Das Münchner Unternehmen Qwello hat sich auf den Aufbau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur für Elektroautos spezialisiert. Das Unternehmen installiert und betreibt vor allem AC-Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum und möchte damit das Laden von Elektrofahrzeugen im Alltag einfacher und zugänglicher machen. Nun hat sich der Ladeinfrastruktur-Anbieter eine Wachstumsfinanzierung von bis zu 55 Millionen Euro gesichert. Mit dem Kapital will das Unternehmen sein Netz von derzeit mehr als 19.500 öffentlichen Ladepunkten in acht europäischen Ländern ausbauen und gezielt weitere Ladeinfrastruktur-Betreiber übernehmen.
Qwello setzt bei seiner europäischen Expansion auf ein Modell, bei dem das Unternehmen öffentliche Ladeinfrastruktur privat finanziert und in enger Zusammenarbeit mit Kommunen betreibt. Der Schwerpunkt liegt auf dicht besiedelten Stadt- und Wohngebieten, in denen ElektroautofahrerInnen häufig keine eigene Lademöglichkeit haben. Mit mehr als 800 Partnerkommunen gehört Qwello nach eigenen Angaben zu den europaweit aktiven Anbietern öffentlicher Ladeinfrastruktur.
ABN AMRO investiert bis zu 25 Millionen Euro in Qwello
Der ABN AMRO Sustainable Impact Fund beteiligt sich mit bis zu 25 Millionen Euro an der Finanzierungsrunde. Weitere Mittel, deren genaue Höhe nicht genannt wird, kommen von Tiger Infrastructure Partners und anderen bestehenden Gesellschaftern. Tiger Infrastructure begleitet die Entwicklung von Qwello bereits seit 2021, während die Geschäftsbeziehung zur ABN AMRO Bank seit 2024 besteht.
Das zusätzliche Eigenkapital soll sowohl den organischen Ausbau des Ladenetzes als auch strategische Übernahmen ermöglichen. Qwello ist derzeit in Deutschland, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Polen, Schweden, Spanien und Großbritannien aktiv.
Das Unternehmen gibt an, seine Ladeinfrastruktur ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien zu betreiben. Nach eigenen Berechnungen wurden dadurch und durch die Nutzung der Ladeinfrastruktur im vergangenen Jahr mehr als 28.000 Tonnen CO₂ vermieden. Die Berechnungsgrundlage für diesen Wert wird in der Mitteilung nicht näher erläutert.
Übernahmen in den Niederlanden, Polen und Schweden
Neben dem Aufbau neuer Ladepunkte verfolgt Qwello eine selektive Übernahmestrategie. Ein aktuelles Beispiel ist der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am niederländischen Unternehmen Groen-Eco. Durch die strategische Partnerschaft erweitert Qwello seine Aktivitäten im Bereich B2B- und Destination-Charging um mehr als 1.400 Ladepunkte an 230 Standorten in den Niederlanden.
Bereits 2024 hatte Qwello den niederländischen Ladeinfrastruktur-Betreiber Park & Charge integriert. Anschließend erhielt das Unternehmen im Rahmen einer Ausschreibung der Provinz Nordholland den Zuschlag für die Installation von bis zu 1.000 Ladepunkten in kommunalen Parkhäusern. Seit 2026 ist das Geschäft vollständig als Qwello Netherlands in die Unternehmensgruppe eingebunden.
Darüber hinaus hat Qwello Ladeinfrastruktur-Assets in Polen und Schweden übernommen und damit seine Präsenz in beiden Märkten erweitert.
Qwello will öffentliches Laden in europäischen Städten ausbauen
Mit dem zusätzlichen Wachstumskapital will Qwello seine Expansion beschleunigen und weitere Übernahmemöglichkeiten nutzen. CEO Henrik Thiele betont dabei die Bedeutung der bisherigen Zusammenarbeit mit den Finanzierungspartnern:
„Seit Beginn unserer Zusammenarbeit mit Tiger Infrastructure im Jahr 2021 und der ABN AMRO Bank im Jahr 2024 haben wir unser Ladenetz ausgebaut, eine hohe Auslastung unserer Ladeinfrastruktur erzielt und übernommene Unternehmen erfolgreich integriert. Bei Übernahmen sind wir stets selektiv vorgegangen, mit dem klaren Ziel, jede Integration langfristig operativ und wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten.“
Mit dem zusätzlichen Kapital sieht Thiele das Unternehmen besser aufgestellt, um weitere Akquisitionen umzusetzen und den Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur in europäischen Städten voranzutreiben.












