Munich Startup
Finches: Datengestützte Sicherheit für Lieferketten

Finches: Datengestützte Sicherheit für Lieferketten

Finches

Credit: Foto: Finches

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Saskia Doll

Saskia Doll

Finches übersetzt Agrar-Realität in entscheidungsrelevante Kennzahlen: Das Münchner Startup hilft Einkäufern, Risiken wie Klimaextreme, Preisvolatilität oder geopolitische Störungen frühzeitig zu erkennen und in stabile Beschaffungsstrategien zu überführen. Die Gründerinnen Catharina van Delden und Stefanie Seisenberger Glenn setzen dabei auf datenbasierte Co-Creation. Zuerst veröffentlicht am: 10. Oktober 2025

4. Januar 2026

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Catharina van Delden, Co-Founder & CEO: Im „neuen Normal“ der globalen Volatilität ist Liefersicherheit der zentrale Erfolgsfaktor. Keine Tomaten: kein Ketchup. Kein Reis: kein Sushi. Kein Hopfen: kein Bier.
Wir bauen eine datengetriebene Plattform, die Agrar-Realität in betriebsrelevante KPIs übersetzt und konkrete, priorisierte Handlungsoptionen liefert. Risiko ist der Treiber: Klimaextreme sind eine der großen Ursachen, aber genauso relevant sind Preisschwankungen, geopolitische Störungen, Pflanzenschädlinge, Logistik-Engpässe und regulatorische Änderungen.

Wir machen frühzeitig handlungsfähige Signale aus heterogenen Felddaten sichtbar und verankern sie direkt in bestehenden Beschaffungs-Workflows, so dass Einkäufer und Agrarmanager Risiken priorisieren, Hedging- oder Beschaffungsentscheidungen treffen und Lieferketten stabilisieren können.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Catharina van Delden: Es gibt Tools für Wetterdaten, Satellitenbilder oder ERP-Reports. Wir verbinden diese Feldrealität mit Einkaufskennzahlen wie Preisvolatilität und Lieferzuverlässigkeit und verankern die Erkenntnisse in operativen Beschaffungsprozessen. Kurz: wir übersetzen die Warnung „Dürre im Anmarsch“ in den konkreten Impact auf Kosten, Mengen und Lieferzeiten – und liefern priorisierte Handlungsoptionen für Einkaufsteams. Nicht bloß mehr Daten, sondern Entscheidungen, die sofort umsetzbar sind.

Reale Dürre-Erfahrung führt zur Gründungsidee

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Catharina van Delden: Wir sind die Gründerinnen: Stefanie Seisenberger Glenn und ich, Catharina van Delden. Ich bin CEO und habe mit Innosabi (auch ein Münchner Startup) ein Enterprise-SaaS aufgebaut und Steffi ist CTO mit tiefer Daten- und Tech-Erfahrung und war zuletzt bei Google tätig. Die zündende Erkenntnis kam auf meiner Familienfarm in Uruguay: Im ersten Jahr erlebten wir dort eine Dürre, wie das Land sie seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte. Ein prägnantes Beispiel dafür, wie schnell Feld-Volatilität Produktion und Lieferketten bedroht. Nach über 100 Gesprächen mit Einkäufern und Agrar-Managern haben wir Finches gegründet, um diese neue Realität in konkrete, priorisierte Beschaffungsentscheidungen zu übersetzen.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Catharina van Delden: Hiring war eine unserer größten Herausforderungen. Gerade in einem jungen Startup ist es unerlässlich, MitarbeiterInnen zu finden, denen man hundertprozentig vertrauen kann und die bereit sind, das Abenteuer Gründung mit einem zu gehen. Um erfolgreich zu sein, muss jeder sein Ego zurückstellen und im Team zusammenarbeiten. Wir haben viel Zeit in die Gestaltung unseres Hiring-Prozesses investiert, um sicherzustellen, dass wir die richtigen Talente und Persönlichkeiten auswählen. Dies war zwar schwierig und hat wesentlich länger gedauert als erwartet, aber das Ergebnis hat sich gelohnt.

Finches: Auf dem Weg zum globalen Standard für klimarisikobasierte Beschaffung

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren? 

Catharina van Delden: In einem Jahr: mehrere Co-Creation-Partnerschaften mit Großkunden laufen, messbare Reduktion von Supply-Shocks bei Pilotkunden und erstes Produkt-Abonnement-Revenue. In fünf Jahren: Standard-Stack für klimarisikobasierte Beschaffung in CPG/Agri-Industrie — eingebettet in Sourcing-Prozesse großer Lebensmittel- und Rohstoffkonzerne. Von Anfang an global: denn das sind Agri-Lieferketten auch.

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Catharina van Delden: München ist für uns ein idealer Standort: stark in Deeptech, nah an Industriepartnern und mit einem wachsenden Agri-Food-Ökosystem. Besonders wertvoll ist die Unterstützung durch UTUM – Funding for Innovators, die uns früh gefördert und finanziert haben. Das Netzwerk rund um die TUM öffnet Türen zu Forschung, Talenten und Pilotprojekten mit führenden Lebensmittel- und Agrarunternehmen. Diese Kombination aus technischer Exzellenz, Industrieanbindung und ehrlichem GründerInnen-Support macht München für uns zum besten Ort, um Finches aufzubauen, mit dem Anspruch: Building a global company out of Munich.

Munich Startup: Risiko oder Sicherheit?

Catharina van Delden: Beides. Unser Produkt reduziert unternehmerisches Risiko für Einkäufer – gleichzeitig ist das Bauen eines datenverbindenden Produkts selbst ein strukturelles Risiko. Strategie: Risiko durch schnelle, kundenzentrierte Co-Creation minimieren und so Sicherheit für unsere Kunden liefern.

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