unsere Verfügbarkeit: Über unsere Retail-Strategie sind unsere Produkte überall erhältlich, nicht nur online.

Die Lücke im Drogerieregal

Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?

Eva Bodenmüller & Grace Forsyth: Der Auslöser war eine klare Lücke im Regal: Periodenunterwäsche gab es zwar schon auf dem Markt, und wir fanden das Konzept großartig, aber sie war fast ausschließlich online und zu sehr hohen Preisen erhältlich. Wir wollten das ändern und faire Preise schaffen, die für wirklich jede Frau erschwinglich sind, und zwar genau dort verfügbar, wo Frauen ohnehin ihre Hygieneprodukte kaufen.

Dazu kam ein sehr persönlicher Antrieb: Wir haben in unseren bisherigen Karrieren große Marken für die Drogerie mit aufgebaut und es geliebt, diese Marken wachsen zu lassen. Aber immer für jemand anderen, immer als Teil eines größeren Teams. Uns hat gefehlt, unsere eigenen Werte da hineinzubringen. Wir wollten etwas mit Sinn aufbauen, das über die reine Arbeit hinausgeht, etwas, das wirklich uns gehört und in das wir mit ganzem Herzen und vollem Einsatz reingehen. Und das ist eben etwas ganz anderes, als in einem Team für jemand anderen zu arbeiten.

„Das schaffen wir nicht“

Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?

Eva Bodenmüller & Grace Forsyth: Tausende, aber der schlimmste Moment war ungefähr ein Jahr nach der Gründung, als wir von einem Wettbewerber eine Unterlassungserklärung erhalten haben. Wir mussten Ware zurücknehmen, die wir gerade erst verkauft hatten. Als junges Start-up hat uns das extrem viel gekostet und uns fast das Genick gebrochen. In diesem Moment dachten wir wirklich: Das schaffen wir nicht. Im Rückblick sind wir aber genau an diesem Rückschlag gewachsen: Wir sind als Gründerteam noch enger zusammengerückt, haben eine Lösung für das Problem gefunden und uns danach ganz gezielt auf Wachstum fokussiert, um die hohen Kosten wieder reinzuholen. Genau das hatte am Ende einen großen Anteil an unserem heutigen Erfolg.

Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?

Eva Bodenmüller & Grace Forsyth: Wir würden es daran erkennen, dass sich unser Portfolio im Regal spürbar wandelt – weg von reiner Periodenunterwäsche, hin zu Cyclecare als Ganzes. Wenn es uns gelingt, all die Produkte, die wir aktuell planen, auf den Markt zu bringen und uns damit Cyclecare als eigene Kategorie zu etablieren, wäre das ein starkes Zeichen. Und dazu gehört auch das Thema Brand Awareness: dass mehr Menschen uns kennen, ohne dass wir ihnen erst erklären müssen, wer wir sind und wofür wir stehen.

München-Liebe mit ein bisschen Berlin-FOMO

Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?

Eva Bodenmüller & Grace Forsyth: Ja, auf jeden Fall wieder in München. Wir sind beide sehr mit der Stadt verbunden und lieben sie einfach. München bietet uns eine großartige Work-Life-Balance mit der Nähe zur Natur und dieses kleinstädtische Gefühl helfen enorm, gerade auch beim Aufbau von Brand Awareness, weil sich Dinge in dieser Community viel schneller herumsprechen als in ganz Deutschland.

Wir haben außerdem gemerkt, dass sich die Founder-Community hier seit unserer Gründung deutlich weiterentwickelt hat. Am Anfang kam es uns vor, als wären wir fast allein unterwegs, umgeben von eher großen, etablierten Unternehmen als von anderen Start-ups, gerade im Konsumgüterbereich. Mittlerweile gibt es davon deutlich mehr, und wir vernetzen uns auch zunehmend über München hinaus.

Ehrlich gesagt haben wir trotzdem ein bisschen FOMO, wenn wir sehen, was sich in Berlin tut. Dort ist die Founder-Community einfach noch größer. Und auch die Steuern in Deutschland dürfen wir, glaube ich, ruhig als eher unangenehm bezeichnen. Aber unterm Strich: München ist und bleibt unser Zuhause.

Munich Startup: Bootstrapping oder Venture Capital?

Eva Bodenmüller & Grace Forsyth: Bei uns ist es beides. Wir gehen es nur etwas anders an als klassisch üblich. Wir sind Venture-finanziert, aber nicht über die klassische Abfolge von Finanzierungsrunden. Dass wir überhaupt Venture Capital aufnehmen, liegt vor allem an unserem Retail-Fokus: Der ist kostspielig, weil man Ware im Voraus produzieren muss und der Umsatz nicht linear, sondern eher wie ein Hockeystick verläuft. Genau für diese Phasen braucht man finanzielle Mittel, die man sich nicht immer allein erarbeiten kann.

Unser Ziel ist aber organisches Wachstum: Wir wollen nicht alle paar Monate oder Jahre neues Kapital aufnehmen, sondern so nachhaltig wie möglich wachsen. Wir glauben nicht daran, Geld zu verbrennen, um so schnell wie irgend möglich zu wachsen, sondern nehmen Kapital auf, das uns erlaubt, unsere Strategie umzusetzen: den Weg in den Retail zu gehen und in Warenbestände zu investieren, ohne dass es dem Unternehmen schadet. Dabei achten wir immer darauf, cashflow-positiv und profitabel zu bleiben.

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