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Münchner Fintech Scalable Capital expandiert nach Österreich

Münchner Fintech Scalable Capital expandiert nach Österreich

Credit: KI-generiert

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

Scalable Capital hat eine eigene Bankniederlassung in Wien eröffnet und bietet österreichischen KundInnen damit erstmals eine lokale IBAN sowie die automatische Abführung der Kapitalertragsteuer. Mit wettbewerbsfähigen Zinsen will das Unternehmen seine Position im österreichischen Markt ausbauen.

13. Oktober 2026

4 Min. Lesezeit

Für Scalable Capital ist die Eröffnung der Wiener Bankniederlassung ein weiterer Schritt beim Ausbau des europäischen Bankgeschäfts. Das 2014 in München von Erik Podzuweit und dem Österreicher Florian Prucker gegründete Unternehmen ist bereits seit mehr als zehn Jahren in Österreich aktiv. Mit der eigenen Niederlassung beseitigt der Neobroker nun insbesondere eine Hürde für österreichische AnlegerInnen: die bislang erforderliche eigenständige steuerliche Behandlung bestimmter Kapitalerträge.

Als sogenannter „steuereinfacher“ Anbieter berechnet Scalable Capital die österreichische Kapitalertragsteuer (KESt) künftig automatisch, behält sie ein und führt sie direkt an das zuständige Finanzamt ab. Auch die automatische Verlustverrechnung ist Bestandteil des Angebots.

NeukundInnen erhalten bei der Kontoeröffnung ab sofort eine österreichische IBAN. BestandskundInnen sollen in Kürze die Möglichkeit bekommen, zur österreichischen Bankniederlassung zu wechseln. Ein lokales Team in Wien sowie eine österreichische Telefonnummer für den Kundenservice ergänzen den Marktausbau.

Scalable Capital bietet bis zu 3,25 Prozent Festgeldzinsen

Mit der neuen Bankniederlassung erweitert Scalable Capital auch sein Zinsangebot für österreichische KundInnen. Auf täglich verfügbare Guthaben zahlt das Unternehmen einen variablen Zinssatz von 2,60 Prozent pro Jahr. Die Verzinsung gilt laut Unternehmensangaben für Neu- und BestandskundInnen ohne Obergrenze für das Guthaben. Die Zinsen werden monatlich gutgeschrieben.

Nach Angaben des Unternehmens unter Berufung auf Daten der Oesterreichischen Nationalbank liegen mehr als 300 Milliarden Euro privates Finanzvermögen in Österreich auf Bankeinlagen, die vielfach nur niedrig verzinst werden. Das Angebot von Scalable Capital dürfte für die österreichischen KundInnen also mehr als attraktiv sein.

Neben den Zinsprodukten umfasst das Investmentangebot mehr als 9.400 Aktien, 3.400 ETFs, Kryptowährungen über börsengehandelte Produkte (ETPs), rund 1,8 Millionen Derivate sowie Anleihen, Private-Equity-Anlagen über ELTIFs und eine digitale Vermögensverwaltung. Sparpläne sind bereits ab einem Euro möglich.

Österreichische IBAN und automatische KESt-Abführung als Wettbewerbsvorteil

Die steuerliche Integration ist ein zentraler Bestandteil der österreichischen Expansion. Während Anleger bei ausländischen Brokern ihre steuerlichen Verpflichtungen unter Umständen selbst erfüllen müssen, übernimmt Scalable Capital nun die Berechnung und Abführung der Kapitalertragsteuer sowie den automatischen Verlustausgleich.

Damit konkurriert das Münchner Fintech verstärkt mit etablierten österreichischen Banken und anderen steuereinfachen Wertpapierdienstleistern.

Darüber hinaus bewirbt Scalable Capital eine gesetzliche Einlagensicherung von bis zu fünfmal 100.000 Euro durch die Verteilung von Guthaben auf bis zu fünf Banken. Die konkrete Absicherung hängt von der jeweiligen Verwahrstruktur und den geltenden gesetzlichen Voraussetzungen ab.

ETF-Boom in Österreich treibt Nachfrage nach digitalen Brokern

Die Expansion erfolgt vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach börsengehandelten Indexfonds. Laut einer von Scalable Capital angeführten europäischen ETF-Studie von BlackRock liegt Österreich beim Anteil der ETF-AnlegerInnen europaweit auf dem zweiten Platz. Seit 2022 habe sich die Zahl der ETF-InvestorInnen im Land verdoppelt.

Florian Müllner, Leiter der österreichischen Bankniederlassung von Scalable Capital:

„Wir beobachten in Österreich eine massive und stetig wachsende Nachfrage nach diversifizierten, langfristigen Vermögensaufbau-Lösungen. Mit der Eröffnung unserer Bankfiliale und der Einführung der automatisierten Quellensteuer positionieren wir uns an der Spitze dieses Wandels.“

Für das Münchner Startup-Ökosystem unterstreicht der Schritt die zunehmende Internationalisierung etablierter Fintechs. Scalable Capital erweitert damit nicht nur den Vertrieb seiner Investmentprodukte, sondern baut zugleich seine lokale Bankeninfrastruktur aus.

KI-Investing und Zukunftsdepot: Scalable Capital plant weitere Angebote

Parallel zur österreichischen Expansion entwickelt Scalable Capital seine Investmentplattform weiter. Ende August 2026 öffnete das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Plattform für die Anbindung an KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und Grok.

Über die Funktion „Agentic Investing“ können KundInnen entsprechende Verbindungen in ihren Kontoeinstellungen aktivieren. Zusätzlich bietet die Funktion „Insights“ die Möglichkeit, innerhalb des Brokers Fragen zu Märkten, Nachrichten, Anlagestrategien und zur Plattform zu stellen.

Auch beim Börsenhandel setzt das Unternehmen auf eine eigene Infrastruktur. Gemeinsam mit der Börse Hannover betreibt Scalable Capital die European Investor Exchange. Bereits jetzt sind dort sämtliche Aktien des österreichischen Leitindex ATX handelbar.

Ein weiteres potenzielles Geschäftsfeld ist das geplante österreichische Zukunftsdepot für Kinder. Scalable Capital begrüßt die Initiative der österreichischen Bundesregierung und kündigt an, ein entsprechendes Produkt anbieten zu wollen, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen sind. Ein konkreter Einführungstermin steht noch nicht fest.

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