Das Auffällige an Ocean Move ist deshalb gerade das Unauffällige: Für Menschen, die einen Umzug planen, soll sich möglichst wenig ändern. Die Box lässt sich falten, stapeln und wie herkömmliche Kartons bündeln und soll auch beim Platzbedarf im Lager keine grundlegende Prozessumstellung erfordern.
„Wir wollten einfach einen Umzugskarton schaffen, wir wollten nichts Komplexes machen“,
sagt Philip Mayer, Co-Gründer von The Ocean Package.
70 Liter, 1,5 Kilogramm: PP ersetzt klassische Wellpappe
Die Mehrwegbox misst 60×40×40 Zentimeter, fasst 70 Liter und wiegt nach Angaben des Startups 1,5 Kilogramm. Als Material verwendet The Ocean Package Polypropylen (PP); die Box wird als Monomaterial gefertigt und soll stoßfest sowie wasserabweisend sein. Für Geschäftskunden sind zudem individualisierte Designs möglich.
Gerade beim Material sieht Mayer einen praktischen Vorteil:
„Das Schöne an unseren Boxen ist, dass wir wirklich mit PP arbeiten, das ist also keine Pappe.“
Dadurch sollen unter anderem die typischen Probleme ausreißender Tragegriffe vermieden werden. Auch bei Regen könne die Verpackung eingesetzt werden.
The Ocean Package grenzt das Produkt ausdrücklich von Hartschalen-Transportboxen ab. Ocean Move soll sich vielmehr wie ein klassischer Karton zusammenlegen und lagern lassen. Die Boxen sind faltbar, stapelbar und bündelbar und benötigen laut Unternehmen im Lager vergleichbar viel Platz wie herkömmliche Kartons.
20 Vermietungen sollen 50 Euro Umsatz pro Box bringen
Hinter der Box steckt nicht nur ein Nachhaltigkeits-, sondern auch ein Geschäftsmodell. The Ocean Package will Ocean Move in einem Mehrweg-Mietsystem wiederholt in Umlauf bringen.
Eine Beispielrechnung des Unternehmens zeigt die wirtschaftliche Idee: Einem angenommenen Gesamtumsatz von 4,50 Euro mit einem Einwegkarton stehen 20 Vermietungen der Mehrwegbox zu jeweils 2,50 Euro gegenüber. Damit käme eine Box auf 50 Euro Umsatz. Gewerbliche Preise nennt The Ocean Package auf Anfrage.
Das Unternehmen beschreibt Ocean Move entsprechend so:
„Ein System, das laufende Kartonkosten reduziert und gleichzeitig Effizienz und Marge pro Umzug steigert.“
Ob diese Rechnung im operativen Einsatz aufgeht, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab: etwa der tatsächlichen Lebensdauer, der Rücklaufquote und Auslastung sowie den Kosten für Logistik, Handling und gegebenenfalls Reinigung.
Bis zu 20 Kreisläufe: The Ocean Package setzt auf Mehrfachnutzung
The Ocean Package nennt für die Umzugsbox bis zu 20 Kreisläufe und eine Recyclingquote von 99 Prozent. Zudem wirbt das Unternehmen mit 80 Prozent weniger CO₂-Emissionen und 70 Prozent Kosteneffizienz. Beim Material setzt das Startup laut größtenteils auf recycelten Kunststoff und sogenanntes Ocean Stop Material. Dabei sollen unter anderem alte Fischernetze verarbeitet werden.
Für Mayer ist entscheidend, dass Nachhaltigkeit nicht zum zusätzlichen Hindernis im Alltag wird.
„Man muss nicht immer in gut oder schlecht denken, sondern in wirklichen Lösungen.“

Praxistest: Kunden sollen den Unterschied kaum bemerken
Wie konsequent The Ocean Package diesen Ansatz verfolgt, zeigt der bisherige Praxiseinsatz. Mayer erzählt, dass Kunden die neuen Boxen teilweise erhalten, ohne vorher ausdrücklich über die Alternative informiert zu werden. So will das Unternehmen herausfinden, wie die Verpackung angenommen wird und ob die Mitarbeitenden damit im gewohnten Arbeitsalltag zurechtkommen.
„Für die Kunden spielt es keine große Rolle,“
lautet Mayers bisheriges Fazit. Die Mitarbeitenden hätten sich zunächst an die Boxen gewöhnen müssen. Obwohl die Handhabung grundsätzlich identisch sei, gebe es insbesondere beim Tragekomfort eine gewisse Umstellung.
Gerade diese Alltagstauglichkeit dürfte für die Skalierung entscheidend sein. Eine Mehrwegverpackung kann Ressourcen sparen – für professionelle Anwender muss sie aber ebenso unkompliziert funktionieren wie die etablierte Einweglösung.

Hinter The Ocean Package stehen die beiden Münchner Gründer Joshua Linn und Philip Mayer. Die beiden kennen sich bereits seit ihrer Kindheit, wuchsen im Münchner Lehel auf und besuchten gemeinsam die Grundschule. Die Idee für das Startup entstand aus der Frage, wie sich die großen Mengen an Einwegverpackungen im Onlinehandel reduzieren lassen.
Heute teilen sich die Gründer die operative Verantwortung: Philip Mayer kümmert sich nach Unternehmensangaben insbesondere um Produktentwicklung, Personal, IT und Vertrieb, während Joshua Linn die Bereiche Finanzen, Marketing, Projektmanagement und Kooperationen verantwortet. Das 2020 gegründete Unternehmen entwickelt wiederverwendbare Verpackungslösungen und Software für Kreislaufsysteme in der Logistik.
Vom Wegwerfprodukt zum Kreislaufmodell
Der Umzugsmarkt eignet sich grundsätzlich für ein Mehrwegmodell, weil Verpackungen meist nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt werden. Statt die Kartons anschließend einzulagern, weiterzugeben oder zu entsorgen, setzt Ocean Move auf Rückgabe und erneute Vermietung. Für Umzugsunternehmen kommt ein wirtschaftlicher Anreiz hinzu: Werden die Boxen tatsächlich mehrfach vermietet, kann dieselbe Verpackung wiederholt Umsatz generieren.












