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Proxima Fusion plant 140-Millionen-Euro-Fabrik für Supraleiter in Niedersachsen

Proxima Fusion plant 140-Millionen-Euro-Fabrik für Supraleiter in Niedersachsen

Credit: Proxima Fusion

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

Das Münchner Fusion-Startup Proxima Fusion will gemeinsam mit dem Land Niedersachsen Europas erste großindustrielle Produktionsstätte für fusionsgeeignetes Hochtemperatur-Supraleiter-Band (HTS-Band) aufbauen.

17. September 2026

4 Min. Lesezeit

Rund 140 Millionen Euro sind für die ersten beiden Projektphasen bis Ende 2029 vorgesehen – die Fabrik soll eine zentrale Lücke in der europäischen Lieferkette für Fusionskraftwerke schließen. Proxima Fusion versucht damit, eine Schlüsselkomponente seiner Stellarator-Technologie in Europa verfügbar zu machen, die industriell bislang vor allem in Asien produziert wird.

Das Unternehmen und das Land Niedersachsen haben dazu am 9. September 2026 in Hannover ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst unter anderem die Prüfung möglicher Standorte, die Entwicklung einer meilensteinbasierten Förderstruktur, Unterstützung bei Genehmigungsverfahren sowie den Aufbau von Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen und Forschungseinrichtungen.

60.000 Kilometer HTS-Band für Alpha und Stellaris

Welche Dimension die geplante Produktion erreichen muss, zeigen die Bedarfszahlen von Proxima Fusion. Für den geplanten Demonstrator Alpha rechnet das Münchner Startup mit rund 20.000 Kilometern HTS-Band. Für das spätere Fusionskraftwerk Stellaris sollen weitere 40.000 Kilometer benötigt werden.

Damit könnte Proxima selbst zum Ankerkunden der neuen Fabrik werden. Langfristig garantierte Abnahmemengen sollen dabei helfen, die Produktion hochzufahren, Fertigungskompetenz aufzubauen und die Kosten pro Meter HTS-Band zu reduzieren.

HTS steht für „High-Temperature Superconductor“. Das spezielle Band wird bei vergleichsweise hohen Temperaturen supraleitend und kann dann elektrischen Strom nahezu ohne Widerstandsverluste transportieren. Daraus lassen sich besonders leistungsfähige und kompakte Elektromagnete herstellen.

Für Stellaratoren sind solche Magnete eine zentrale Komponente. Ihre Magnetfelder schließen das extrem heiße Plasma ein und kontrollieren es. Leistungsfähigere HTS-Magnete können deshalb dazu beitragen, Fusionsanlagen kompakter zu konstruieren und damit perspektivisch auch die Voraussetzungen für wirtschaftlichere Fusionskraftwerke verbessern.

Niedersachsen will 21 Millionen Euro beisteuern

Die rund 140 Millionen Euro Investitionsvolumen für die ersten beiden Projektphasen sollen jeweils zur Hälfte aus privatem Kapital und öffentlichen Mitteln finanziert werden. Das Land Niedersachsen plant einen Beitrag von 21 Millionen Euro. Damit würde das Bundesland knapp 30 Prozent des vorgesehenen öffentlichen Finanzierungsanteils übernehmen.

Ein konkreter Standort innerhalb Niedersachsens steht bislang nicht fest. Auch die weiteren Finanzierungs- und Fördervereinbarungen müssen noch ausgearbeitet werden. Proxima führt zudem Gespräche mit mehreren internationalen Technologiepartnern, die bestehendes Know-how und Produktionskapazitäten für HTS-Band nach Niedersachsen bringen könnten.

Proxima Fusion will Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten reduzieren

Hinter der Investition steckt auch eine industriepolitische Frage. HTS-Band wird in industriellem Maßstab derzeit vor allem in Asien hergestellt. Proxima selbst hatte 2025 einen Liefervertrag mit dem in Tokio ansässigen Hersteller Faraday Factory Japan geschlossen.

Eine europäische Produktion soll diese Abhängigkeit reduzieren. Für Proxima geht es dabei nicht nur um die Versorgung einzelner Forschungsprojekte, sondern um den Aufbau einer industriellen Lieferkette für Stellaratoren.

Mehr als 50 europäische Unternehmen arbeiten nach Angaben von Proxima bereits innerhalb der sogenannten Alpha Alliance an einer solchen Infrastruktur. Eine eigene HTS-Produktion würde eine bislang fehlende vorgelagerte Fertigungsstufe ergänzen.

„HTS-Band ist eine der Schlüsseltechnologien dafür, um Fusion industriell schnell zu skalieren. Alpha und Stellaris schaffen die Nachfrage, um dieses Produktions-Know-how vor Ort aufzubauen. Niedersachsen bringt die industrielle Basis, Energiekompetenz und politische Entschlossenheit mit, um eine Abhängigkeit in eine dauerhafte, strategische Stärke des Industriestandorts Deutschland und Europa umzuwandeln.”

sagt Francesco Sciortino, Mitgründer und CEO von Proxima Fusion.

Vom Münchner Fusion-Startup zum europäischen Industrieprojekt

Die geplante Fabrik in Niedersachsen ist Teil einer zunehmend länderübergreifenden Industriestrategie von Proxima Fusion. Während Niedersachsen künftig eine wichtige Rolle bei der Produktion von HTS-Band übernehmen könnte, liegen zentrale Entwicklungsprojekte des Startups weiterhin in Bayern.

Proxima plant seinen Demonstrator Alpha im Umfeld des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik bei Garching. Im Februar 2026 hatte das Unternehmen zudem mit dem Freistaat Bayern, RWE und dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik eine Absichtserklärung unterzeichnet, die unter anderem das geplante kommerzielle Stellaris-Kraftwerk am ehemaligen Kernkraftwerksstandort Gundremmingen umfasst.

Mit der HTS-Produktion erweitert sich der Fokus damit von der Entwicklung eines Fusionsreaktors auf dessen industrielle Voraussetzungen. Proxima baut nicht nur an der eigenen Stellarator-Technologie, sondern versucht parallel, die dafür erforderliche europäische Zulieferstruktur aufzubauen.

HTS-Technologie könnte auch Stromnetze und Medizintechnik bedienen

Die wirtschaftliche Perspektive der geplanten Fabrik hängt nicht ausschließlich an der Kernfusion. Hochtemperatur-Supraleiter und daraus gefertigte Hochfeldmagnete können auch in anderen Bereichen eingesetzt werden.

Proxima nennt unter anderem leistungsfähige Stromnetze, medizinische Bildgebung und Behandlung sowie fortschrittliche Antriebssysteme als mögliche Einsatzgebiete. Damit könnte eine europäische HTS-Industrie langfristig einen Markt bedienen, der über die geplanten Stellaratoren des Münchner Startups hinausgeht.

Genau darin liegt auch die industriepolitische Bedeutung des Projekts. Gelingt die Skalierung, würde in Deutschland nicht nur eine neue Zulieferkapazität für die Fusionsbranche entstehen, sondern Fertigungs-Know-how für eine Technologie mit mehreren potenziellen Absatzmärkten.

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