Munich Startup: Frau Lexa, Frau Traugott, immer mehr Startups kommen gerade an die Oberfläche, auch sehr erfolgreiche, geführt werden sie aber weiterhin fast ausschließlich von Männern. Gründerinnen bleiben die Ausnahme. Woran liegt das?
Susanne Traugott, Leiterin Initiative Women Startup bei UnternehmerTUM: Das hat viele Ursachen und beginnt lange vor der eigentlichen Gründung. Unternehmertum wird nach wie vor als männlicher Karriereweg wahrgenommen. Das zeigt sich schon früh: Viele Gründer entdecken Unternehmertum bereits in Schule oder Studium für sich – bei Frauen passiert das deutlich seltener. Gleichzeitig brauchen Frauen mehr weibliche Vorbilder, Netzwerke und gerade im Tech-Bereich besseren Zugang zu entsprechenden Studien- und Berufsfeldern. Diese strukturellen Prägungen wirken bis weit in die Gründungsphase hinein.
Pia Lexa, Team Lead Media Lab Bayern: Hinzu kommt, dass das Startup-Ökosystem selbst noch immer stark von bestimmten Bildern geprägt ist. Solange InvestorInnen oder Förderinstitutionen beim Begriff „Founder“ unbewusst an ein männliches Team denken und alle anderen daran messen, bleibt Chancengleichheit schwierig. Deshalb reicht es nicht, Frauen mehr Mut zuzusprechen – das System selbst muss offener und vielfältiger werden.

Munich Startup: Setzen die Hürden für Gründerinnen also schon vor dem Thema Finanzierung an?
Pia Lexa: Absolut. Kapital ist wichtig, aber zunächst brauchen Gründerinnen überhaupt den Freiraum, eine Idee zu entwickeln und auszuprobieren. Viele Frauen stemmen zusätzlich Care-Arbeit und versuchen trotzdem, alles allein zu schaffen. Das führt schnell zu Überlastung. Förderung – finanziell wie organisatorisch – ist deshalb keine Komfortleistung, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Gründung überhaupt möglich wird.
Susanne Traugott: Dazu kommt noch: Wer sich in einem Umfeld bewegt, in dem InvestorInnen, Netzwerke oder Role Models überwiegend männlich sind, fühlt sich oft gar nicht erst angesprochen. Und diese Distanz entsteht oft schon lange vor der eigentlichen Gründung. Deshalb setzen wir schon früher an: Wir möchten Frauen für Technologie und Unternehmertum begeistern und ihnen zeigen, dass Gründung eine realistische Karriereoption ist.

Munich Startup: Was brauchen Gründerinnen auf ihrem Weg am dringendsten?
Susanne Traugott: Vor allem kontinuierliche Begleitung. Empowerment ist kein einmaliger Workshop, sondern eine Reise. MentorInnen, Co-Founder-Matching, Weiterbildung und ein starkes Netzwerk helfen dabei, Selbstvertrauen aufzubauen und Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Diese Aspekte spielen sowohl im Media Lab Bayern als auch bei uns in den entsprechenden Programmen eine große Rolle – wir schaffen Räume.
Pia Lexa: Und ich würde ergänzen: Niemand sollte allein gründen müssen. Frauen gründen deutlich häufiger solo als Männer, das ist auf Dauer enorm belastend. Die Bedeutung von Mitgründerinnen, Coaching und Austausch mit erfahrenen SparringspartnerInnen kann gar nicht überschätzt werden.
Munich Startup: Welche Rolle spielen Netzwerke und Sichtbarkeit?
Pia Lexa: Netzwerke entscheiden häufig darüber, welche Türen sich öffnen. Dabei geht es nicht nur um Kontakte, sondern auch um gegenseitige Unterstützung. Gründerinnen profitieren enorm davon, sich aktiv mit anderen Unternehmerinnen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und Kooperationen einzugehen. Solidarität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Susanne Traugott: Gleichzeitig brauchen erfolgreiche Gründerinnen mehr Sichtbarkeit. Role Models machen Mut und zeigen, dass Unternehmertum allen offen steht. Sichtbarkeit hilft aber auch, dass man strukturelle Probleme überhaupt erst erkennt. Wer erlebt, dass andere ähnliche Hürden überwinden mussten, fühlt sich weniger allein und auch das Umfeld entwickelt ein stärkeres Bewusstsein für bestehende Ungleichheiten.
Munich Startup: Viele Frauen zweifeln trotz guter Ideen an sich selbst. Was würden Sie ihnen mitgeben?
Pia Lexa: Eine starke Vision und Leidenschaft für das eigene Thema sind das wichtigste Kapital. Gleichzeitig darf niemand vergessen, dass Gründen ein Marathon ist. Feedback annehmen, bewährte Methoden nutzen, Pausen machen und auf die eigene mentale Gesundheit achten, all das gehört genauso zum Unternehmertum wie der Businessplan.
Susanne Traugott: Ich würde Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, statt sich an einem vermeintlich „typischen“ Gründerbild zu orientieren. Unsere Erfahrung zeigt, dass authentische Persönlichkeiten die besseren Unternehmen aufbauen. Wenn Frauen die richtigen Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, entstehen daraus beeindruckende Erfolgsgeschichten.
Munich Startup: Was muss passieren, damit Female Foundership irgendwann kein eigenes Thema mehr ist?
Susanne Traugott: Diversität entsteht nicht von allein. Sie ist das Ergebnis gezielter Förderung und strategischer Entscheidungen. Wir sehen, dass entsprechende Programme wirken und den Anteil vielfältiger Teams messbar erhöhen. Das zeigt: Veränderung ist möglich.
Pia Lexa: Gleichzeitig liegt die Verantwortung nicht allein bei den Gründerinnen. InvestorInnen, Acceleratoren, Hochschulen und Förderinstitutionen müssen ihre eigenen Denkmuster hinterfragen und gleiche Chancen aktiv ermöglichen. Denn Gründen ist keine angeborene Fähigkeit, sondern Handwerk. Je vielfältiger die Menschen sind, die Unternehmen aufbauen, desto innovativer wird am Ende auch unsere Wirtschaft.












