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NextGen Takeover: Wie wir die Weichen für die UnternehmerInnen von morgen stellen

NextGen Takeover: Wie wir die Weichen für die UnternehmerInnen von morgen stellen

Credit: Joscha Queisser für Munich Startup

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

KI ermöglicht jungen GründerInnen, Produkte innerhalb weniger Wochen zu entwickeln und international zu vermarkten – zugleich stehen in Deutschland von 2026 bis 2030 rund 186.000 Familienunternehmen zur Übergabe an. Beim Munich Startup Festival 2026 diskutierten ExpertInnen, warum Geschwindigkeit allein nicht reicht und welche Chancen Unternehmensnachfolgen für die nächste Generation bieten.

6. August 2026

4 Min. Lesezeit

Noch nie war es technisch so einfach, ein digitales Produkt zu entwickeln. Doch dadurch verschieben sich die entscheidenden Wettbewerbsvorteile: Nicht mehr allein Programmierkenntnisse zählen, sondern schnelle Entscheidungen, Kundenzugang und die Fähigkeit, ein Produkt erfolgreich zu vermarkten.

Darüber diskutierten am 22. Juli im Backstage beim Munich Startup Festival im Rahmen des Panels „NextGen Takes over – Die Weichen für die nächste Generation stellen“ Janina Wiedenbach von Munich Innovation Ecosystem, Dr. Robert Richter von WERK1, Dr. Carsten Rudolph von BayStartUP, Seriengründer und Investor Chris Obereder sowie Marcus Betz von der Stadtsparkasse München. Moderiert wurde das Panel von Nikola Nikolic und Matthias Ebbinghaus.

AI-native Startups arbeiten schneller und mit kleineren Teams

Nach Einschätzung von Janina Wiedenbach entstehen zunehmend AI-native Startups, bei denen KI nicht nur Teil des Produkts ist, sondern Prozesse, Rollen und Unternehmensstrukturen prägt. Dadurch können kleine Teams schneller entwickeln und mit weniger Kapital starten.

Chris Obereder sieht darin jedoch keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil: Da nahezu alle GründerInnen Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen haben, werde Distribution zum entscheidenden Faktor. Erfolgreich sei, wer Sichtbarkeit erzeugt, KundInnen gewinnt und früh international denkt. Auch Marcus Betz beobachtet, dass Startups heute professioneller auftreten und Auslandsmärkte früher in ihre Strategie einbeziehen.

Geschwindigkeit wird zum Standortfaktor

München verfügt über starke Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Talente, Industrieunternehmen, InvestorInnen und Förderangebote. Die zentrale Frage sei deshalb, wie sich diese Voraussetzungen schneller in marktfähige Unternehmen übersetzen lassen.

Als Beispiel nannte Wiedenbach die Ludwig-Maximilians-Universität München, die den Transfer von geistigem Eigentum auf Ausgründungen deutlich beschleunigen will. Gerade für forschungsbasierte Startups kann ein schneller Technologietransfer entscheidend sein.

Robert Richter sieht zugleich ein Strukturproblem: Das Münchner Ökosystem sei stark, aber teilweise unübersichtlich. Werk1 will deshalb das Werksviertel stärker als gebündelten Startup-Standort entwickeln, an dem GründerInnen InvestorInnen, Acceleratoren und Unternehmen an einem Ort erreichen.

Der breitere Kundenzugang entscheidet

Für BayStartUP-Geschäftsführer Dr. Carsten Rudolph zeigt sich der Erfolg eines Startups nicht beim ersten Kunden, sondern beim Übergang in einen breiteren Markt.

„Als erste Kunden ein paar Verrückte zu finden, ist nicht so schwer“,

sagte Dr. Carsten Rudolph. Entscheidend sei, ob ein Unternehmen auch den fünften, zehnten oder hundertsten Kunden gewinnen könne.

Obereder achtet bei Investments zudem darauf, wie schnell Teams Entscheidungen treffen, lernen und auf veränderte Marktbedingungen reagieren. Ein Produkt dürfe aus Kundensicht nicht nur „okay“ sein, sondern müsse ein relevantes Problem überzeugend lösen.

186.000 Unternehmen stehen vor der Übergabe

Neben Neugründungen wird die Unternehmensnachfolge zu einer zentralen Aufgabe der nächsten Generation. Nach Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn stehen von 2026 bis 2030 rund 186.000 Familienunternehmen zur Übergabe an.

Für junge UnternehmerInnen eröffnet das die Chance, bestehende Kundenbeziehungen, Beschäftigte, Marken und Produktionsstrukturen zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Trotzdem werde Unternehmertum bislang meist mit einer Neugründung verbunden, sagte Rudolph.

Die Nachfolge sei für viele junge Menschen noch zu intransparent. Es fehle an attraktiver Darstellung der Unternehmen, geeigneten Matching-Angeboten und verständlichen Finanzierungsmodellen.

Richter sieht Potenzial in einer besseren Nutzung vorhandener Daten. Kammern, Banken und Wirtschaftsförderungen verfügten über Informationen zu Unternehmen und Nachfolgesituationen, die für ein intelligenteres Matching genutzt werden könnten.

Startups und Mittelstand können voneinander profitieren

Marcus Betz beobachtet bereits einen stärkeren Austausch zwischen Startups und etablierten Unternehmen. Mittelständler beteiligten sich an jungen Firmen oder nutzten sie als externe Innovationspartner.

Startups erhalten dadurch Zugang zu Branchenwissen, Produktionskapazitäten und Vertriebswegen. Etablierte Unternehmen profitieren im Gegenzug von Geschwindigkeit, neuen Technologien und agilen Arbeitsweisen.

Fünf Fähigkeiten für die nächste Unternehmergeneration

Zum Abschluss des Panels waren sich die TeilnehmerInnen weitgehend einig, welche Eigenschaften die nächste Generation von UnternehmerInnen mitbringen sollte. Neben Mut zur Gründung oder zur Übernahme eines Unternehmens nannten sie vor allem Urteilsvermögen, um in einem zunehmend dynamischen Umfeld die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ebenso wichtig seien Lernfähigkeit, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich immer wieder an neue Marktbedingungen anzupassen. Marcus Betz ergänzte die unternehmerischen Tugenden um eine kaufmännische Perspektive: Auch die beste Geschäftsidee könne nur erfolgreich sein, wenn die finanzielle Basis stimmt. Sein Fazit brachte er mit einem bekannten Grundsatz auf den Punkt: „Cash is King.“

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