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Auf zum Mond: Warum Bayern einen Moonport plant

Auf zum Mond: Warum Bayern einen Moonport plant

Credit: Quelle: adobe stock / Romolo Tavani

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Kyrill Ring

Kyrill Ring

Der deutsche Raumfahrtkonzern OHB SE gründet mit der European Moonport Company ein eigenes Zentrum zur Entwicklung von lunarer Infrastruktur in Bayern – ein Schritt von hoher strategischer Bedeutung für Europas Rolle im kommenden Wettlauf um den Mond. Die Gesellschaft soll Konzepte wie einen zentralen logistischen Mondhafen vorantreiben und Europas Fähigkeit für eine nachhaltige Mondpräsenz stärken. Wir haben mit Niklas Voigt, Head of Think Tank bei OHB, über die Mission gesprochen.

12. Februar 2026

4 Min. Lesezeit

Die European Moonport Company ist kein reines Spin-off, sondern strategisch verankert in Europas wachsenden Ambitionen für den Mond. Nach der jüngsten Ministerratskonferenz der Europäischen Weltraumorganisation ESA hat Deutschland eine führende Rolle übernommen und OHB will diese Dynamik nutzen, indem es seine Kompetenzen in einem spezialisierten Unternehmen bündelt.

Oberpfaffenhofen, nahe München, ist bereits heute ein Zentrum der Raumfahrtforschung und -entwicklung in Deutschland. Mit der neuen Moonport-Gesellschaft entsteht dort ein weiteres Kompetenzzentrum für eine Technologie, die in den kommenden Jahrzehnten neue Märkte und Missionsmodelle prägen könnte – von Start- und Landeinrichtungen über Energie- und Kommunikationssysteme bis hin zu logistischen Plattformen für die Lunar Economy.

„Der Mond ist in großen Teilen noch unerforscht“

Im Zentrum der Initiative steht nicht nur Technologieentwicklung, sondern eine strategische Grundsatzfrage: Welche Rolle soll Europa auf dem Mond spielen? Niklas Voigt, Head of Think Tank bei OHB erklärt im Interview mit Munich Startup:

„Der Mond ist in großen Teilen noch unerforscht. Offene Fragen betreffen Entstehung, Entwicklung, Geologie und Ressourcen des Mondes sowie die Geschichte des Sonnensystems. Die Präsenz auf dem Mond schafft langfristige wirtschaftliche, industrielle und gesellschaftliche Vorteile und bietet ein Umfeld für die Entwicklung von Zukunftstechnologien.“

Damit positioniert sich das Projekt klar über eine reine Einzelmission hinaus. Der Mond wird als wissenschaftliche Plattform, als Testfeld für neue Technologien und als potenzieller Wirtschaftsraum verstanden. Laut Voigt könne ein ambitioniertes Mondprogramm zudem „neue Generationen inspirieren und Wissenschafts- und Ingenieurs-Talente anziehen“.

Innovationszentrum als „integrativer Knotenpunkt“

Die European Moonport Company soll dabei als Innovationszentrum für lunare Zukunftsvisionen fungieren. Konkret geht es um die Vorentwicklung von Schlüsseltechnologien – darunter Kommunikation, Navigation, Energietechnologien, In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) und Robotik.

Voigt beschreibt den Anspruch so:

„Vision ist die Ausarbeitung von Zukunftsszenarien für eine langfristige, nachhaltige Mondpräsenz – nach dem ‚Here to stay‘-Prinzip. Dafür braucht es einen stark koordinierten europäischen Ansatz und ein Industriekonsortium. Ein Innovationszentrum kann hier als integrativer Knotenpunkt dienen.“

Damit rückt die Koordination in den Fokus: Nicht Einzelakteure, sondern ein europäisches Ökosystem aus Industrie, Forschung, Startups und institutionellen Partnern sollen gemeinsam an Infrastruktur und Anwendungen arbeiten. Das Innovationszentrum soll Impulse bündeln, technologische Vorarbeit leisten und strategische Leitbilder entwickeln.

Moonport als Basis für Infrastruktur und Wertschöpfung

Langfristig ist ein fester Landeplatz – ein „Moonport“ – vorgesehen, der als Basis für Infrastruktur auf dem Mond dienen soll. Gedacht ist an Energieversorgung, Kommunikationssysteme, Mobilitätslösungen, Habitate und Schutzmechanismen. Die Entwicklung soll schrittweise erfolgen bis hin zu bemannten Missionen und einer dauerhaften Präsenz.

Für Voigt geht es dabei auch um Europas Rolle im internationalen Wettbewerb:

„Europa muss eigene Interessen und Werte auf einer neuen strategischen Bühne vertreten und mitgestalten.“

Ein europäisches Mond-Ökosystem würde neue Wertschöpfungsketten schaffen, technologische Kompetenzen ausbauen und Europa als gleichwertigen Akteur im globalen „Moon Race“ positionieren.

Politische Unterstützung aus Bayern

Auch politisch wird das Projekt flankiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betont im Zusammenhang mit der Gründung:

„Wir sind Space-Minded! Das ist ein weiterer Schritt Bayerns als Space Valley für Deutschland und ganz Europa. Die Luft- und Raumfahrt boomt: Wir schaffen im Freistaat ein einzigartiges Ökosystem für viele neue Arbeitsplätze mit inzwischen 12 Milliarden Euro Umsatz und 38.000 Beschäftigten. Aus Bayern heraus spielen wir mit Bund und ESA Doppelpass. Bayern wird als Bundesland bis 2030 über eine Milliarde Euro allein in Luft- und Raumfahrt investieren – von Unis und Forschung über Startup-Förderung bis hin zu vereinfachten Ansiedlungen für Verteidigungs- und Raumfahrtunternehmen. Während andere kürzen, investieren wir eine Milliarde Euro extra in Forschung und Wissenschaft unserer Hightech Agenda Bayern. Das wirkt: Bayern ist inzwischen Startup-Land Nummer 1 und die TUM und LMU sind die beiden besten Unis in der EU.“

Relevanz für Startups und Deeptech-Unternehmen

Mit der European Moonport Company entsteht in unmittelbarer Nähe zum Münchner Startup-Ökosystem ein neuer Anknüpfungspunkt für Deeptech- und Spacetech-Unternehmen. Themen wie Energie, Navigation, Robotik oder Ressourcennutzung auf dem Mond bieten potenzielle Anwendungsfelder für Startups, die sich in langfristige europäische Programme einbringen wollen.

Quellen

-Schriftliches Interview mit Niklas Voigt, Head of Think Tank OHB, 12.02.2026

-OHB SE: OHB gründet European Moonport Company (Pressemitteilung)
https://www.ohb.de/news/ohb-gruendet-european-moonport-company

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