Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Marco Brizzolara, Co-Founder & CEO Elvio Robotics: Krankenhäuser stehen aktuell unter massivem Personal- und Kostendruck, während gleichzeitig noch viele repetitive Transport-, Logistik- und Reinigungsaufgaben manuell erledigt werden. Dabei ließe sich ein erheblicher Teil davon per Robotik automatisieren. Roboter werden heute aber meist als isolierte Insellösung eingeführt, wodurch ein Großteil ihres Potenzials ungenutzt bleibt. Elvio bietet deshalb ein integriertes Automatisierungssystem, das Robotik, Infrastruktur und Prozesse verbindet – damit Automatisierung im Krankenhaus sicher, wirtschaftlich und skalierbar ist.
Verschiedene Roboter, eine zentrale Plattform
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Johannes Drexler, Co-Founder & CTO Elvio Robotics: Wir kombinieren herstellerunabhängige Robotik für Kleintransporte, Containertransporte und Flächenreinigung – in Kürze auch Patiententransporte – mit unserer Softwareplattform Elvio OS und der Integration in die Krankenhausinfrastruktur zu einem schlüsselfertigen System. Dadurch können Krankenhäuser verschiedene Roboterarten zentral steuern und Schritt für Schritt weitere Prozesse automatisieren.
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Marco Brizzolara: Der Auslöser war ein Besuch in einem großen kommunalen Krankenhaus. Dort wurde uns sehr klar gesagt: Was fehlt, ist nicht noch ein weiterer einzelner Roboter, sondern ein Anbieter, der ein funktionierendes Gesamtsystem baut, Prozesse zuverlässig automatisiert und Infrastruktur mitdenkt. Denn unzuverlässige Insellösungen schaffen meist keine oder nur begrenzte Entlastungen, sondern nur zusätzliche Kosten. Genau das war der Startpunkt für Elvio Robotics. Wir wollten Robotik, Software, Infrastruktur und Prozesse so zusammenbringen, dass Krankenhäuser nicht einzelne Lösungen koordinieren müssen, sondern Automatisierung aus einer Hand bekommen.
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Marco Brizzolara: An ein Aufgeben haben wir nie gedacht. Aber wir merken jeden Tag, wie enorm komplex die Umsetzung ist. Im Krankenhaus reicht es nicht, dass ein Roboter technisch funktioniert – Prozesse, Infrastruktur, Sicherheit und Organisation müssen perfekt zusammenspielen. Genau diese Komplexität ist herausfordernd, aber sie bestätigt auch, warum es endlich einen Systemanbieter wie uns braucht, der die breitflächige Automatisierung von Krankenhäusern ermöglicht.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Johannes Drexler: Wenn unsere Systeme in mehreren Krankenhäusern zuverlässig im Regelbetrieb laufen und Mitarbeitende sagen, dass sie nicht mehr zum alten Prozess zurück wollen. Gleichzeitig wollen wir sehen, dass sich zusätzliche Roboter, Prozesse und Infrastrukturkomponenten kontinuierlich schneller integrieren lassen. Dann wissen wir, dass wir nicht nur Projekte umsetzen, sondern eine skalierbare Plattform bauen.
Vom einzelnen Projekt zur skalierbaren Plattform
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Marco Brizzolara: Ja. München ist für ein Robotik-Unternehmen ein außergewöhnlich guter Standort: starke technische Talente, exzellente Universitäten und Forschung, industrielle Kompetenz, Kapital und ein dichtes Healthcare-Ökosystem. Gerade an der Schnittstelle von Software, Hardware und Krankenhaus ist diese Kombination sehr wertvoll.
Johannes Drexler: Darüber hinaus haben sowohl die Stadt München als auch der Freistaat Bayern ein Umfeld geschaffen, in dem Startups auch wirklich groß werden können. Zahlreiche Beispiele von erfolgreich skalierten Startups belegen dieses fruchtbare Gesamtgefüge und dienen uns gewissermaßen als Vorbild. Sogar Kapitalgeber aus dem Silicon Valley haben München als etablierten Startup-Standort auf dem Radar.
Munich Startup: Perfektion oder Geschwindigkeit?
Johannes Drexler: Sowohl als auch – Geschwindigkeit in Kombination mit absoluter Perfektion an den kritischen Stellen. Als Startup müssen wir schnell entwickeln, testen, lernen und iterieren. Aber speziell im Krankenhausbetrieb reichen 80 Prozent in Bezug auf Sicherheit und Zuverlässigkeit nicht aus. Die Kunst ist es daher, an weniger kritischen Stellen – wie zum Beispiel unseren Benutzeroberflächen – extrem schnell zu sein, ohne in kritischen Bereichen Abstriche zu machen.











