Gleich zu Beginn wollte ich wissen, was das Werk1 eigentlich von anderen Gründerzentren in München unterscheidet. Robert erklärte mir, dass es längst nicht nur um Büroflächen geht. Neben Café, Event- und Meetingflächen, Coworking und Startup-Büros sitzen hier auch sogenannte Enabler wie der High-Tech Gründerfonds oder Bayern Kapital direkt im Haus. Startups können also unmittelbar mit InvestorInnen in Kontakt kommen. Er beschrieb das Werk1 weniger als klassisches Gründerzentrum, sondern eher als Campus, auf dem sich immer mehr Initiativen aus der Startup-Szene ansiedeln. Sein Bild dafür hat mir besonders gut gefallen: eine Art kleines Disney World für Startups, mit dem Riesenrad direkt vor der Tür.
Vom Gründerzentrum zum Startup-Campus
Spannend fand ich den Rückblick auf die Entwicklung des Hauses. Gestartet ist das Werk1 2013 mit knapp 2.000 Quadratmetern. Der entscheidende Wendepunkt kam 2023, als das Team in das aktuelle Gebäude mit 7.000 Quadratmetern zog und zusätzlich ein weiteres mit 4.000 Quadratmetern eröffnete – innerhalb von anderthalb Jahren fast eine Verdopplung der Fläche. Genau in dieser Zeit wurde auch das Coliving ins Leben gerufen, das Robert als echten Game Changer bezeichnet, gerade weil Wohnen in München für internationale Fachkräfte oft die größte Hürde ist.
Wie es überhaupt zur Idee des Colivings kam, hat mich auch interessiert, schließlich lebe ich diese Woche selbst mittendrin. Robert erzählte, dass die Startup-Szene in München extrem international ist, Wohnraum aber knapp und teuer. Also entstand die Idee, Arbeiten und Wohnen zu verbinden, allerdings zeitlich begrenzt auf maximal sechs Monate. Genug Zeit, um in der Stadt anzukommen, aber kein Dauerzustand. Wie wichtig dieses Angebot für Startups sein kann, zeigt laut Robert auch das Feedback aus der Community: Teams hätten sich teilweise sogar gegen Angebote großer Corporates entschieden, wenn sie ihren Mitarbeitenden über das Werk1 eine Wohnung anbieten konnten. In den vergangenen drei Jahren waren laut Robert Menschen aus rund 60 verschiedenen Nationen im Coliving zu Gast, ein „Melting Pot“, wie er es nennt.
Natürlich habe ich auch nach den Herausforderungen gefragt. Eine davon war die Aufenthaltsdauer, ursprünglich waren nur drei Monate vorgesehen, mittlerweile sind es dank einer Ausnahmegenehmigung bis zu sechs. Und weil ausschließlich an Startups vermietet werden darf, bleibt der Kreis der BewohnerInnen überschaubarer als man vielleicht denkt. Auf den häufigen Einwand, ob es nicht seltsam sei, im selben Gebäude zu wohnen und zu arbeiten, hatte Robert eine klare Antwort: Man ist ja nicht eingesperrt, das Werksviertel mit all seinen Möglichkeiten liegt direkt vor der Tür.
Wenn aus Zufällen neue Ideen entstehen
Ein Thema, das mich persönlich sehr beschäftigt hat, war die Frage nach dem Zufall, also den spontanen Begegnungen, die ich diese Woche hoffentlich selbst noch erleben werde. Robert verwies auf die Innovationsforschung: Die besten Ideen entstehen oft nicht am Schreibtisch, sondern bei einem Gespräch in der Gemeinschaftsküche oder beim Kaffee. Genau das passiert hier täglich, Startups treffen Coworker, Coworker gründen selbst neue Unternehmen, Menschen mit ähnlichem Mindset finden zueinander.
Zum Abschluss haben wir noch einen Blick in die Zukunft gewagt. Die Finanzierung durch das Bayerische Wirtschaftsministerium ist bis 2032 gesichert, die Mietverträge wurden entsprechend verlängert. Geplant ist ein weiteres Wachstum auf bis zu 15.000 Quadratmeter, und die Vision reicht noch weiter: Das Werksviertel könnte zu einer Art Reallabor werden, in dem etwa autonome Roboter oder Lieferdrohnen unter erleichterten Auflagen getestet werden. Auch das Coliving-Angebot soll langfristig wachsen, von aktuell 63 Zimmern in Richtung 100 bis 200, sofern die passenden Flächen gefunden werden.
Nach dem Gespräch bin ich mit einem ganz neuen Blick durchs Haus gelaufen. Was für mich diese Woche wie ein spannendes Zuhause auf Zeit ist, ist für Robert und sein Team eine langfristige Vision für den Startup-Standort München. Morgen werde ich an der Coworking-Tour teilnehmen und dann den Tag vom Coworking aus arbeiten.












