Elvio Robotics setzt auf eine herstellerunabhängige Plattform, die unterschiedliche Robotermodelle, Gebäudeinfrastruktur und Krankenhaus-IT miteinander verbindet. Im Isar Klinikum zeigt das Startup, wie sich dieser Ansatz im Klinikalltag umsetzen lässt: Die Roboter übernehmen Reinigungs- und Transportaufgaben, bewegen sich selbstständig durch das Gebäude und nutzen Aufzüge, um zwischen Etagen zu wechseln.
Damit geht Elvio eine zentrale Herausforderung der Krankenhausautomatisierung an. Einzelne Roboter können zwar bestimmte Aufgaben übernehmen, für einen umfassenden Einsatz müssen sie jedoch in bestehende Abläufe und technische Systeme integriert werden. Genau hier setzt Elvio OS an.
Drei Robotermodelle automatisieren Reinigung und Logistik im Isar Klinikum
Das Isar Klinikum beschäftigt sich bereits seit rund zwei Jahren mit dem Einsatz von Robotern. Erste Anwendungen konzentrierten sich auf Reinigung und Logistik. Dabei zeigte sich nach Angaben des Klinikums, dass einzelne Roboterlösungen nicht ausreichen, um die unterschiedlichen Anforderungen des Krankenhausbetriebs abzudecken.
Gemeinsam mit Elvio Robotics wurde deshalb ein integriertes System aufgebaut. Die derzeit eingesetzte Flotte umfasst drei Robotermodelle verschiedener Hersteller, die folgende Aufgaben übernehmen:
- Flächenreinigung innerhalb des Klinikgebäudes
- Kleintransporte für interne Logistikprozesse
- Containertransporte innerhalb des Krankenhauses
Die Roboter werden über Elvio OS koordiniert und sind in die Gebäudeinfrastruktur eingebunden. Dadurch können sie unter anderem Aufzüge selbstständig nutzen und Aufgaben über mehrere Etagen hinweg erledigen.
Andreas Wolf, Verwaltungsleiter des Isar Klinikums, sieht darin die Grundlage für einen langfristigen Ausbau:
„Unsere Vision ist nicht, einzelne Roboter im Krankenhaus aufzustellen. Wir wollen Automatisierung Schritt für Schritt zu einem festen Bestandteil unserer Abläufe machen.“
Das Klinikum plant, künftig weitere Prozesse und Robotiklösungen in das bestehende System einzubinden. Konkrete Angaben zur Zahl zusätzlicher Roboter oder zu geplanten Erweiterungsterminen macht das Unternehmen bislang nicht.
Millionenfinanzierung: Revent, Calm/Storm und mehr als 20 Business Angels investieren
Parallel zum Einsatz im Isar Klinikum hat Elvio Robotics eine Finanzierungsrunde über mehrere Millionen Euro abgeschlossen. Die genaue Höhe des eingesammelten Kapitals wurde nicht veröffentlicht.
Zu den institutionellen Investoren gehören:
- Revent
- Calm/Storm aus Österreich
- HIC/Redstone
- Wilbe aus den USA
Hinzu kommen mehr als 20 Business Angels aus der Gesundheitswirtschaft, etablierten Unternehmen, Scaleups und dem akademischen Umfeld. Unter ihnen befinden sich Maximilian Greschke, Gründer und CEO des Healthtech-Unternehmens Recare, sowie Christian Albrecht, Mitgründer und CEO von Avelios.
Damit gewinnt Elvio neben Kapital auch InvestorInnen mit Erfahrung in der Digitalisierung von Krankenhäusern und im Aufbau von Healthtech-Unternehmen.
Lead-Investor Otto Birnbaum, General Partner bei Revent, sieht den entscheidenden Faktor nicht allein in der Robotik, sondern in deren Integration:
„Der entscheidende Wert entsteht bei der nahtlosen Einbindung der Roboter in die zahlreichen Prozesse und Abläufe bei den Krankenhäusern.“
Mit der Finanzierung will Elvio Robotics die Weiterentwicklung seiner Softwareplattform und des integrierten Robotiksystems beschleunigen. Im Mittelpunkt steht die Skalierung des Ansatzes auf zusätzliche Anwendungen und Krankenhäuser.

Elvio Robotics wurde im Februar 2026 von Marco Brizzolara und Johannes Drexler gegründet. Bereits im ersten Jahr setzt das Unternehmen Robotikprojekte mit großen privaten Ketten, kommunalen Großkrankenhäusern und kleineren Kliniken um und arbeitet mit führenden Robotikherstellern sowie Partnern wie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Isar Klinikum in München zusammen.
Elvio OS verbindet autonome Roboter mit Krankenhaus-IT und Gebäudeinfrastruktur
Technologischer Kern des Münchner Startups ist die herstellerunabhängige Softwareplattform Elvio OS. Sie soll verhindern, dass Krankenhäuser für unterschiedliche Roboter separate, voneinander isolierte Systeme betreiben müssen.
Stattdessen verbindet die Plattform Robotik, Aufzüge, Türen und bestehende IT-Systeme zu einer gemeinsamen Automatisierungsinfrastruktur.
Das ist insbesondere für Krankenhäuser relevant, die verschiedene Robotertypen einsetzen oder ihre Automatisierung schrittweise ausbauen möchten. Neue Anwendungen sollen sich in das bestehende System integrieren lassen, ohne für jeden Einsatzbereich eine vollständig eigenständige technische Lösung aufbauen zu müssen.
Johannes Drexler, Mitgründer und CTO von Elvio Robotics, beschreibt die Herausforderung so:
„Die einzelnen Systeme funktionieren – jetzt müssen wir dafür sorgen, dass sie effizient ineinandergreifen.“
Für das Startup liegt darin auch das Skalierungspotenzial: Je einfacher sich zusätzliche Roboter und Gebäudefunktionen anbinden lassen, desto mehr Prozesse können Krankenhäuser automatisieren.
Krankenhausrobotik soll Fachkräftemangel und Kostendruck begegnen
Der Einsatz autonomer Roboter gewinnt vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des wirtschaftlichen Drucks auf Krankenhäuser an Bedeutung. Besonders standardisierte, wiederkehrende Tätigkeiten in Reinigung und Logistik bieten Ansatzpunkte für Automatisierung.
Elvio Robotics verfolgt dabei das Ziel, Klinikpersonal von unterstützenden Aufgaben zu entlasten und Ressourcen effizienter einzusetzen. Ob und in welchem Umfang sich dadurch tatsächlich Personalstunden oder Betriebskosten einsparen lassen, ist für den Einsatz im Isar Klinikum bislang nicht durch veröffentlichte Kennzahlen belegt.
Der praktische Einsatz der gemischten Roboterflotte zeigt jedoch, dass sich unterschiedliche autonome Systeme innerhalb einer gemeinsamen technischen Infrastruktur betreiben lassen.
Für Elvio ist das Isar Klinikum damit ein wichtiger Referenzstandort. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob sich das System auch in Krankenhäusern mit anderen baulichen Gegebenheiten, IT-Landschaften und Betriebsabläufen wirtschaftlich einsetzen lässt.












