Munich Startup: Für welches Problem bietet ihr eine Lösung?
Thomas Mühlberger, CEO & Founder: SkyLanx entwickelt eine modulare Plattform zur Abwehr moderner Drohnenbedrohungen. Es geht dabei vor allem um FPV-Drohnen (Anm. d. Red.: First-Person-View-Drohnen steuern PilotInnen mithilfe einer speziellen Videobrille), autonome UAVs und perspektivisch auch Schwarmangriffe. Diese Bedrohungen entwickeln sich deutlich schneller als viele bestehende Abwehrsysteme.
Unsere Plattform kombiniert mehrere Ebenen: Detektion, Tracking, KI-basierte Bewegungsprognose, autonome Interceptor-Drohnen und als letzte Eskalationsstufe laserbasierte Neutralisierung. Wichtig ist: Wir denken Counter-UAS nicht als einzelnes Gerät, sondern als integrierte, skalierbare Architektur aus Sensorik, Software, Entscheidungslogik und Effektoren.
Unser Ziel ist nicht, das größte oder schwerste Lasersystem zu bauen. Wir optimieren auf mobile, modulare und wirtschaftlich einsetzbare Schutzsysteme für kritische Infrastruktur, Behörden, Flughäfen und ausgewählte Verteidigungsanwendungen.
Schnelligkeit durch OEM-fähige Plattform
Munich Startup: Was könnt nur ihr Stand heute?
Thomas Mühlberger: Es gibt viele Ansätze, aber bisher fehlt aus unserer Sicht eine praktische Mitte zwischen einfachen RF-Lösungen und großen militärischen Hochenergie-Lasersystemen. RF-Jamming stößt bei autonomen, vorprogrammierten oder kabelgebundenen Drohnen zunehmend an Grenzen. Große militärische Lasersysteme wiederum sind leistungsstark, aber häufig teuer, komplex, schwer zu beschaffen und für viele zivile oder semi-militärische Anwendungen nicht skalierbar.
SkyLanx positioniert sich bewusst dazwischen. Wir setzen auf eine modulare, OEM-fähige Plattform mit mittleren Laserleistungsklassen, KI-gestützter Zielverfolgung und einem mehrschichtigen Reaktionsmodell. Dadurch können wir schneller testen, schneller integrieren und früher in Pilotanwendungen kommen.
Dahinter steht unsere „Validate–Differentiate–Own“-Strategie. Wir integrieren zunächst die weltweit besten verfügbaren Technologien, um Ideen innerhalb kürzester Zeit in validierbare Prototypen zu überführen. Erst wenn technische Machbarkeit und Marktpotenzial nachgewiesen sind, investieren wir gezielt in Eigenentwicklungen. Und zwar ausschließlich dort, wo sie einen nachhaltigen technologischen oder wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil schaffen.
Das ist ein wichtiger Punkt. Wir wollen keine Ressourcen darauf verwenden, alles selbst zu bauen, nur weil es technisch möglich wäre. Wir entwickeln dort selbst, wo es strategisch zählt: bei der Systemarchitektur, der Integration, der KI-gestützten Entscheidungslogik und bei den technologischen Elementen, die uns wirklich differenzieren.
Munich Startup: Was war der Auslöser für die Gründung?
Thomas Mühlberger: Der konkrete Auslöser war die deutlich verschärfte Drohnenbedrohung in Deutschland im Jahr 2025. Nach Angaben des BKA wurden bis Mitte Dezember mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge registriert. Besonders betroffen waren militärische Einrichtungen, Flughäfen und weitere kritische Infrastrukturen. Für uns war damit klar, dass bestehende Schutzkonzepte mit der Geschwindigkeit und technologischen Entwicklung moderner Drohnen nicht ausreichend Schritt halten. SkyLanx ist aus dem Anspruch entstanden, genau diese Lücke zu schließen und kritische Infrastruktur mit einer modularen, skalierbaren und wirtschaftlich einsetzbaren Counter-UAS-Plattform wirksam zu schützen.
„Der Markt bewegt sich sehr schnell“
Munich Startup: Gab es einen Moment, in dem ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Thomas Mühlberger: Die größte Herausforderung aktuell liegt in der Übersetzung von Deeptech in ein beschaffbares Produkt. Ein funktionaler Prototyp ist wichtig, aber im Sicherheits- und Verteidigungsumfeld reicht das nicht. Man braucht Nachweisbarkeit, Compliance, Dokumentation, belastbare Lieferketten und eine klare Roadmap zur Produktreife, das ist für ein Startup unserer Größe schwierig und komplex
Dazu kommt: Der Markt bewegt sich sehr schnell. Die Bedrohungslage verändert sich fast monatlich. Gleichzeitig sind Beschaffungsprozesse in Europa oft langsam. Diese Lücke zu schließen, ist anspruchsvoll. Wir müssen technisch schnell bleiben, aber gleichzeitig so bauen, dass Behörden, KRITIS-Betreiber und Verteidigungspartner Vertrauen in die Lösung haben.
Genau deshalb ist unsere Strategie so wichtig. Erst validieren, dann differenzieren, dann gezielt besitzen. So bleiben wir schnell, ohne langfristige technologische Kontrolle aus der Hand zu geben.
Munich Startup: Woran würdet ihr in einem Jahr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid?
Thomas Mühlberger: In fünf Jahren soll SkyLanx als europäische Counter-UAS-Plattform etabliert sein, mit einsatzfähigen Systemen für kritische Infrastruktur, Behörden, Flughäfen und ausgewählte Verteidigungsanwendungen.
Unser nächster konkreter Entwicklungsschritt ist, im Herbst 2026 fliegende Drohnen in einer Entfernung von bis zu 300 Metern mit unserem System neutralisieren zu können. Abhängig vom erfolgreichen Abschluss der laufenden Finanzierungsrunde wollen wir die Reichweite bis Ende 2026 auf bis zu einen Kilometer steigern und unter realitätsnahen Bedingungen demonstrieren. Das wäre für uns der proof of concept.
Dafür müssen drei Dinge passieren. Erstens müssen wir unsere Technologie von TRL 6 in Richtung Feldtests, Produktisierung und Pilotdeployments bringen. Zweitens brauchen wir Referenzinstallationen mit glaubwürdigen Partnern. Drittens müssen wir eine souveräne, ITAR-freie europäische Systemarchitektur aufbauen.
Technologische Souveränität ist in diesem Markt kein Marketingbegriff, sondern eine operative Notwendigkeit. Europa muss in der Lage sein, kritische Sicherheitsinfrastruktur mit eigenen Technologien zu schützen. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten.
Mehr Brückenbau zwischen Startups, öffentlicher Hand & Verteidigungsakteuren
Munich Startup: Würdet ihr wieder in München gründen und warum?
Thomas Mühlberger: München ist für Deeptech, Defencetech und industrielle Partnerschaften ein sehr starker Standort. Es gibt Kapitalmarktexpertise, technische Talente, Nähe zu Industrie und eine wachsende Offenheit für sicherheitsrelevante Innovationen. Gerade für Gründer, die nicht nur Software bauen, sondern Hardware, Regulierung und Beschaffung zusammendenken müssen, ist das Umfeld wertvoll.
Was wir uns wünschen, ist noch mehr Brückenbau zwischen Startups, öffentlicher Hand, Industrie und Verteidigungsakteuren. In unserem Bereich reichen klassische Startup-KPIs nicht aus. Es geht um Demonstratoren, Zertifizierungen, Beschaffungspfade und Pilotkunden. Dafür braucht es Formate, die schneller von Gespräch zu realem Testfeld führen.
Munich Startup: Internationalisieren oder erst Marktführerschaft DACH?
Thomas Mühlberger: Für uns ist es kein Entweder-oder. Wir verfolgen eine Dual-Market-Strategie. Kurzfristig sind internationale und kommerzielle Märkte wichtig, weil sie schnellere Validierung, reale Tests und frühe Umsätze ermöglichen können. Parallel bauen wir die europäische, souveräne Variante für langfristige EU- und NATO-Anwendungen auf.
Der DACH-Raum und Europa bleiben strategisch zentral, vor allem bei kritischer Infrastruktur und Verteidigung. Gleichzeitig ist die Drohnenbedrohung global. Wer in diesem Markt relevant sein will, muss international denken, aber europäisch belastbar liefern.
Unser Anspruch ist deshalb: schnelle Validierung über globale Anwendungsfälle, klare Differenzierung über Technologie und langfristige Wertschöpfung durch eine europäische Plattformarchitektur.












