Heute stand das Coworking im Mittelpunkt meines Tages. Mittwochs um 9 Uhr findet im Werk1 eine Coworking-Tour für alle statt, die überlegen, hier Mitglied zu werden. Ich habe daran teilgenommen und im Anschluss mit Ines gesprochen. Normalerweise arbeitet sie als Community Events Managerin im Werk1, aktuell vertritt sie Coworking-Managerin Elena, die im Urlaub ist.
Schon die Tour selbst hat mir gezeigt, wie durchdacht das Coworking-Konzept hier ist. Wer neu einsteigen möchte, muss vorher an einer Tour teilnehmen, das ist Pflicht. Der Grund, den Ines mir später erklärt: Es gibt so viele Informationen zu den Mitgliedschaften und unterschiedlichen Tarifen, dass sich vieles im persönlichen Gespräch schneller klären lässt als auf der Website. Erst nach der Tour kann man Mitglied und Teil der Community aus Coworkern, Colivern und Startups werden.
Das Coworking-Konzept im Werk1
Im Gespräch habe ich dann gefragt, wer hauptsächlich das Coworking nutzt. Die Antwort: eine bunte Mischung. Von EinzelunternehmerInnen aus der Fotografie über IT-Fachkräfte, die remote arbeiten, bis hin zu FreelancerInnen aus Design und Marketing und sogar JournalistInnen ist hier alles vertreten. Auch BewohnerInnen des Colivings nutzen den Space, wenn sie für ihr Startup arbeiten. Eine Regel gibt es allerdings: Pro Unternehmen dürfen maximal drei Mitarbeitende gleichzeitig im Coworking sein, damit nicht ganze Teams einzelne Tische dauerhaft blockieren und der Austausch unter den Coworkern erhalten bleibt.
Weitere Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft gibt es nicht. Ob selbstständig, remote angestellt oder freiberuflich – grundsätzlich kann jede und jeder Mitglied werden, solange das Prinzip eines großen, geteilten Büros zu den eigenen Arbeitsgewohnheiten passt. Wer es lieber ruhig mag, findet im Silent Space einen Rückzugsort. Wer den Austausch sucht, wird im Communication Space fündig, wo es durchaus lebhaft zugehen kann, inklusive gelegentlicher Hundebesuche und Telefonate.
Wenn aus Coworking Zusammenarbeit wird
Besonders gut gefallen hat mir, wie Ines die Atmosphäre beschrieben hat. Für sie ist das Coworking nicht nur ein Ort zum Arbeiten, sondern auch ein Treffpunkt zum Netzwerken. Fast wie ein Café, in dem man sich an einen der großen Tische dazusetzt und ins Gespräch kommt. Dass daraus auch geschäftlich etwas entstehen kann, hat sie mir mit einem Beispiel aus ihrem eigenen Team bestätigt: Eine Kollegin hat über eine Coworkerin aus der Hochzeitsplanungsbranche den Einstieg in ihr eigenes Business gefunden. Solche Geschichten, sagt Ines, gebe es im Coworking immer wieder bis hin zu gemeinsamen Gründungen, die aus zufälligen Begegnungen im Space entstanden seien.
Community entsteht nicht nur zufällig
Damit diese Vernetzung nicht nur dem Zufall überlassen bleibt, organisiert das Team regelmäßig Community-Events, vom Werksfrühstück über den Afterwork bis zu Lunch-and-Learn-Sessions. Als Nächstes steht etwa ein größerer Spieleabend mit Tischtennis und Brettspielen an, bei dem Coworker, Coliver und Startup-Teams gezielt zusammenkommen sollen.
Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos. Ines erzählt mir offen von den kleineren Herausforderungen des Alltags, etwa wenn Leute vergessen, aufzuräumen, oder wenn die Zugangs-App mal streikt. Bei über 220 Coworkern lässt sich außerdem nicht jede Mitgliedschaft im Detail im Blick behalten. Deshalb kontrolliert das Team stichprobenartig, ob die jeweils gebuchten Tage eingehalten werden.
Zum Abschluss habe ich sie gefragt, was sie jemandem raten würde, der zum ersten Mal hier ins Coworking kommt. Ihre Empfehlung: erst einmal einen Tagespass buchen und bei einer Coworking-Tour vorbeischauen. Und wer dann Mitglied wird, soll sich unbedingt einen Kaffee holen, in den Communication Space gehen und einfach Leute ansprechen.
Nach diesem Tag habe ich einen viel klareren Eindruck davon, wie viel Organisation hinter dem Coworking-Bereich steckt und wie sehr auch hier, genau wie im Coliving, der Zufall und die Begegnung im Mittelpunkt stehen. Ich bin gespannt, welche Geschichten mich als Nächstes erwarten.












