Während Forschung und Produktion in der Schwerelosigkeit lange Zeit nahezu ausschließlich staatlichen Raumfahrtagenturen und der Internationalen Raumstation ISS vorbehalten waren, entwickelt sich das Feld zunehmend zu einem kommerziellen Markt. Bislang dominieren vor allem amerikanische Unternehmen die Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger Anwendungen im Orbit. Das soll sich jetzt mit der Initiative von Sprind ändern. Neben der Förderung organisiert und finanziert Sprind auch den Zugang zur kommerziellen Raumstation VAST Haven-1 und senkt damit eine der größten Markteintrittsbarrieren für In-Space-Manufacturing.
Europa soll bei Biotech-Produktion im All den Anschluss nicht verlieren
Mit dem geplanten Ende der ISS im Jahr 2030 und einer neuen Generation kommerzieller Raumstationen, die überwiegend von amerikanischen Anbietern betrieben werden, stellt sich für Europa die Frage nach der eigenen technologischen und industriellen Rolle im entstehenden Markt für In-Space-Manufacturing.
Genau hier setzt die Orbital BioWorks Challenge an. Sprind will europäische Forschungsteams, Startups, Unternehmen und Hochschulen dabei unterstützen, Anwendungen zu entwickeln, die die besonderen Bedingungen der Schwerelosigkeit wirtschaftlich nutzbar machen.
„Wenn wir die Schwerkraft aus der Gleichung nehmen, lassen sich in Biotech und Pharma Durchbrüche erzielen, die auf der Erde schlicht unmöglich sind. Bei Sprind wollen wir einen neuen europäischen Weg in den Orbit eröffnen, um genau das zu beweisen“,
sagt Jano Costard, Head of Challenges bei Sprind.
Warum Schwerelosigkeit neue Biotech-Anwendungen ermöglicht
Die Schwerelosigkeit verändert biologische und physikalische Prozesse grundlegend. Strömungsdynamik, Zellwachstum und Kristallisationsprozesse laufen unter anderen Bedingungen ab als auf der Erde.
Die veränderten Bedingungen in der Schwerelosigkeit eröffnen eine Reihe von Anwendungen, die auf der Erde nur begrenzt realisierbar sind. So können etwa besonders reine Proteinkristalle für die Medikamentenentwicklung entstehen, während Stammzellen ohne störende mechanische Einflüsse kultiviert werden können. Auch für die Wirkstoffforschung ergeben sich neue Möglichkeiten durch realitätsnähere Krankheitsmodelle. Hinzu kommen innovative Produktionsverfahren für komplexe biologische Moleküle, die von den besonderen Bedingungen im Orbit profitieren könnten.
Für viele dieser Ansätze könnte die Produktion im Orbit langfristig wirtschaftliche Vorteile bieten, sofern die Herstellungsprozesse skaliert werden können.
Drei Fokusbereiche der Orbital BioWorks Challenge
Sprind konzentriert sich zunächst auf drei Anwendungsfelder, für die wissenschaftliche Vorteile der Schwerelosigkeit bereits gut dokumentiert sind:
Zellfreie Peptidherstellung: Die Produktion komplexer Peptide gilt als vielversprechender Ansatz für neue Medikamente und biotechnologische Anwendungen. Schwerelosigkeit könnte dabei Produktionsqualität und Effizienz verbessern.
Stammzelldifferenzierung: Die Entwicklung und Kultivierung von Stammzellen im Orbit soll neue Möglichkeiten für regenerative Medizin und Zelltherapien eröffnen.
Organ-on-a-Chip für die Wirkstofftestung: Mikrophysiologische Systeme könnten unter Schwerelosigkeitsbedingungen realistischere Krankheitsmodelle erzeugen und damit die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen.
Darüber hinaus bleibt die Challenge ausdrücklich offen für weitere Konzepte, sofern ein wissenschaftlich nachvollziehbarer Vorteil durch Schwerelosigkeit nachgewiesen werden kann.
Bis zu 1,65 Millionen Euro Förderung plus Zugang zur Raumstation
Ein zentrales Merkmal der Challenge ist die Kombination aus finanzieller Förderung und operativer Unterstützung. Durch die Unterstützung ausgewählter Teams von bis zu 1.650.000 Euro nicht-verwässernde Förderung, entfällt für die TeilnehmerInnen eine der größten Herausforderungen des Sektors: der kosten- und organisationsintensive Zugang zur Weltrauminfrastruktur. Durch die Orbital BioWorks Challenge versucht Sprind in diesem entstehenden Markt europäische Akteure frühzeitig zu positionieren. Dadurch können langfristig technologische Risiken reduziert, Markteintrittshürden abgebaut und radikale Innovationen beschleunigt werden.
Wer kann sich bewerben?
Bewerben können sich Startups, Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus EU, EFTA, UK und Israel. Die Bewerbungsfrist endet am 3. Juli 2026.






