Depotcharge kann sich freuen: Das Münchner Startup erhält 2,7 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital, Lead-Investor ist der High-Tech Gründerfonds (HTGF). Ebenfalls beteiligt sind xdeck Ventures, Kopa Ventures und Prequel Ventures sowie Business Angels aus Logistik, E-Mobilität und Energiewirtschaft. Gemeinsam mit dem BGL startet Depotcharge ein bundesweites Depot-Ladenetz für E-Lkw.
Depotcharge will bereits vorhandene Ladepunkte in Speditionsdepots besser auslasten. Über die Plattform können Transportunternehmen freie Ladekapazitäten anderen Flotten zur Verfügung stellen und im Gegenzug selbst auf Ladepunkte innerhalb des Netzwerks zugreifen.
Mit BGL Charge wird dieses Modell nun als Branchenlösung in Deutschland ausgerollt. Der BGL vertritt rund 7.000 in seinen Landesverbänden organisierte Unternehmen. Zusätzlich unterstützt die E.L.V.I.S. AG das Netzwerk und bringt ihre Gemeinschaft mit mehr als 250 Partnerunternehmen an über 350 Standorten ein. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen sind bereits mehr als 200 Unternehmen mit rund 600 E-Lkw bei Depotcharge registriert.
Für Depotcharge ist die Kooperation damit mindestens ebenso relevant wie die Finanzierungsrunde: Statt Ladepunkte Standort für Standort ausschließlich selbst akquirieren zu müssen, kann das Startup sein Netzwerk über etablierte Strukturen der Transportbranche erweitern.
2,7 Millionen Euro für Expansion und Transportmanagement-Integration
Das Kapital soll unter anderem in die internationale Expansion und die technische Weiterentwicklung der Plattform fließen. Geplant sind Reservierungsfunktionen, offene Schnittstellen sowie die Integration der Ladevorgänge in bestehende Transportmanagementsysteme. Damit soll die Ladeplanung stärker mit der Disposition von Lkw-Flotten verzahnt werden.
Depotcharge arbeitet dabei nach eigenen Angaben unabhängig von Ladehardware, Backend und Fahrzeughersteller. Depotbetreiber können selbst festlegen, wann ihre Ladepunkte verfügbar sind, wer darauf zugreifen darf und zu welchen Konditionen geladen wird. Die Plattform übernimmt unter anderem Zugangssteuerung, Abrechnung und Zahlungsabwicklung.
Depotcharge überträgt Astag-Charge-Modell aus der Schweiz
Deutschland ist nicht der erste Markt, in dem Depotcharge mit einem Branchenverband kooperiert. In der Schweiz ist seit Anfang Mai 2026 Astag Charge in Betrieb. Das gemeinsam mit dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag umgesetzte Modell ermöglicht Mitgliedsunternehmen, ihre Ladeinfrastruktur innerhalb des Netzwerks gemeinsam zu nutzen.
Für das Münchner Startup ist die Kooperation ein wichtiger Referenzfall: Astag hatte die Lösung zunächst als Pilot gestartet und will sie schrittweise ausbauen. Das deutsche BGL Charge folgt nun demselben Grundprinzip, richtet sich jedoch an den deutschen Straßengüterverkehr.
Depotcharge verfolgt dabei bereits den nächsten Expansionsschritt. Für die kommenden zwei Jahre nennt das Unternehmen den Aufbau eines führenden Ladenetzwerks für den elektrischen Güterverkehr in der DACH-Region und den Benelux-Ländern als Ziel. Seit September 2026 ist Depotcharge laut HTGF zudem mit einem eigenen Vertriebspartner in den Benelux-Staaten aktiv.
Ungenutzte Depot-Ladeleistung als Geschäftsmodell
„Die Adoptionswelle bei E-Lkw nimmt gerade Fahrt auf. In vielen Einsatzbereichen sind die Kosten pro Kilometer schon heute attraktiv. Der Engpass ist die Ladeinfrastruktur. Während mehr als 60 Prozent der Depot-Ladekapazitäten ungenutzt bleiben, sind Spediteure auf teure öffentliche Ladestationen angewiesen“,
sagt Timo Bertsch, Senior Investment Manager beim HTGF, und führt weiter aus:
„Depotcharge löst dieses Problem, indem es vorhandene Depot-Ladeinfrastruktur zu einem Netzwerk verbindet. Das Team verfügt über bedeutende Erfahrung aus dem Aufbau von Digital Charging Solutions und hat mit der ASTAG-Kooperation in der Schweiz bewiesen, dass das Modell trägt.“
Depotcharge versucht daraus also einen zweiseitigen Marktplatz zu bauen: Betreiber können freie Kapazitäten vermarkten, während E-Lkw-Flotten zusätzliche Lademöglichkeiten erhalten. Je mehr Depots teilnehmen, desto dichter kann das Netz werden – ohne dass Depotcharge sämtliche Ladepunkte selbst errichten oder betreiben muss.
Für den Hochlauf wird deshalb entscheidend sein, wie viele der über die Verbände erreichbaren Unternehmen tatsächlich Ladepunkte freigeben und wie gut sich Verfügbarkeit, Reservierung und Abrechnung in den operativen Alltag von Speditionen integrieren lassen.












