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Munich Startup Experts: Warum die besten Digitaltalente nicht auf deine Stellenanzeige antworten

Munich Startup Experts: Warum die besten Digitaltalente nicht auf deine Stellenanzeige antworten

Credit: Bastian Deurer

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Bastian Deurer

Bastian Deurer

Mehr Bewerbungen, aber kaum passende KandidatInnen: Warum klassische Stellenanzeigen Top-Digitaltalente oft nicht erreichen und wie Unternehmen mit den richtigen Strategien trotzdem die passenden Mitarbeitenden finden, erklärt Dygitized-Gründer Bastian Deurer.

28. Juli 2026

10 Min. Lesezeit

Der Job ist seit sechs Wochen online. Diesmal kommen sogar viele Bewerbungen. Aber die Richtigen sind nicht dabei. Willkommen in der Realität des aktuellen Digitalmarkts. Ich höre diesen Satz regelmäßig: „Wir finden einfach keine guten Leute.“ Und ich sage jedes Mal dasselbe: „Die gibt es, aber die schauen nicht auf deine Stellenanzeige.“

Mehr Bewerbungen, weniger Qualität

Die Wirtschaft schwächelt. (Tech-)Unternehmen haben entlassen, Budgets wurden gekürzt, Digitalprojekte gestoppt. Auf dem Papier müsste das Recruiting jetzt einfach sein, der Markt ist voll mit verfügbaren Talenten.

Die Realität sieht anders aus. Ja, auf jede Ausschreibung kommen heute mehr Bewerbungen als vor zwei Jahren. Aber die Qualität der Bewerbungen ist gesunken. Warum? Weil der Markt zwar voller, aber nicht gleichmäßig hochwertig geworden ist.

Die wirklich Guten waren nie lange verfügbar. Wer in den Entlassungswellen der letzten Jahre stark war, hatte innerhalb von Wochen etwas Neues. Die Top-Performer sind längst wieder unter der Haube oder sie waren nie ohne Projekt.

Was auf den Jobportalen ankommt, ist der Rest. Und der ist größer geworden, lauter und professioneller im Bewerben. Durchoptimierte CVs, KI-geschliffene Anschreiben, polierte LinkedIn-Profile. Die Signale, an denen du früher Qualität erkannt hast, funktionieren nicht mehr. Das ist die eigentliche Herausforderung 2026: Nicht zu wenige BewerberInnen, sondern zu viel Rauschen und zu wenig Signale, wer wirklich was kann.

Das Stellenanzeigen-Paradox

Stellenanzeigen funktionieren. Nur nicht für die, die du eigentlich willst. Sie funktionieren für Menschen, die aktiv suchen. Die zwischen Jobs sind. Die unzufrieden sind und einen Ausweg wollen. Das ist keine wertlose Gruppe, gerade jetzt sind auch starke Leute unverschuldet auf dem Markt. Aber es ist eben auch nicht automatisch die Gruppe mit den stärksten Profilen, den relevantesten Erfahrungen und dem klarsten Mindset.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die beste Person für deine spezifische Herausforderung genau in dem Moment aktiv sucht, in dem deine Anzeige live ist, ist klein. Und sie wird kleiner, je spezifischer dein Bedarf ist.

Top-Talente im Digitalbereich – ob Performance-Marketer, Product Manager, CTO oder Digital Strategist – bewegen sich in Netzwerken. Sie bekommen Anfragen über LinkedIn, über Empfehlungen, über Communities. Sie entscheiden, mit wem sie arbeiten wollen, nicht umgekehrt.

Woran du Qualität wirklich erkennst, wenn der CV nichts mehr verrät

Wenn CVs austauschbar geworden sind, brauchst du andere Signale. Nach vielen Jahren auf beiden Seiten des Tisches – als Freelancer, als Führungskraft, als Gründer – sind das die, auf die ich achte:

Konkretheit statt Buzzwords: Frage nach dem letzten Projekt. Gute Leute erzählen dir präzise, was das Problem war, was sie entschieden haben, was funktioniert hat und was nicht. Schwache Kandidaten bleiben im Vagen: „Wir haben die Performance optimiert.“ Wer? Wie? Um wie viel? Ab wann? Wer was kann, redet in Details.

Wichtig: Frage auch nach KPIs und messbaren Ergebnissen.

Umgang mit Scheitern: Frage nach einem Projekt, das schiefgelaufen ist. Die Antwort verrät mehr als jede Erfolgsgeschichte. Menschen mit echter Erfahrung haben Narben und können darüber reden, ohne sich zu rechtfertigen oder andere verantwortlich zu machen. Wer noch nie gescheitert ist, hat entweder nie Verantwortung getragen oder sagt nicht die Wahrheit.

Wichtig: Hake hier auch mal nach. „Hast du schon mal 50k auf einem Projekt verbrannt und wie hat sich das angefühlt?“

Fragen, die zurückkommen: Starke KandidatInnen interviewen dich genauso, wie du sie interviewst. Sie wollen wissen, wie Entscheidungen fallen, wer die Stakeholder sind, warum die Stelle offen ist. Wer keine Fragen stellt, nimmt jeden Job und das ist selten ein gutes Zeichen.

Wichtig: Lass für diese Nachfragen genug Zeit.

Referenzen, die du wirklich anrufst: Klingt banal. Ein zehnminütiges Gespräch mit einem früheren Auftraggeber sagt dir mehr als drei Interviews. Nicht die Frage „War die Person gut?“, sondern: „Würdest du wieder mit ihr arbeiten? Und für welche Art von Aufgabe?“

Wichtig: Klar ist die Person gebrieft, achte aber trotzdem auf die Botschaften zwischen den Zeilen und frage bei den unsicheren Punkten aus dem Interview explizit danach.

Ein Case aus dem Job Kontext: Keine Fleißaufgabe, kein unbezahltes Mini-Projekt, sowas ist uncool. Eine realistische Herausforderung, die auch im Job aufkommen wird. Wie denkt die Person? Welche Fragen stellt sie? Wie geht sie mit unvollständigen Informationen um? Das ist der ehrlichste Eindruck, den du bekommen kannst.

Wichtig: Lass es nicht zu einer Doktorarbeit werden. Der Case sollte klar abgesteckt sein. Versende ihn rechtzeitig vorher und gib eine Erwartungshaltung zum Aufwand an.

Was Digitaltalente wirklich entscheiden lässt

Ich habe selbst jahrelang als Freelancer gearbeitet, Menschen eingestellt und baue gerade unser Team bei Dygitized weiter aus. Ich weiß, es ist selten die Stellenanzeige, die überzeugt. Es sind drei andere Dinge.

Erstens: Klarheit über die Aufgabe. Nicht „Wir suchen einen erfahrenen Digital Marketing Manager mit Hands-on-Mentalität“. Sondern: Was genau ist das Problem, das diese Person lösen soll? Was liegt im Argen, welche Entscheidungen wird sie treffen dürfen? Vage Anforderungen signalisieren vage Führung. Top-Talente lesen das und klicken weiter.

Zweitens: Ein ehrliches Bild der Situation. Startups und Scaleups verkaufen Stellen gern wie Produkte. „Dynamisches Team, flache Hierarchien, viel Gestaltungsspielraum.“ Das klingt wie jede andere Ausschreibung. Was wirklich zieht, ist Ehrlichkeit. Wo steht ihr gerade? Was ist schwierig? Warum ist die Rolle trotzdem interessant? Wer das ausspricht, zieht genau die Menschen an, die damit umgehen können. Gerade in unsicheren Zeiten hat Ehrlichkeit einen zusätzlichen Wert: Kandidaten sind vorsichtiger geworden. Wer schönfärbt, verliert sie beim ersten Realitätscheck spätestens in der Probezeit. Und die ist eine Kennenlernphase für beide Seiten!

Drittens: Deine Sichtbarkeit vor der Jobausschreibung. Das ist der Punkt, den die meisten komplett unterschätzen. Die besten Talente entscheiden sich oft schon für oder gegen dich, bevor du überhaupt ausschreibst. Weil sie deinen Content lesen. Weil jemand aus ihrem Netzwerk für euch schwärmt. Weil sie dich auf einer Veranstaltung erlebt haben. Employer Branding ist kein (reines) HR-Thema. Es ist eine Organisations-, Kultur- und Vertriebsaufgabe. Und die fängt nicht an, wenn die Stelle offen ist.

Der Freelancer-Markt funktioniert nochmal anders

Wer gute FreelancerInnen sucht – also wirklich erfahrene, projekterprobte DigitalexpertInnen, nicht BerufseinsteigerInnen mit Freelance-Status – der macht mit klassischen Ausschreibungen fast gar nichts richtig. Starke FreelancerInnen suchen nicht auf Jobportalen. Sie haben ein Netzwerk und Partner, die sie mit Anfragen versorgen. Sie entscheiden nach Projektqualität, Teamfit und Auftraggeber-Reputation – nicht nach Tagessatz allein.

Und auch in einem schwächeren Markt gilt: Die Guten können es sich leisten, selektiv zu sein. Vielleicht sind ihre Auslastungslücken heute etwas größer als vor zwei Jahren, aber sie füllen sie mit Projekten, die zu ihnen passen. Nicht mit dem erstbesten Auftrag.

Das heißt für dich: Wenn du als Unternehmen nicht bereits im Gespräch bist, keine Reputation als guter Auftraggeber hast und keine klare Vorstellung davon, was du willst, wirst du die Falschen ansprechen. Oder gar niemanden.

Netzwerke wie Dygitized lösen genau dieses Problem: nicht durch Masse, sondern durch Kuration. Der Unterschied liegt nicht im Zugang zu Profilen, den hat heute jeder. Er liegt darin, wer wirklich passt. Fachlich, menschlich, im konkreten Projekt und Orgakontext.

Infobox
Bastian Deurer

Bastian Deurer ist Gründer von Dygitized, einem kuratierten ExpertInnen-Netzwerk aus erfahrenen Digital-FreelancerInnen.

Vor der Gründung war er über 20 Jahre selbst auf allen Seiten des Tisches unterwegs – bei IBM, PwC, ProSiebenSat.1 und Payback sowie acht Jahre als Freelancer in digitalen Projekten.

Dygitized matcht Unternehmen mit ExpertInnen aus allen digitalen Fachbereichen von Marketing, Growth & CRM über E-Commerce, Product, UX & Tech bis Data, AI & Automation. Alle ExpertInnen werden persönlich geprüft nach Skillset, Mindset, Toolset und Cultural Fit. Statt hunderten Profilen gibt es maximal drei perfekt passende Vorschläge: erste Matches in 48 Stunden, Projektstart in fünf Tagen.

Der unterschätzte Move: Überbrücken statt verzweifeln

Hier kommt ein Gedanke, den zu wenige GründerInnen denken, weil die Recruiting-Logik ihn nicht vorsieht: Du musst die Suche nach der perfekten Festanstellung nicht abbrechen oder ewig auf den optimal passenden warten, um trotzdem voranzukommen.

Das klassische Szenario: Die Schlüsselrolle ist seit vier Monaten unbesetzt. Das Projekt steht. Das Team kompensiert und brennt langsam aus. Und irgendwann triffst du unter Druck eine Entscheidung, die du in Ruhe nie getroffen hättest – du stellst jemanden ein, der „gut genug“ ist. Genau die Fehlbesetzung, die du eigentlich vermeiden wolltest.

Die Alternative: Du holst dir für die Übergangszeit erfahrene FreelancerInnen, die die Rolle interimistisch ausfüllt oder das dringendste Projekt vorantreiben. Damit gewinnst du drei Dinge auf einmal: Das Geschäft läuft weiter, das Team wird entlastet. Du kannst die Festanstellungssuche ohne Zeitdruck führen und triffst eine bessere Entscheidung. Und: Du lernst durch die Zusammenarbeit mit Interim-ExpertInnen präziser, was die Rolle wirklich braucht. Viele Anforderungsprofile sehen nach drei Monaten Interim-Erfahrung ganz anders aus als davor. Überbrückung ist keine Notlösung. Sie ist oft der Unterschied zwischen einer Panik-Einstellung und einer richtig guten.

Was du konkret tun kannst, damit du deinen Job besetzt bekommst

  1. Beschreibe das Problem, nicht die Person. Schreib keine Anforderungsliste. Beschreibe die Situation: Wo hapert es, was soll sich verändern, welcher Outcome steht am Ende? Das zieht Menschen an, die Lust auf genau diese Herausforderung haben.
  2. Aktiviere dein Netzwerk, bevor du ausschreibst. Bevor eine Stelle online geht: Wer aus deinem Netzwerk könnte genau das sein oder jemanden kennen? Eine persönliche Nachricht an zehn relevante Menschen bringt dir mehr als tausend Impressions auf einer Jobbörse.
  3. Prüfe anders als alle anderen. Wenn CVs nichts mehr verraten, verlagere die Prüfung dahin, wo sie ehrlich ist: konkrete Projektgespräche, echte Referenz-Calls, gemeinsames Arbeiten am realen Problem. Das kostet mehr Zeit pro KandidatIn, aber spart dir Monate pro Fehlbesetzung.
  4. Baue Sichtbarkeit auf, wenn du sie nicht brauchst. Content, Community, Präsenz. Wer in digitalen Kreisen sichtbar ist – als GründerIn, als Unternehmen, als Arbeitgeber – wird gefunden, wenn der Moment kommt. Das ist keine schnelle Lösung. Aber es ist die einzige, die langfristig funktioniert.
  5. Sei ehrlich über das, was du bietest. Keine Hochglanzversion. Keine leeren Buzzwords. Sag, wo ihr steht, was schwierig ist, und warum es trotzdem ein verdammt guter Ort ist, um zu arbeiten. Wer das nicht aushält, ist sowieso nicht die richtige Person.
  6. Denk in Sequenzen, nicht in Entweder-oder. Nicht jede Lücke muss sofort mit einer Vollzeitstelle geschlossen werden. Manchmal ist die klügste Reihenfolge: Jetzt erfahrener FreelancerInnen für Tempo und Entlastung – und parallel die Festanstellungssuche ohne Druck.

Fazit

Der Markt ist voller geworden, aber nicht besser. Die guten Leute sind weiterhin rar, weiterhin vernetzt und weiterhin wählerisch. Was sich geändert hat: Das Rauschen ist lauter geworden und die alten Qualitätssignale funktionieren nicht mehr.

Wer weiter auf Bewerbungen wartet, wird weiter enttäuscht sein. Wer anfängt, sich als attraktiver Arbeitgeber und Auftraggeber zu positionieren, anders zu prüfen und flexibler in Rollen und in Outcomes zu denken, der spielt ein anderes Spiel. Und das ist das Spiel, das gewinnt.

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