Das Münchner Elektromotoren-Startup Deepdrive hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Ein weltweit führender Automobilhersteller hat das Unternehmen als Zulieferer für die Großserienproduktion nominiert. Die Fertigung soll 2028 starten. Gleichzeitig kündigt Deepdrive den Markteintritt in China an und baut dafür ein Team in Shanghai auf. Damit vollzieht das Startup den Schritt von der Technologieentwicklung zur industriellen Serienfertigung.
Vom Prototyp zur Großserie
Deepdrive entwickelt eine neue Generation von Elektromotoren. Das Herzstück ist eine patentierte Doppelrotor-Technologie, bei der ein Stator zwischen einem inneren und einem äußeren Rotor sitzt. Diese Bauweise soll eine besonders hohe Drehmomentdichte bei geringem Gewicht und niedrigen Kosten ermöglichen.
Seit der Gründung hat das Unternehmen seine Technologie für drei Anwendungen entwickelt und validiert: Generatoren, Radnabenantriebe und Zentralantriebe. Nach Abschluss der Validierung will Deepdrive nun seine Produktionskapazitäten für große Stückzahlen ausbauen.
Die Nominierung durch einen internationalen Automobilhersteller markiert dabei einen entscheidenden Schritt. Erstmals steht die Technologie vor dem Einsatz in einer Großserie. Welcher Hersteller Deepdrive ausgewählt hat und welche Stückzahlen geplant sind, gibt das Startup bislang nicht bekannt.
Felix Poernbacher, CEO und Mitgründer von Deepdrive, erklärt:
„Von Anfang an war es unser Ziel, den globalen Standard für elektrische Antriebe in der Automobilindustrie und darüber hinaus zu schaffen. Diese Nominierung ist der erste Schritt auf dem Weg dorthin.“
Für das Startup beginnt damit eine neue Phase. Statt ausschließlich an der Weiterentwicklung seiner Motoren zu arbeiten, muss Deepdrive nun zeigen, dass sich die Technologie zuverlässig und wirtschaftlich in großen Stückzahlen fertigen lässt.
Deepdrive startet Expansion nach China
Parallel zur Vorbereitung der Serienproduktion treibt Deepdrive seine internationale Expansion voran. Den Anfang macht China, einer der weltweit größten Märkte für Elektrofahrzeuge.
In Shanghai baut das Unternehmen ein lokales Team auf, das Vertrieb und Projektumsetzung für den chinesischen Markt übernimmt. Die Mitarbeitenden sind in die globale Entwicklungs- und Produktionsorganisation eingebunden.
Deepdrive verfolgt dabei einen lokalen Produktionsansatz: Das Unternehmen will seine Antriebe dort fertigen, wo seine KundInnen sitzen. So soll die internationale Nachfrage bedient werden, ohne sämtliche Produktionskapazitäten an einem Standort zu konzentrieren.
Poernbacher bezeichnet die Expansion nach China als logischen nächsten Schritt. Der chinesische Automobilmarkt gehöre zu den dynamischsten weltweit und biete einen geeigneten Ausgangspunkt für das internationale Wachstum.
Ex-Tesla-Produktionschef begleitet die Industrialisierung
Unterstützung erhält Deepdrive von erfahrenen Führungskräften aus der Automobilindustrie. Dazu gehört Peter Hochholdinger, der zuvor unter anderem Produktionsverantwortung bei Tesla und Lucid trug und Deepdrive heute als Berater unterstützt.
Er sieht vor allem die industrielle Umsetzung als entscheidende Herausforderung für junge Technologieunternehmen.
„Eine neue Motorenarchitektur in die Serienproduktion zu bringen, ist der Punkt, an dem die meisten Deeptech-Unternehmen scheitern.“
Zwischen einer erfolgreich getesteten Technologie und einer industriellen Fertigung großer Stückzahlen liege eine enorme Herausforderung. Deepdrive habe aus seiner Sicht sowohl die organisatorischen als auch die technologischen Voraussetzungen geschaffen, um diesen Schritt zu bewältigen.
Neben Hochholdinger unterstützen weitere Branchenexperten das Münchner Startup. Dazu zählen Peter Mertens, ehemaliger Technikvorstand von Audi und Volvo, sowie Jörg Grotendorst, der Führungspositionen unter anderem bei Magna, Rheinmetall Automotive und ZF innehatte.
Namhafte Investoren unterstützen Deepdrive
Auch auf Investorenseite verfügt Deepdrive über Verbindungen zur internationalen Automobilindustrie. Zu den Kapitalgebern gehören BMW i Ventures, UVC Partners, Bayern Kapital, Aumovios Capital Venture Unit sowie Leitmotif mit Volkswagen als Ankerinvestor.
Mit der Nominierung für die Großserie und dem Markteintritt in China steht das Münchner Startup nun vor seiner bislang wichtigsten Wachstumsphase.
Die nächsten zwei Jahre dürften entscheidend werden: Bis zum geplanten Produktionsstart 2028 muss Deepdrive seine Fertigung skalieren und die Anforderungen der Automobilindustrie an Qualität, Kosten und Lieferfähigkeit erfüllen.












