Munich Startup
Finches erhält 2 Millionen Euro Pre-Seed für KI-Frühwarnsystem im Agrareinkauf

Finches erhält 2 Millionen Euro Pre-Seed für KI-Frühwarnsystem im Agrareinkauf

Finches-Team (v.l.n.r.): CTO Stefanie Glenn, CEO Catharina van Delden und CFO/COO Alexandra Vázquez Bea

Credit: Finches

Finches-Team (v.l.n.r.): CTO Stefanie Glenn, CEO Catharina van Delden und CFO/COO Alexandra Vázquez Bea – Credit: Finches

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Finches hat eine Pre-Seed-Finanzierung über 2 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Vanagon Ventures als Co-Lead. Was das Unternehmen mit dem neuen Kapital vorhat, erfahrt ihr hier.

12. Oktober 2026

3 Min. Lesezeit

Wetterextreme, geopolitische Veränderungen und schwankende Ernteerträge erschweren die Rohstoffbeschaffung für LebensmittelherstellerInnen. Dabei fehlen häufig nicht die Informationen über mögliche Engpässe, sondern deren rechtzeitige Auswertung und Übersetzung in konkrete Einkaufsentscheidungen. Genau hier setzt Finches an: Das Startup verbindet interne Unternehmensdaten mit externen Informationsquellen und nutzt Künstliche Intelligenz, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Plattform soll Einkaufsteams ermöglichen, alternative Herkunftsregionen zu identifizieren, Beschaffungszeitpunkte anzupassen oder Produktionsplanungen zu verändern, bevor Lieferengpässe entstehen.

HTGF, Vanagon Ventures und Bayern Kapital investieren in Finches

Die Pre-Seed-Runde in Höhe von 2 Millionen Euro wird vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) angeführt. Vanagon Ventures beteiligt sich als Co-Lead-Investor. Neu zum Investorenkreis gehört außerdem Bayern Kapital.

Bereits bestehende Investoren, darunter UnternehmerTUM Funding for Innovators sowie weitere Business Angels aus der Industrie- und Technologiebranche, beteiligen sich erneut an der Finanzierung.

Finches will die Mittel insbesondere für die Weiterentwicklung seiner KI-Technologie und den Ausbau des Vertriebs einsetzen. Damit soll die Lösung mehr Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie zugänglich gemacht werden.

Anna Stetter, Investment Managerin beim HTGF, erklärt:

„Finches adressiert eine zentrale Herausforderung unserer Zeit: resiliente globale Agrarlieferketten in einem Umfeld, das von Klimawandel und geopolitischen Veränderungen geprägt ist.“

KI kombiniert Satellitendaten, Wetteranalysen und Lieferanteninformationen

Der technologische Ansatz von Finches besteht darin, unterschiedliche Datenquellen für den Agrareinkauf zusammenzuführen. Dazu gehören unternehmensinterne Informationen über Lieferanten, Anbauflächen und Verträge ebenso wie externe Wetterdaten, Satellitenanalysen, lokale Nachrichten und wissenschaftliche Erkenntnisse.

Zusätzlich berücksichtigt die Plattform Berichte von AgronomInnen, die direkt in den Anbauregionen tätig sind.

Aus diesen Informationen erstellt das System Frühwarnungen, identifiziert betroffene Regionen und Lieferketten und leitet konkrete Handlungsempfehlungen für Einkaufsteams ab.

So können LebensmittelherstellerInnen beispielsweise frühzeitig erkennen, wenn Trockenheit die erwartete Erntemenge einer bestimmten Anbauregion gefährdet. Statt erst bei einem tatsächlichen Lieferausfall zu reagieren, können sie alternative Bezugsquellen prüfen oder ihre Einkaufsstrategie anpassen.

Entscheidend ist dabei die Verknüpfung der Risikoanalyse mit operativen Einkaufsentscheidungen. Finches will nicht nur mögliche Probleme sichtbar machen, sondern Unternehmen dabei unterstützen, Menge, Qualität und Wirtschaftlichkeit ihrer Rohstoffversorgung abzusichern.

Dürresommer 2026 verdeutlicht Risiken für Agrarlieferketten

Wie relevant eine frühzeitige Risikoerkennung für Lebensmittelhersteller sein kann, zeigt nach Einschätzung von Finches der Dürresommer 2026.

Catharina van Delden, CEO und Mitgründerin von Finches, sagt:

„Der Dürresommer 2026 hat gezeigt, dass sich Europas Lebensmittelhersteller nicht mehr darauf verlassen können, ihre Rohstoffe jedes Jahr in der Menge und Qualität zu bekommen, die sie brauchen. Damit wird der Rohstoffeinkauf zu einer Frage der Versorgungssicherheit.“

Das Problem liege insbesondere im zeitlichen Abstand zwischen ersten Warnsignalen und konkreten Entscheidungen im Einkauf. Informationen über drohende Ernteausfälle seien häufig bereits Wochen im Voraus verfügbar, erreichten die zuständigen Teams jedoch zu spät.

Finches will diese Informationslücke schließen. Unternehmen sollen dadurch mehr Zeit gewinnen, um andere Herkunftsregionen zu erschließen, Rohstoffe früher einzukaufen oder ihre Produktion umzuplanen.

Für die Lebensmittelindustrie könnte eine solche datenbasierte Beschaffung angesichts zunehmender Wetterrisiken und komplexer internationaler Lieferketten an Bedeutung gewinnen. Wie zuverlässig die Frühwarnungen in der Praxis funktionieren und welchen wirtschaftlichen Nutzen sie erzielen, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Angaben allerdings noch nicht beurteilen.

Mehr davon

Passende Beiträge zum Weiterlesen

Big-Wave-Weltrekordhalter Sebastian Steudtner investiert in Startup Regulate
Deals

Big-Wave-Weltrekordhalter Sebastian Steudtner investiert in Startup Regulate

22.10.26
4 Min.
Gauss Fusion schließt Finanzierungsrunde ab und startet Series A für Kernfusion
Deals

Gauss Fusion schließt Finanzierungsrunde ab und startet Series A für Kernfusion

21.10.26
4 Min.
Münchner Neurotech-Startup Ceregate schließt überzeichnete Series-C-Runde ab
Deals

Münchner Neurotech-Startup Ceregate schließt überzeichnete Series-C-Runde ab

20.10.26
2 Min.
KI-Startup Elevatry erhält 3 Millionen Euro für strategischen Einkauf
Deals

KI-Startup Elevatry erhält 3 Millionen Euro für strategischen Einkauf

20.10.26
3 Min.
Elvio Robotics erhält Millionenfinanzierung und automatisiert Isar Klinikum
Deals

Elvio Robotics erhält Millionenfinanzierung und automatisiert Isar Klinikum

19.10.26
5 Min.
Deepdrive schafft Sprung in die Großserie und expandiert nach China
Deals

Deepdrive schafft Sprung in die Großserie und expandiert nach China

16.10.26
4 Min.
Tech-Allianz mit Großbritannien: Münchner Startups profitieren
Deals

Tech-Allianz mit Großbritannien: Münchner Startups profitieren

13.10.26
4 Min.
Münchner Fintech Scalable Capital expandiert nach Österreich
Deals

Münchner Fintech Scalable Capital expandiert nach Österreich

13.10.26
4 Min.
Münchner KI-Startup Calliora erhält 5,3 Millionen Euro für Klinikabrechnung
Deals

Münchner KI-Startup Calliora erhält 5,3 Millionen Euro für Klinikabrechnung

08.10.26
4 Min.
Personio übernimmt Berliner Fintech Circula
Deals

Personio übernimmt Berliner Fintech Circula

08.10.26
4 Min.
Qwello übernimmt Mehrheit an niederländischem Ladeanbieter Groen-Eco
Deals

Qwello übernimmt Mehrheit an niederländischem Ladeanbieter Groen-Eco

07.10.26
2 Min.
Robco erreicht Unicorn-Status und holt neues Kapital
Deals

Robco erreicht Unicorn-Status und holt neues Kapital

07.10.26
3 Min.