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Stocard-Gründer sichert sich 12 Millionen Euro für KI-Steuerkanzlei Skalar

Stocard-Gründer sichert sich 12 Millionen Euro für KI-Steuerkanzlei Skalar

Credit: Foto: Skalar

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

Mit einer Pre-Seed- und Seed-Finanzierung über insgesamt 12 Millionen Euro will das Münchner Startup Skalar die Steuerbranche mit einer AI-first-Kanzlei und einem eigens entwickelten Technologie-Stack grundlegend neu aufstellen.

21. Juli 2026

3 Min. Lesezeit

Skalar möchte die Steuerbranche neu definieren. Hierfür hat das Münchner Startup nun eine Pre-Seed- und Seed-Finanzierung über insgesamt 12 Millionen Euro eingesammelt. Die Finanzierungsrunde zählt zu den größten Frühphasenfinanzierungen im deutschen Legal- und Taxtech-Sektor und unterstreicht das Interesse von InvestorInnen an KI-gestützten Geschäftsmodellen für den Mittelstand.

12 Millionen Euro von Headline und internationalen InvestorInnen

Die Finanzierungsrunde wird von Headline angeführt. Darüber hinaus beteiligen sich futurepresent, QED Investors, Repeat, MS&AD und Foreword sowie mehrere Angel-InvestorInnen.

Das Kapital soll insbesondere in den weiteren Ausbau der KI-Plattform fließen. Ziel ist es, zusätzliche Workflows zu automatisieren und die hohe Nachfrage nach den Dienstleistungen des Unternehmens zu bedienen.

Fachkräftemangel macht Steuerbranche zum KI-Anwendungsfall

Skalar adressiert einen Markt, der zunehmend unter strukturellen Problemen leidet. Sowohl in Deutschland als auch international verschärft der Fachkräftemangel die Situation in Steuerkanzleien.

Nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer ist nahezu die Hälfte aller SteuerberaterInnen in Deutschland 56 Jahre oder älter, mehr als 30 Prozent sind bereits über 61 Jahre alt. Gleichzeitig berichtet das ifo Institut, dass 72,7 Prozent der Kanzleien Schwierigkeiten haben, qualifizierte Fachkräfte zu finden.

Auch international zeigt sich ein ähnliches Bild. In den USA haben laut dem US Bureau of Labor Statistics innerhalb von drei Jahren mehr als 300.000 BuchhalterInnen und WirtschaftsprüferInnen ihren Beruf verlassen.

Aus Sicht von Skalar reicht es deshalb nicht aus, bestehende Software mit KI-Funktionen zu ergänzen. Vielmehr müssten Prozesse und Infrastruktur vollständig neu aufgebaut werden.

AI-first-Kanzlei statt klassische Steuersoftware

„Viele Branchen hoffen, dass KI ihre strukturellen Probleme löst. Die Realität ist das Gegenteil: Umwälzungen durch KI werden das Aus für viele etablierte Akteure beschleunigen und neue Unternehmen hervorbringen, die die Branche neu definieren“,

sagt Björn Goß und ergänzt:

„Ich habe Kanzleien von innen gesehen. Die einzige Lösung ist, die Branche von Grund auf neu zu bauen.“

CEO Björn Goß sammelte nach dem Verkauf von Stocard an Klarna praktische Erfahrungen in Steuerkanzleien und erkannte dabei nach eigenen Angaben erhebliche Effizienzpotenziale.

Das Unternehmen entwickelt dafür einen eigenen Technologie-Stack, bei dem KI-Agenten repetitive Tätigkeiten übernehmen und gemeinsam mit SteuerexpertInnen arbeiten. KundInnen verbinden ihre bestehenden Systeme mit der Plattform und sollen dadurch nicht nur klassische Steuer- und Buchhaltungsprozesse automatisieren, sondern künftig auch auf Basis von Echtzeitdaten beraten werden.

Erste Kennzahlen zeigen hohe Nachfrage

Nach Angaben des Unternehmens laufen bereits wenige Wochen nach dem Marktstart erste Prozessschritte vollständig automatisiert.

Dabei sollen einzelne SteuerexperteInnen inzwischen mehr als 100 KundInnen betreuen können – gegenüber bislang rund 20 MandantInnen in klassischen Abläufen. Zudem verzeichnete Skalar innerhalb der ersten drei Monate nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Kundenanfragen.

„Die meisten Teams in diesem Markt legen KI über bestehende Software. Die Demos sehen gut aus, aber man läuft noch immer auf demselben brüchigen Fundament. Die Branche ist so kaputt, dass der einzige echte Fix darin besteht, die Kanzlei selbst um KI herum neu aufzubauen,“

so der General Partner bei Headline Jonathan Becker.

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