Wer ein Unternehmen aufbauen will, müsse vor allem lernen, Rückschläge auszuhalten. David Baumgartner, der Dean&David vor rund 20 Jahren gegründet hat, erzählt uns beim Munich Startup Festival, dass er beim Vergleich erfolgreicher UnternehmerInnen immer wieder die Fähigkeit sieht, Krisen zu überstehen. Gleichzeitig warnt er davor, sich falsche GeschäftspartnerInnen auszusuchen, ein häufig unterschätztes Risiko.
Resilienz entscheidet über den langfristigen Erfolg
Für Baumgartner beginnt Unternehmertum mit der Bereitschaft, schwierige Phasen auszuhalten. GründerInnen müssten sich „eine extrem harte Resilienz“ aufbauen und lernen, mit Niederlagen umzugehen:
„Ihr werdet eigentlich keine erfolgreiche Firma auf dieser Welt finden, die nicht durch ganz tiefe Täler gegangen ist.“
Als Beispiele nennt er Unternehmen wie Apple, die zeitweise kurz vor der Insolvenz standen. Entscheidend sei nicht, Rückschläge zu vermeiden, sondern nach ihnen weiterzumachen. Genau darin sieht Baumgartner den gemeinsamen Nenner erfolgreicher Unternehmerpersönlichkeiten.
Zahlen im Griff haben: „Ihr müsst immer auf den Euro schauen“
Neben mentaler Stärke nennt der Dean&David-Gründer den zweiten Erfolgsfaktor: finanzielle Disziplin.
Nach seiner Erfahrung scheitern viele GründerInnen nicht an fehlenden Ideen, sondern daran, dass sie ihre Kennzahlen nicht ausreichend kennen. Wer seine Ausgaben und wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht verstehe, könne kein Unternehmen nachhaltig führen.
„Ihr müsst immer auf den Euro schauen.“
Ein professioneller Umgang mit Finanzen sei unabhängig von Branche oder Geschäftsmodell eine Grundvoraussetzung für unternehmerischen Erfolg.
PartnerInnen und InvestorInnen sorgfältig auswählen
Besonders eindringlich warnt der Gründer davor, GeschäftspartnerInnen oder InvestorInnen vorschnell auszuwählen. Gerade in diesem Bereich beobachte er immer wieder Konflikte und Enttäuschungen.
„Eine Ehe ist ja im Grunde nichts dagegen, gegen das, was du zum Beispiel in einer Partnerschaft im Unternehmertum hast. Da gibt es keinen Ehevertrag und da gibt es auch keine Scheidung, sondern da gibt es häufig leider nur böses Blut.“
Deshalb sollten GründerInnen genau prüfen, mit wem sie langfristig zusammenarbeiten wollen. Die persönlichen und strategischen Vorstellungen müssten dauerhaft zusammenpassen.
Warum Baumgartner bewusst auf maximale Skalierung verzichtete
Rückblickend bereut Baumgartner seine unternehmerischen Entscheidungen nicht. Zwar habe es in den vergangenen Jahren zahlreiche Angebote großer Private-Equity-InvestorInnen gegeben, damit wäre möglicherweise auch eine internationale Expansion bis hin zum Unicorn denkbar gewesen. Für ihn überwog jedoch der Wunsch nach unternehmerischer Freiheit, wie er im Interview klar macht:
„Ich bin der Typ, der eher gerne ein großes Stück Kuchen vom kleinen Kuchen hat, als ein kleines Stück Kuchen von einem großen Kuchen.“
Mehr Eigentum bedeute für ihn auch mehr Entscheidungsspielraum und weniger Abhängigkeit von Interessen der InvestorInnen.
Unternehmertum ist nicht für jeden geeignet
Gleichzeitig räumt Baumgartner mit der Vorstellung auf, jeder könne zwangsläufig ein/e erfolgreiche/r GründerIn werden. In zwei Jahrzehnten als Unternehmer habe er viele Menschen kennengelernt, die fachlich hervorragend seien, aber nicht für die Belastungen des Unternehmertums gemacht seien. Fehlende Resilienz, dauerhafter Druck und schlaflose Nächte könnten Menschen langfristig zermürben.
„Unternehmertum ist großartig, ich liebe es, aber es ist auch bretthart.“
Wer feststelle, dass dieser Weg nicht zu den eigenen Stärken passe, müsse das nicht als Niederlage verstehen. Oft sei ein anderer Karriereweg die bessere Entscheidung – und letztlich auch der glücklichere.
Drei Ratschläge von David Baumgartner für GründerInnen
Zusammengefasst gibt David Baumgartner jungen Startups die drei folgenden Tipps mit auf den Weg:
- Resilienz entwickeln: Rückschläge gehören zum Unternehmertum und dürfen nicht zum Aufgeben führen.
- Finanzen beherrschen: Kennzahlen und Ausgaben müssen jederzeit im Blick bleiben.
- PartnerInnen sorgfältig auswählen: Die Wahl von MitgründerInnen und InvestorInnen hat langfristige Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg.

Dean&David wurde 2007 in München von David Baumgartner gegründet und zählt heute zu den bekanntesten Healthy-Fast-Casual-Konzepten im deutschsprachigen Raum.
Das Unternehmen setzt auf ein Franchise-Modell und kombiniert frisch zubereitete Speisen mit einem Fokus auf ausgewogene Ernährung und Nachhaltigkeit. Die Kette betreibt inzwischen mehr als 2.000 Beschäftigte in mehr als 150 Stores in mehr als 70 Städten in 5 Ländern.











