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Gauss Fusion schließt Finanzierungsrunde ab und startet Series A für Kernfusion

Gauss Fusion schließt Finanzierungsrunde ab und startet Series A für Kernfusion

Das Kern-Führungsteam von Gauss Fusion (v.l.n.r.): Uwe Bau, Richard Kembleton, Abraham Taherivand

Credit: Gauss Fusion

Das Kern-Führungsteam von Gauss Fusion (v.l.n.r.): Uwe Bau, Richard Kembleton, Abraham Taherivand – Credit: Gauss Fusion

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Das Münchner Fusionsenergie-Unternehmen Gauss Fusion hat seine Seed-to-A-Finanzierungsrunde abgeschlossen und die Kapitalaufnahme für eine Series A gestartet. Mit dem Geld will das Unternehmen zentrale Technologien für Stellarator-Fusionskraftwerke weiterentwickeln.

21. Oktober 2026

4 Min. Lesezeit

Während viele Fusionsenergie-Projekte zunächst den wissenschaftlichen Nachweis eines Energieüberschusses anstreben, konzentriert sich Gauss Fusion auf die industrielle Umsetzbarkeit der Technologie. Das Münchner Unternehmen entwickelt ein modulares Stellarator-Fusionskraftwerk, bei dem Wartbarkeit, Serienfertigung und langfristige Wirtschaftlichkeit bereits in der Konstruktion berücksichtigt werden.

Die geplanten Anlagen sollen über mehr als fünf Jahrzehnte zuverlässig betrieben werden können. Dafür kombiniert Gauss Fusion Hochfeld-Stellarator-Technologie mit eigenen Komponenten, systematischer Kraftwerksentwicklung und der Fertigungskompetenz etablierter Industriepartner.

Die jetzt abgeschlossene Seed-to-A-Finanzierung soll die technische Entwicklung und Validierung dieser Komponenten vorantreiben. An der Runde beteiligten sich nach Unternehmensangaben GründerInnen, IndustriepartnerInnen sowie bestehende und neue AnteilseignerInnen. Zur Höhe der Finanzierung und zu den einzelnen InvestorInnen machte Gauss Fusion keine Angaben.

Parallel hat das Unternehmen die Kapitalaufnahme für seine Series A begonnen. Gauss Fusion berichtet von erheblichem Interesse potenzieller InvestorInnen, nennt allerdings weder ein angestrebtes Finanzierungsvolumen noch einen Zeitplan für den Abschluss.

Drei Schlüsseltechnologien für modulare Stellarator-Fusionskraftwerke

Im Mittelpunkt des Entwicklungsprogramms stehen drei proprietäre Technologien, die wesentliche technische Herausforderungen künftiger Fusionskraftwerke adressieren sollen.

Demountable Mitchell Magnets (DMM™): Die modularen Hochfeldmagnete sollen sich für industrielle Fertigungsprozesse eignen und Montage sowie Wartung vereinfachen. Magnetfelder sind eine zentrale Voraussetzung, um das extrem heiße Plasma in einem Stellarator einzuschließen.

HEXA™: Das modulare Feststoff-Brutblanket soll eine zentrale Funktion bei der künftigen Brennstoffversorgung übernehmen. Solche Systeme dienen dazu, aus Lithium Tritium zu erzeugen, das als Brennstoff für bestimmte Fusionsreaktionen benötigt wird. Zugleich müssen Brutblankets mit der hohen Neutronenbelastung in einem Fusionsreaktor umgehen können.

PinkCap™: Die Plasma-Abgas-Technologie soll Herausforderungen bei der Abführung von Teilchen und Wärme aus dem Plasma adressieren. Das Wärmemanagement zählt zu den wesentlichen technischen Anforderungen für einen dauerhaften Kraftwerksbetrieb.

Die drei Technologien sind Bestandteile des GIGA™-Kraftwerkskonzepts. Grundlage der Entwicklung ist ein nach Unternehmensangaben unabhängig begutachteter Conceptual Design Report (CDR).

Gauss Fusion verfolgt dabei einen stufenweisen Entwicklungsansatz: Einzelne Technologien sollen zunächst weiterentwickelt und validiert werden, bevor ihre Integration in größeren Systemen erfolgt. Dadurch sollen technische und industrielle Risiken schrittweise reduziert werden.

Series A soll Engineering, Prototypen und Validierung finanzieren

Mit dem Beginn der Series-A-Finanzierung bereitet Gauss Fusion die nächste Entwicklungsphase vor. Das zusätzliche Kapital soll insbesondere in Engineering, Prototypenbau und die Validierung kritischer Technologien fließen.

Uwe Bau, CEO von Gauss Fusion, betont die Bedeutung des industriellen Ansatzes:

„Unser Ziel geht über den Nachweis eines wissenschaftlichen Netto-Energiegewinns hinaus. Wir entwickeln die technischen und industriellen Grundlagen für Kraftwerke, die über Jahrzehnte hinweg zuverlässig hergestellt, gewartet und betrieben werden können.“

Damit rückt Gauss Fusion eine Herausforderung in den Mittelpunkt, die über die reine Plasmaphysik hinausgeht: Selbst wenn ein Fusionssystem einen positiven Energieertrag erreicht, müssen für den kommerziellen Kraftwerksbetrieb weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu gehören unter anderem die Verfügbarkeit der Anlage, die Lebensdauer einzelner Komponenten, die Brennstoffversorgung und die wirtschaftliche Wartung.

Gauss Fusion will diese Anforderungen bereits in der Entwicklung berücksichtigen und dabei auf industrielle Fertigungskapazitäten sowie Kooperationen mit öffentlichen Forschungseinrichtungen zurückgreifen.

GID-170: Industriedemonstrator als nächster Entwicklungsschritt

Ein wichtiger Bestandteil der mittelfristigen Entwicklungsstrategie ist der geplante Gauss Industrial Demonstrator (GID-170). In diesem Demonstrator sollen zentrale Technologien zusammengeführt und ihre Integration überprüft werden.

Damit soll der GID-170 eine Brücke zwischen der Entwicklung einzelner Komponenten und dem späteren Bau vollständiger Fusionskraftwerke schlagen.

Einen konkreten Zeitplan für die Inbetriebnahme des Demonstrators nennt Gauss Fusion in der aktuellen Mitteilung nicht. Auch Angaben zu den geplanten Gesamtkosten oder technischen Leistungsdaten des GID-170 bleiben offen.

Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob das Unternehmen die angestrebten Eigenschaften seiner Komponenten unter realitätsnahen Bedingungen nachweisen und die Technologien anschließend in industrielle Fertigungsprozesse überführen kann.

Industrielle Fusionsenergie: Von der Forschung zur Kraftwerkstechnik

Die kommerzielle Nutzung der Kernfusion erfordert neben wissenschaftlichen Fortschritten auch Lösungen für zahlreiche ingenieurtechnische Herausforderungen. Insbesondere die Belastbarkeit von Materialien, die Handhabung hoher Wärmeströme, die Tritiumversorgung und die Wartung komplexer Anlagen beeinflussen die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit.

Gauss Fusion positioniert sich in diesem Umfeld als industriell ausgerichteter Entwickler von Stellarator-Kraftwerken. Anders als bei Tokamak-Konzepten wird das Magnetfeld eines Stellarators wesentlich durch die äußere Spulengeometrie erzeugt. Das bietet prinzipielle Vorteile für einen kontinuierlichen Plasmabetrieb, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Konstruktion und Fertigung der Magnetanlagen.

Mit modularen Magneten und weiteren eigens entwickelten Komponenten will Gauss Fusion diese Anforderungen adressieren.

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