Das deutsche Startup-Ökosystem zeigt sich 2026 trotz schwacher Konjunktur wachstumsorientiert. Bis September flossen acht Milliarden Euro in deutsche Startups und damit bereits mehr als im gesamten Jahr 2025 mit 7,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig erreichten zehn Unternehmen in diesem Jahr erstmals eine Milliardenbewertung. So viele wie seit 2021 nicht mehr. Damit zählt Deutschland aktuell 39 Unicorns.
Das zeigt der 14. Deutsche Startup Monitor (DSM) des Startup-Verbands. Für die Studie wurden zwischen Mitte Juni und Ende August 1.803 GründerInnen und GeschäftsführerInnen deutscher Startups befragt. Ergänzend flossen Investment- und Gründungsdaten ein.
Allerdings verteilt sich das Kapital ungleich: Wenige große Finanzierungsrunden, insbesondere aus Deeptech und Defence, treiben das Investitionsvolumen. Die Zahl der Finanzierungsrunden liegt dagegen rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021. Auch Erstrunden gehen weiter zurück.
Beim Zugang zum Kapitalmarkt orientieren sich viele Unternehmen zudem Richtung USA. Von den Startups mit Börsenplänen bevorzugen 62 Prozent eine US-Börse, lediglich 27 Prozent würden Deutschland wählen. 89 Prozent der GründerInnen wünschen sich daher mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa.
KI etabliert sich als Kerntechnologie
Auch bei der technologischen Infrastruktur zeigt der DSM eine starke Abhängigkeit von den USA. 64 Prozent der Startups nutzen überwiegend oder ausschließlich US-Anbieter. Als Hürden für einen Wechsel nennen die Befragten vor allem einen geringeren Funktionsumfang europäischer Angebote oder das vollständige Fehlen einer passenden europäischen Alternative.
Gleichzeitig gewinnt Künstliche Intelligenz weiter an Bedeutung. Für 53 Prozent der Startups bildet KI mittlerweile den Kern ihres Produkts. 2025 waren es 45 Prozent, 2024 erst 39 Prozent.
Eine weitere Stärke des Ökosystems sieht die Studie in der Wissenschaft. Bei 59 Prozent der Startups basiert das Produkt direkt oder indirekt auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. 51 Prozent der GründerInnen erhielten Unterstützung von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen.
Auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Situation dagegen deutlich entspannt. Nur noch 15 Prozent betrachten den Fachkräftemangel als große Hürde, gegenüber 30 Prozent vor zwei Jahren. 83 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten neue MitarbeiterInnen einstellen und ihre Teams im Durchschnitt um 5,5 Personen vergrößern.
Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands, sagt:
„Deutschland gründet wieder – in der Breite und auf einer starken technologischen Basis. Der erfolgreiche Raketenstart vor Isar Aerospace zeigt, was für ein unfassbares Potenzial wir hier haben. Was aber fehlt, ist ein wirtschaftliches Umfeld, das mitzieht: Die Kooperationen mit Etablierten gehen zurück, und das verfügbare Kapital reicht für den Sprung an die Weltspitze nicht aus. Darum gilt es jetzt, die Startup- und Scaleup-Strategie umzusetzen, Finanzierungen zu stärken und mit der EU Inc. endlich Gründen und Skalieren in Europa grundlegend zu vereinfachen.“
Den gesamten DSM stellt der Startup-Verband zum Download bereit.










