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Erst ins Meer, jetzt ins All: Isar Aerospace schafft den Durchbruch

Erst ins Meer, jetzt ins All: Isar Aerospace schafft den Durchbruch

Credit: Isar Aerospace

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Kyrill Ring

Kyrill Ring

Beim ersten Flug war nach 30 Sekunden Schluss. Beim zweiten erreicht Spectrum den Orbit. Isar Aerospace hat einen entscheidenden Meilenstein geschafft. Hinter dem Aufstieg stehen acht Jahre Entwicklungsarbeit, Millionenfinanzierungen und ein Münchner Gründungsteam mit großen Ambitionen. TUM-Professorin Chiara Manfletti erklärte schon vor dem Start im Munich-Startup-Interview, worauf es dabei ankommt

8. September 2026

4 Min. Lesezeit

Am 5. September um 22:12 Uhr hebt Spectrum vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab. Nach mehreren abgebrochenen Startanläufen am Boden ist es der zweite tatsächliche Flug der Rakete. Die Mission „Onward and Upward“ erreicht die Erdumlaufbahn und setzt ihre Nutzlasten aus. Isar Aerospace gelingt damit der entscheidende Nachweis: Die selbst entwickelte Rakete kann Satelliten in den Orbit transportieren. Zum Zeitpunkt der Unternehmensmitteilung lief noch die gemeinsame Überprüfung des Satellitenstatus mit den KundInnen.

An Bord waren laut TUM fünf CubeSats, also Minisatelliten, sowie ein wissenschaftliches Experiment eines privaten europäischen Unternehmens. Für die Ausgründung aus Ottobrunn wird damit aus jahrelanger Entwicklungsarbeit eine nachgewiesene Transportleistung.

30 Sekunden, die nicht das Ende waren

Wie groß dieser Schritt ist, zeigt der Rückblick auf den 30. März 2025. Beim ersten Testflug hob Spectrum erfolgreich ab, doch nach rund 30 Sekunden wurde der Flug abgebrochen. Die Rakete fiel ins Meer. Der Orbit blieb unerreicht.

Isar Aerospace hatte dennoch wichtige Daten gewonnen, das Flugabbruchsystem erprobt und eine unbeschädigte Startrampe für weitere Missionen. Schon damals waren die nächsten beiden Raketen in Produktion.

Warum auch ein kurzer Flug die Entwicklung voranbringen kann, erklärte Chiara Manfletti bereits im Januar im Munich-Startup-Interview zum zweiten Raketenstart. Die Professorin für Raumfahrtantriebe und Mobilität an der Technischen Universität München betonte, dass jede zusätzliche Flugsekunde Erkenntnisse über das Zusammenspiel der Raketensysteme liefere. Daraus ließen sich Schwachstellen erkennen und Verbesserungen ableiten.

Testen, lernen, anpassen: Was bei Software zum Gründungsalltag gehört, verlangt beim Raketenbau erheblich mehr Kapital und Geduld. Der zweite Flug zeigt nun, wie weit Isar Aerospace seit dem ersten Versuch gekommen ist.

Vom Hochschulprojekt zur Milliardenfirma

Die Geschichte beginnt in München. Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl arbeiteten während ihres Studiums an der TUM in der studentischen Forschungsgruppe WARR an Raketentriebwerken. 2018 gründeten sie Isar Aerospace.

Aus dem Hochschulumfeld kam mehr als technisches Wissen: Im MakerSpace von UnternehmerTUM entstanden erste Bauteilprototypen, der Inkubator Xpreneurs unterstützte den Unternehmensaufbau. Forschung, Werkstätten und Gründungsförderung halfen dabei, aus einer technischen Idee ein Unternehmen zu formen.

TUM-Präsident Thomas F. Hofmann würdigt den erfolgreichen Orbitalflug entsprechend:

„Isar Aerospace ist ein wunderbares Beispiel dafür, was engagierte und best ausgebildete Talente sowie das einzigartige Innovationsökosystem rund um die TUM und UnternehmerTUM bewirken können.“

Den Unicorn-Status erreichte das Unternehmen bereits vor dem erfolgreichen Orbitalflug.

Isar Aerospace
Foto: Isar Aeropsace

„Jetzt müssen sie liefern“

Ein wichtiger Finanzierungsschritt folgte im Juni 2025: Isar Aerospace vereinbarte mit Eldridge Industries eine Wandelanleihe über 150 Millionen Euro. Das Geld sollte den Ausbau der Startkapazitäten und der Serienproduktion nahe München ermöglichen.

Auch öffentliche Programme tragen zum Wachstum bei. Am 27. August 2026 meldete das Unternehmen einen Vertrag mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA im Rahmen der European Launcher Challenge. Nach Unternehmensangaben umfasst dieser Programmzusagen von rund 200 Millionen Euro für die nächste Raketengeneration, zusätzliche Infrastruktur und künftige Missionen.

Mit dem Kapital wachsen die Erwartungen. Manfletti brachte diesen Druck im Januar gegenüber Munich Startup auf den Punkt:

„Jetzt müssen sie liefern.“

Zugleich würdigte sie die außergewöhnliche Geschwindigkeit, mit der das europäische Startup bis zu realen Raketenstarts gekommen sei. Der erreichte Orbit ist jetzt ein gewichtiges Argument gegenüber GeldgeberInnen und KundInnen. Für einen dauerhaften Geschäftserfolg müssen weitere verlässliche Starts folgen.

Der Orbit ist erreicht. Jetzt muss das Geschäft abheben.

Konkrete Nachfrage gibt es bereits. Am 1. September gab Isar Aerospace einen Startvertrag mit Astroscale Japan bekannt. Spectrum soll die Mission ADRAS-J2 zwischen 2027 und 2028 von Andøya aus starten. Diese soll eine ausgediente Raketenoberstufe im All anfliegen und einfangen.

Es ist bereits der zweite Startvertrag mit der Astroscale-Gruppe. Solche Missionen zeigen den Markt, den Isar Aerospace bedienen will: KundInnen benötigen bestimmte Umlaufbahnen und darauf zugeschnittene Startprofile. Spectrum ist für bis zu eine Tonne Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn ausgelegt.

Die nächste Bewährungsprobe wartet deshalb in der Fertigung und im laufenden Betrieb. Laut Isar Aerospace befinden sich die Spectrum-Raketen Drei bis Sieben bereits in Produktion. Eine neue, 40.000 Quadratmeter große Produktionsstätte soll langfristig Kapazität für bis zu 40 Raketen jährlich bieten. Diese Produktionsrate ist ein Ziel.

Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die Manfletti bereits vor dem Start formulierte:

„Es geht weniger darum, was wir machen, Raketen bauen können wir, sondern wie wir es machen.“

Ihre damalige Einordnung trifft die nächste Aufgabe des Unternehmens: Isar Aerospace muss den technischen Durchbruch in einen wiederholbaren, wirtschaftlichen Betrieb übersetzen.

Aus München in den Orbit hat das Unternehmen es geschafft. Jetzt geht es darum, aus dem Ausnahmeereignis ein Geschäft zu machen.

Quellen
  • Isar Aerospace: Pressemitteilung zum erfolgreichen zweiten Spectrum-Flug vom 5. September 2026
  • Technische Universität München: „Spektakulärer Erfolg für TUM-Ausgründung Isar Aerospace“
  • Munich Startup: Interview mit Prof. Dr. Chiara Manfletti vom 19. Januar 2026
  • Isar Aerospace: Pressemitteilung zur Eldridge-Finanzierung vom 25. Juni 2025
  • Isar Aerospace: Pressemitteilung zur European Launcher Challenge vom 27. August 2026
  • Isar Aerospace: Pressemitteilung zum Startvertrag mit Astroscale Japan vom 1. September 2026
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