Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Gaitis Kasims, Gründer & CEO: In der Halle ist das Handwerk längst modern: CNC, Laser, CAD. Im Büro dann Excel. Das Papier frisst den Tag: Anfragen sortieren, Angebote schreiben, Termine planen, Baustellen dokumentieren, Rechnungen stellen. Das Projektwissen liegt verstreut in Mails, Dokumenten und Terminen und für jedes neue Problem kommt noch eine App dazu.
Krafthub ist die Plattform, auf der ein Betrieb seinen ganzen Tag abwickelt: von der Anfrage über Projekt und Angebot bis zur Rechnung. Der Unterschied ist, dass die KI bei uns die Bedienung selbst ist und kein aufgesetztes Extra. Man spricht mit dem System, fotografiert eine Baustelle oder leitet eine Mail weiter. Daraus werden Termine, Aufgaben, Dokumentation und Angebote.
Und es hält dem großen Maßstab stand. In der Kalkulation eines Industriebetriebs stecken schnell mehrere tausend Positionen und ein belastbarer Preis steht heute erst nach Wochen Lieferantenrücklauf. Unsere KI erkennt die Positionen und bepreist einen großen Teil davon am Tag des Eingangs aus Großhandelsdaten, Lohnlisten und der eigenen Historie. Dasselbe System, ob Ein-Mann-Betrieb oder Unternehmensgruppe, integriert in ERP, CRM und Materialwirtschaft. Handwerks-KI. Industrialisiert.
Lösung für alle Betriebsgrößen
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Gaitis Kasims: Die meisten müssen sich entscheiden: entweder Produkt für kleine Betriebe oder Projektgeschäft für große. Wir müssen das nicht. Der kleine Betrieb bekommt eine fertige Plattform, mit der er sofort arbeitet. Die Unternehmensgruppe bekommt dieselbe KI, aber tief in ihre Welt integriert: ERP, CRM, Materialwirtschaft, Großhandelsdaten, eigene Prozesse.
Das liegt an der Architektur: Unsere KI ist kein Chatfenster daneben, sondern als Motor tief im Produkt verankert. Sie kann darin alles tun, was auch ein Mitarbeiter tun kann. Und es liegt am Team: Wir verbinden Handwerksmeister, die den Betriebsalltag kennen, mit Leuten, die KI-Automatisierung in regulierten Industrien im großen Maßstab gebaut haben. Diese Kombination ist selten. Dazu kommt: Wir sind eigenfinanziert. Wir bauen, was Betriebe brauchen, nicht was ein Investor im nächsten Quartal sehen will.
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Gaitis Kasims: Ich habe im Konzern gesehen, wie weit Automatisierung mit KI wirklich gehen kann. Und gleichzeitig in meinem eigenen Umfeld, wie Handwerksbetriebe abends noch Angebote in Excel tippen. Diese Lücke ließ mich nicht los: Die Technologie war längst da, sie kam nur nicht dort an, wo sie am meisten bewirkt hätte. Irgendwann wollte ich nicht mehr darauf warten, dass das jemand anders macht.
Bootstrapping als Kraftakt
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Gaitis Kasims: Ans Aufgeben nicht. Aber es gibt Phasen, in denen man die Rechnung ehrlich machen muss: Krafthub ist komplett aus eigener Kraft finanziert. Alles, was die Beratung verdient, fließt in die Entwicklung. Das heißt Monate voller Arbeit ohne Gehalt und ohne Sicherheitsnetz. In solchen Momenten hilft der Blick auf die Betriebe, die schon mit dem Produkt arbeiten. Wenn einer davon sagt, er will es nicht mehr hergeben, ist die Frage beantwortet.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Gaitis Kasims: An drei Dingen. Erstens: Die KI arbeitet nicht nur in Krafthub, sondern über die ganze Systemlandschaft unserer Kunden — ERP, Materialwirtschaft, Großhandel. Niemand pflegt mehr dieselben Daten an zwei Stellen. Zweitens: Aus den ersten Industriekunden wird ein Rollout über ganze Unternehmensgruppen statt einzelner Pilotprojekte. Und drittens, ganz banal: deutlich mehr zahlende Betriebe als heute und Betriebe, die von ihrer bisherigen Software zu uns wechseln. Das ist die ehrlichste Rückmeldung, die es gibt.
München bringt Startups und Handwerk zusammen
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Gaitis Kasims: Ja. München ist einer der stärksten KI-Standorte Europas und liegt zugleich mitten im deutschen Handwerk. Genau dieser Überlapp ist unser Geschäft, und er ist selten.
Wir selbst sitzen dabei nicht in der Stadt, sondern in Grafing. Ein kleiner Ort, aber mit einer erstaunlich lebendigen Gründerszene rund um ZamStarten. Kurze Wege, viel Substanz, wenig Lärm. Dass beide Welten hier zusammenkommen, sieht man auch an Formaten wie „Startup trifft Handwerk“. In dieser Dichte gibt es das kaum woanders.
Munich Startup: Fokus oder Diversifikation?
Gaitis Kasims: Beides, aber auf zwei verschiedenen Achsen. Unser Fokus liegt auf dem Prozess: Wir industrialisieren mit KI den gesamten Ablauf eines Betriebs, von der Anfrage bis zur Rechnung. Nicht ein Werkzeug für einen einzelnen Schritt, sondern die ganze Kette. Da gehen wir in die Tiefe und machen keine Kompromisse.
Diversifiziert sind wir bei der Betriebsgröße: Dieselbe KI läuft beim Ein-Mann-Betrieb wie in der Unternehmensgruppe mit mehreren Standorten. Das funktioniert nur, weil das Fundament dasselbe ist, sonst wären es zwei Produkte und am Ende zwei Firmen.











