Die Seed-Runde, die Fryte Mobility 3,5 Millionen Euro beschert, wird von 4impact capital und dem Münchner Mobilitätsinvestor Rethink Ventures gemeinsam angeführt. Mit dem Kapital will das 2025 gegründete Unternehmen seine Plattform für die Vernetzung von E-Lkw-Flotten und Ladeinfrastruktur europaweit skalieren.
Hierbei setzt Fryte Mobility bei der Koordination der Ladepunkte mit dem Logistikbetrieb an. Die Software soll Transportmanagement und Ladeinfrastruktur so miteinander verbinden, dass Speditionen Ladehalte entlang ihrer Touren planen und reservieren können, während Betreiber von Ladepunkten frühzeitig Informationen über ankommende E-Lkw und deren Energiebedarf erhalten.
Für Speditionen reicht es längst nicht mehr aus, dass grundsätzlich Ladeinfrastruktur vorhanden ist. Ladepunkte müssen entlang der jeweiligen Route zum benötigten Zeitpunkt verfügbar sein und sich in die Tourenplanung integrieren lassen.
4impact capital und Rethink Ventures führen Seed-Runde an
Neben 4impact capital und Rethink Ventures beteiligen sich außerdem die bestehenden Investoren Revent, F-LOG und Accilium Ventures sowie mehrere Business Angels. Nach Unternehmensangaben steigt die bisher eingesammelte Finanzierung durch die Runde auf insgesamt 5 Millionen Euro.
Das neue Kapital soll vor allem in die europaweite Skalierung fließen: Fryte plant, sein Commercial-Team auszubauen, weitere Betreiber von Ladeinfrastruktur – sogenannte Charge Point Operators (CPOs) – anzubinden und die Integration ihrer Charge Point Management Systems (CPMS) zu vertiefen.
Rethink Ventures bringt dabei einen klaren Branchenfokus mit: Der in München ansässige Early-Stage-Fonds investiert gezielt in europäische Unternehmen aus den Bereichen Mobilität, Automotive, Logistik und Energie.
Fryte Mobility verbindet Tourenplanung und E-Lkw-Ladeinfrastruktur
Bisher planen Transportmanagementsysteme Touren häufig ohne direkte Informationen darüber, ob ein geeigneter Ladepunkt zum geplanten Zeitpunkt tatsächlich verfügbar ist. Umgekehrt wissen Ladepunktbetreiber nicht unbedingt im Voraus, wann ein E-Lkw ankommt und wie viel Energie das Fahrzeug benötigt.
Genau hier setzt Fryte an und will diese Informationslücke schließen. Die offene Software-Infrastruktur verbindet Logistikplattformen mit Lademanagementsystemen und setzt dabei unter anderem auf den Branchenstandard OCPI. Auf dieser Basis sollen Ladepunkte anbieter- und grenzüberschreitend im Voraus gebucht werden können.
Für Disponenten bedeutet das, dass Ladehalte direkt in die Tourenplanung einbezogen werden können. FahrerInnen sollen passende Ladepunkte und gegebenenfalls eine Reservierung erhalten. CPOs wiederum bekommen eine bessere Planbarkeit ihrer Auslastung.
Fryte-Mitgründer und CTO Sebastian Wolff sagt:
„E-Lkw können nur dann flächendeckend und effizient geladen werden, wenn die Ladeinfrastruktur betreiberübergreifend vernetzt ist. Dafür braucht es offene Standards. Beim Laden haben wir diesen Schritt bereits gemacht – der nächste wichtige Meilenstein ist das Transportmanagement.“
Fryte Mobility zufolge funktioniert die Plattform bereits an Standorten mit mehreren Ladeanbietern. Mehr als 200 End-to-End-Buchungen seien bislang über das System abgewickelt worden – von der Planung durch die Disposition über die Durchführung durch die FahrerInnen bis zur Bestätigung durch die Ladepunktbetreiber.
Zu den bisherigen Pilot- und Kooperationspartnern zählt das Startup unter anderem Traton Charging Solutions mit MAN Charge & Go, Fiege, Fraport, Energie Südbayern und Dettendorfer Energy.
EU-Vorgaben erhöhen Druck zur Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs
Der Zeitpunkt der Finanzierung fällt in eine Phase, in der die Dekarbonisierung des europäischen Straßengüterverkehrs regulatorisch vorangetrieben wird. Schwere Nutzfahrzeuge verursachen laut EU-Kommission mehr als ein Viertel der Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs in der Europäischen Union und mehr als sechs Prozent der gesamten EU-Treibhausgasemissionen.
Die EU hat deshalb ihre CO2-Flottengrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge verschärft. Für Lkw-Hersteller erhöht das den Druck, den Anteil emissionsfreier Fahrzeuge zu steigern. Parallel dazu muss die dafür erforderliche Ladeinfrastruktur nicht nur aufgebaut, sondern auch effizient in bestehende Logistikprozesse integriert werden.
Und da kommt Fryte ins Spiel: Statt einen weiteren isolierten Lade- oder Logistikdienst aufzubauen, positioniert sich das Startup als übergreifende Softwareebene zwischen Flotten, Logistiksystemen und Ladepunktbetreibern.
Pauline Wink, Founding Partner bei 4impact capital, sieht darin einen zentralen Unterschied zu anderen Marktteilnehmern. Während viele Anbieter vertikale Einzellösungen entwickelten, baue Fryte eine horizontale Koordinationsschicht zwischen Logistik-, Lade- und Energiesystemen auf.












