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Qtas: Auf der Suche nach der einen Zelle

Qtas: Auf der Suche nach der einen Zelle

Qtas

Credit: Foto: Christoph Hohmann

Qtas – Credit: Foto: Christoph Hohmann

Saskia Doll

Saskia Doll

Aus der Münchner Quantenforschung in die personalisierte Medizin: Das 2025 von Robin Allert, Karl Briegel und Nick von Grafenstein gegründete Startup Qtas entwickelt eine Technologie, die extrem seltene Tumorzellen in Blutproben sichtbar und analysierbar macht. Im Interview erklärt CEO Robin Allert, wie persönliche Erfahrungen und Quantensensorik den Grundstein für das Unternehmen legten.

24. Juli 2026

5 Min. Lesezeit

Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?

Robin Allert, CEO und Co-Founder von Qtas: Personalisierte Medizin hat ein strukturelles Datenproblem: Je präziser Therapien werden, desto häufiger brauchen Ärztinnen und Ärzte ein aktuelles, hochauflösendes Bild der Erkrankung eines einzelnen Menschen. Gewebeproben liefern meist nur Momentaufnahmen und lassen sich nicht beliebig oft entnehmen. Liquid Biopsies aus Blut oder anderen Körperflüssigkeiten könnten dagegen minimalinvasiv und regelmäßig durchgeführt werden – doch die biologisch wertvollsten Signale, etwa einzelne zirkulierende Tumorzellen, sind darin extrem selten und bleiben häufig unsichtbar.

Qtas macht genau diese seltenen Zellen auffindbar und anschließend molekular analysierbar. So kann aus einer Blutprobe nicht nur ein einzelner Messwert, sondern ein tiefes, wiederholbares Bild der Erkrankung entstehen – als Grundlage für präzisere Therapieentscheidungen, engmaschiges Therapiemonitoring, die Erkennung minimaler Resterkrankung und bessere klinische Studien.

Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?

Robin Allert: Unser entscheidendes Alleinstellungsmerkmal ist die Verbindung aus ultrasensitiver Detektion und dem physischen Zugriff auf genau die detektierte Zelle. Vereinfacht gesagt verkleinern wir das relevante Messvolumen der Magnetresonanz um etwa den Faktor eine Million und bringen das Messprinzip damit auf die Ebene einzelner Zellen.

Entscheidend ist, dass die gefundene Zelle danach für Einzelzellsequenzierung, Proteomik oder Transkriptomik verfügbar bleibt. Wir ersetzen diese leistungsfähigen Analyseverfahren nicht, wir lösen den Engpass davor: Wie findet man unter Millionen Zellen genau die eine relevante und bringt sie intakt in die Analyse? Je besser die molekularen Analysemethoden werden, desto wertvoller wird der Zugang zur richtigen Zelle. Deshalb ist Qtas potenziell nicht nur ein einzelner Test, sondern die Zugangstechnologie für eine neue Generation personalisierter Diagnostik.

Die Mission: Personalisierte Medizin soll klinische Realität werden

Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?

Robin Allert: Der wissenschaftliche Auslöser kam von Karl und Nick: Sie hatten einen Weg entwickelt, Quantensensorik auf die Erkennung extrem seltener Zellpopulationen in der Medizin zu übertragen. Als sie mir die Idee zeigten, war für mich sofort klar, dass daraus mehr als ein Forschungsprojekt werden muss.

Für mich ist die Motivation zugleich sehr persönlich. Meine Mutter ist an Krebs gestorben. Ich habe erlebt, wie entscheidend es ist, zur richtigen Zeit die richtigen Informationen über eine Erkrankung zu haben. Bei Qtas treffen deshalb zwei Dinge zusammen: eine Technologie mit Plattformpotenzial und die sehr konkrete Mission, personalisierte Medizin schneller zur klinischen Realität zu machen.

Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?

Robin Allert: Aufgeben? Nein. An einzelnen Wegen zweifeln und sie ändern? Natürlich. Wer Deeptech in die Klinik bringt, muss damit rechnen, dass Experimente scheitern, Annahmen nicht tragen und der klinische sowie regulatorische Weg anspruchsvoll ist.

Entscheidend ist, zwischen Ziel und Route zu unterscheiden: Das Ziel bleibt, die Route wird auf Basis von Daten angepasst. Genau deshalb ist einer unserer Firmenwerte „speed with rigor“ – schnell lernen und handeln, ohne bei wissenschaftlicher Qualität oder Patientensicherheit Abkürzungen zu nehmen.

Von der überzeugenden Technologie zum relevanten Workflow

Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?

Robin Allert: Der klare Beweis wären reproduzierbare Daten aus echten Patientenproben. Wir starten gerade mit den ersten Proben und wollen in den nächsten zwölf Monaten Proben von 30 bis 40 Patientinnen und Patienten in mehreren onkologischen Indikationen untersuchen, darunter metastasierter Brustkrebs und Leberkrebs. Dafür haben wir bereits ein Team aus 15 Vollzeitmitarbeitenden aufgebaut.

Auf dem richtigen Weg sind wir, wenn wir die seltenen Zielzellen zuverlässig finden, isolieren und daraus verwertbare molekulare Daten gewinnen. Dann wäre Qtas nicht mehr nur eine überzeugende Technologie, sondern ein klinisch relevanter Workflow. Ab diesem Punkt verschiebt sich die Frage von „Funktioniert der Ansatz?“ zu „In welcher Indikation skalieren wir zuerst?“

Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?

Robin Allert: Ja, definitiv. Qtas ist in vieler Hinsicht ein Münchner Unternehmen: Unsere Technologie kommt aus der Quantenforschung, ihre Anwendung liegt in der Medizin, und der Weg zur Skalierung führt über Medtech und Industrie. Nur wenige Standorte bringen diese Welten so eng zusammen.

Unsere Aufgabe ist nicht nur, einen Quantensensor zu bauen. Wir müssen ihn in einen robusten klinischen Workflow übersetzen. Dafür braucht es kurze Lernschleifen zwischen Physik, Chemie, Engineering, Biologie, Medizin und Regulierung. Genau diese Dichte verkürzt in München den Weg vom Labor zur Anwendung – und ist für ein Unternehmen wie Qtas ein echter Geschwindigkeitsvorteil. Deshalb würden wir hier wieder gründen.

„Speed with rigor“

Munich Startup: Perfektion oder Geschwindigkeit?

Robin Allert: Beides. Einer unserer Firmenwerte lautet „speed with rigor“. In der Medizin ist Geschwindigkeit ohne Sorgfalt gefährlich; Sorgfalt ohne Geschwindigkeit erreicht die Patientinnen und Patienten zu spät.

Für uns bedeutet das: ambitionierte Zeitpläne, frühe Tests an realen Proben und schnelle Entscheidungen – aber jede Entscheidung auf Basis belastbarer Daten und ohne Kompromisse bei Qualität und Patientensicherheit. Wir wollen nicht langsam perfekt werden. Wir wollen schnell belastbare Evidenz schaffen.

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