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Sanovio: KI für den Krankenhauseinkauf

Sanovio: KI für den Krankenhauseinkauf

Sanovio

Credit: Foto: SANOVIO GmbH

Sanovio – Credit: Foto: SANOVIO GmbH

Saskia Doll

Saskia Doll

Der Einkauf von Medizinprodukten ist in vielen Krankenhäusern noch von Excel-Listen, fragmentierten Daten und komplexen Lieferketten geprägt. Das 2024 gegründete Startup Sanovio will mit einer KI-gestützten Beschaffungsplattform den gesamten Einkaufsprozess automatisieren – von der Datenharmonisierung bis zur Lieferung. Co-Founder und CEO Noel Nosswitz erklärt, warum Bootstrapping für Sanovio ein entscheidender Erfolgsfaktor war und weshalb jetzt die Skalierung im Fokus steht.

10. Juli 2026

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Welchen messbaren Unterschied macht eure Lösung heute schon?

Noel Nosswitz, Co-Founder & CEO: Konkret ermöglichen wir unseren Kliniken auf der einen Seite durchschnittlich 50 Prozent Einsparung durch Datenharmonisierung und Preisoptimierung, bei 100-prozentiger Lieferzuverlässigkeit. Für uns persönlich zeigt sich der größte messbare Unterschied in der Reaktion unserer Kunden. „Das beste Tool, das ich seit Langem gesehen habe. Die IT-Abteilung hatte Tränen in den Augen“, meinte neulich ein Einkäufer eines Unispitals zu mir. Denn unser Tool verschafft den Teams die Erleichterung, wieder strategisch arbeiten zu können, weg von veralteten Excel-Listen und ERP-Systemen, hin zu effizientem agentenbasiertem Arbeiten in natürlicher Sprache. Und auf der anderen Seite verkaufen Hersteller digital direkt an gebündelte Nachfrage, verbessern ihre Margen und erhalten Anwendereinblicke für innovative Produktweiterentwicklung.

Munich Startup: Warum seid ihr schneller, besser oder mutiger als etablierte Anbieter?

Noel Nosswitz: Wir denken den Krankenhauseinkauf komplett neu, KI-nativ, gemeinschaftlich und vollständig vertikal integriert. Wir fangen beim Kern an, der Datenqualität im Krankenhaus. Auf einer bereinigten Basis bündeln Kliniken ihre Bedarfe über unsere Plattform als virtuelle Einkaufsgemeinschaft und erhalten direkten Zugang zum Bestpreisanbieter weltweit. Doch hier hören wir nicht auf. Über unser angeschlossenes Lieferkettenunternehmen wickeln wir die komplette Beschaffung transparent ab, von der Werkbank des Herstellers bis ins Schrankfach im Krankenhaus. Etablierte Anbieter zeigen Einsparungen in der Theorie. Wir setzen sie um, weil unsere Lösung digitale und physische Infrastruktur vereint.

Kapitalknappheit als Filter für Produktentscheidungen

Munich Startup: Welche Entscheidung war bisher die wichtigste?

Noel Nosswitz: Die Entscheidung, aus eigener Kraft „bootstrapped“ zu wachsen. Kapitalknappheit wirkt dabei wie ein Filter für Produktentscheidungen. Unsere Kunden sind unsere einzigen Investoren. Das erzwingt ein Produkt, das vom ersten Tag an im Markt bestehen muss, statt diesen Product-Market-Fit-Beweis aufzuschieben und mit externem Kapital zu kaschieren. Im Gesundheitsmarkt kommt Geschwindigkeit über Netzwerk, Vertrauen und Zuverlässigkeit und über ein Produkt, das bestmöglich auf den Anwender zugeschnitten ist. Wir haben diesen Ansatz gewählt und arbeiten mit führenden Kliniken in der Schweiz und in Deutschland als Entwicklungspartner an unserer Lösung. So wissen wir, dass wir jetzt bestmöglich skalieren können.

Munich Startup: Welche Phase hat euch am meisten Wachstumsschmerzen bereitet?

Noel Nosswitz: Die aktuelle Phase bereitet uns die größten Wachstumsschmerzen, und genau das ist ein gutes Zeichen. Das Fundament der Rakete steht, an der einen oder anderen Stelle muss noch poliert und geschraubt werden. Jetzt braucht es das Team, um diese Mission zu begleiten und mit uns durchzustarten. Wer Lust darauf hat, den Krankenhauseinkauf strukturell zu verändern, sollte sich jetzt bei uns melden.

„Jetzt geht es um Umsetzung und Geschwindigkeit“

Munich Startup: Wo wollt ihr in fünf Jahren stehen und was muss bis dahin zwingend passieren?

Noel Nosswitz: Wir wollen die führende Einkaufsplattform für Krankenhäuser in Europa werden. Dazu müssen drei Dinge passieren. Wir müssen unsere Plattform aus der bewährten Pilotphase konsequent in die Breite skalieren, unser Netzwerk aus Kliniken und Herstellern ausbauen und ein Team aufbauen, das diese Mission mit derselben Überzeugung trägt wie wir Gründer. Der Bedarf ist da, die Technologie ist da. Jetzt geht es um Umsetzung und Geschwindigkeit.

Munich Startup: Was funktioniert im Münchner Startup-Ökosystem besonders gut und wo wünscht ihr euch mehr Unterstützung?

Noel Nosswitz: München bietet ein starkes Fundament mit exzellenten Hochschulen, Zugang zu Talenten und einer hohen Dichte an etablierten Akteuren im Gesundheits- und Technologieumfeld. Darüber hinaus wünschen wir uns mehr bundeslandübergreifenden Austausch mit Startup-Ökosystemen und an der Schnittstelle zwischen jungen Unternehmen und Klinikträgern.

Munich Startup: Internationalisieren oder erst Marktführerschaft DACH?

Noel Nosswitz: Beides, in der richtigen Reihenfolge. Wir setzen auf lokale DACH-Marktführerschaft und strecken zugleich konstant die Fühler in andere Märkte aus, um Potenziale zu testen. Der Krankenhauseinkauf steht in vielen Ländern vor denselben Herausforderungen und unsere Lösung ist von Anfang an so gebaut, dass sie skaliert und die stärksten Effekte vernetzt generiert.

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