Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Leonidas Askianakis, Gründer und CEO von Project-S: Satelliten tragen Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung. Ihr sicherer Betrieb hängt auch davon ab, mögliche Kollisionen früh genug zu erkennen. Gerade bei kleinen Trümmerobjekten ist das Lagebild jedoch unvollständig.
Project-S entwickelt weltraumgestützte Radarnutzlasten und Systeme zur Auswertung orbitaler Daten. Sie sollen kleinere Gefahren besser erfassen, ihre Flugbahnen modellieren und Betreiber bei Entscheidungen zur Kollisionsvermeidung unterstützen. Langfristig umfasst unsere Roadmap auch die Beseitigung von Weltraumschrott. Unser Ziel ist, dass sichere Nutzung des Orbits mit dessen wirtschaftlicher Bedeutung Schritt hält. Orbitale Sicherheit gehört zur Infrastruktur.
Radarsensorik und Datenanalyse aus einer Hand
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Leonidas Askianakis: Unser Ansatz verbindet die Entwicklung weltraumgestützter Radarsensorik mit Flugbahnanalyse und Entscheidungsunterstützung für Satellitenbetreiber. Wir betrachten diese Schritte als zusammenhängende technische Aufgabe. Konkret hat unser Team kompakte Radar-Demonstrationshardware bereits von der Konstruktion über Montage und Tests bis zur Auslieferung geführt. Darauf bauen wir auf. Die Leistungsfähigkeit im Orbit und der Nutzen im Betrieb müssen jeweils durch entsprechende Nachweise belegt werden.
Die Stärke von Project-S liegt für mich darin, physikalische Grundlagen, Hardware und die spätere Anwendung gemeinsam zu denken und diese Verbindung Schritt für Schritt umzusetzen.
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Leonidas Askianakis: Mich beschäftigt, wie der Zugang zum Weltraum langfristig offenbleiben kann. Je mehr unser Alltag und unsere Wirtschaft von Satelliten abhängen, desto wichtiger wird die Frage, wie wir sie schützen.
Daraus entstand die Motivation für Project-S: technische Erkenntnisse in Systeme zu übersetzen, die zu sichereren Entscheidungen im Orbit beitragen können. Mein Hintergrund prägt dabei den Anspruch: Annahmen müssen überprüfbar sein, und am Ende muss sich eine Idee an einem realen System bewähren.
Die Mission bleibt, der Weg darf sich ändern
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Leonidas Askianakis: Ich würde die Frage an den Maßstab knüpfen, nach dem man weitermacht. Bei einer anspruchsvollen technischen Aufgabe muss man bereit sein, den eigenen Ansatz infrage zu stellen. Entscheidend ist, ob das Problem relevant bleibt, ob die Ergebnisse den nächsten Schritt rechtfertigen und ob das Team die Voraussetzungen dafür schaffen kann.
Für mich bedeutet Ausdauer, aus Rückschlägen zu lernen und Entscheidungen an der Evidenz auszurichten. An der Mission festhalten und den Weg dorthin korrigieren können, gehört zusammen.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Leonidas Askianakis: An drei Dingen: belastbaren und reproduzierbaren technischen Ergebnissen, Fortschritten bei der Verbindung von Sensorik und Auswertung sowie konkreten Anwendungen mit Satellitenbetreibern, in denen sich der praktische Nutzen prüfen lässt.
Die angekündigte Finanzierung schafft dafür Handlungsspielraum. Der Maßstab bleibt, wie viel technische Unsicherheit wir reduzieren und welchen Nutzen wir für Betreiber nachweisen können. Ein guter Meilenstein beantwortet eine wichtige offene Frage und macht den nächsten Schritt begründbar.
München als starke Basis für Raumfahrt-Startups
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Leonidas Askianakis: Ja. Mein eigener Weg ist eng mit der TUM verbunden. Für Project-S sind die Nähe zu technischer Forschung, qualifizierten Fachkräften und dem Raumfahrtumfeld der Region wichtige Gründe für München. Programme wie ESA BIC Bavaria sind Teil dieses Umfelds.
Ein Raumfahrtunternehmen braucht Menschen, die wissenschaftliche Tiefe mit praktischer Umsetzung verbinden. München bietet dafür eine starke Basis. Von hier aus lässt sich ein europäisches Unternehmen mit internationalem Anspruch aufbauen.
Munich Startup: Fokus oder Diversifikation?
Leonidas Askianakis: Fokus auf die Mission, klare Prioritäten in der Umsetzung.
Unsere Roadmap reicht von der Erfassung orbitaler Gefahren über die Auswertung bis zu langfristigen Abhilfemaßnahmen. Diese Breite ergibt sich aus dem Problem. Die Umsetzung braucht jedoch eine klare Reihenfolge: Jeder Entwicklungsschritt muss einen konkreten Nutzen haben und die Voraussetzungen für den nächsten schaffen. Die Vision darf groß sein. Der nächste Schritt muss präzise sein.











