Für Startups im Versicherungs- und Finanzsektor reicht eine funktionierende Technologie selten aus. Entscheidend sind auch Branchenwissen, regulatorische Orientierung und vor allem der Zugang zu Unternehmen, die eine Lösung testen und später als Kunden einsetzen können.
Genau an dieser Schnittstelle setzt der Tech Accelerator Day des InsurTech Hub Munich (ITHM) am 13. Oktober im Werksviertel an. Das Format verbindet ein exklusives Vormittagsprogramm für Startups und Scaleups mit einem ab 14 Uhr geöffneten Ecosystem-Event.
Der ITHM ist dabei mehr als ein Eventveranstalter. Die Münchner Innovationsplattform gehört zu den offiziellen Digital Hubs der Bundesregierung und wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. Nach eigenen Angaben umfasst ihre Startup-Community inzwischen mehr als 200 Unternehmen.
Mentoring soll Startups Zugang zum deutschen Versicherungsmarkt erleichtern
Für teilnehmende Startups beginnt der Accelerator Day bereits am Vormittag. Von 9 Uhr an stehen Mentoring, Masterclasses und Einblicke in den deutschen Versicherungsmarkt auf dem Programm. Beteiligt sind laut ITHM unter anderem die Finanzaufsicht BaFin, Deloitte, Technologiepartner und ausgewählte Versicherungsunternehmen.
Damit adressiert der Hub insbesondere Unternehmen, die in Deutschland beziehungsweise der DACH-Region wachsen oder ihre Technologie erstmals in der Versicherungswirtschaft einsetzen wollen. Neben klassischen Insurtechs richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an branchenübergreifende Startups.
Nach Angaben der Veranstalter sollen unter anderem Versicherer wie HUK-Coburg, R+V und LV ihre aktuellen Herausforderungen vorstellen. Die Reverse Pitches drehen das klassische Startup-Pitch-Prinzip damit um: Die etablierten Unternehmen zeigen, für welche Probleme sie technologische Lösungen und mögliche KooperationspartnerInnen suchen.
In seinem Venture Client Programme bringt der ITHM Startups gezielt mit etablierten Versicherern zusammen, um Lösungen für konkrete Branchenprobleme bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.
Dass der Zugang zur Branche für Startups einen konkreten Mehrwert bieten kann, beschreibt etwa Foliume-Mitgründer Martin Fagioli:
„Das ITHM-Innovationsprogramm hat uns beim Einstieg in den deutschen Markt unterstützt, indem es uns zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten mit potenziellen Versicherungspartnern eröffnet hat. Das Programm hat uns ein tiefgreifendes Verständnis für die Besonderheiten des deutschen Versicherungsmarktes vermittelt – viel besser, als wir es auf eigene Faust hätten erreichen können.“
Startups treffen auf Investoren, Versicherer und Tech-Unternehmen
Am Nachmittag wird aus dem Mentoring-Programm ein breiteres Ecosystem-Event. Von 14 bis 18:30 Uhr stehen unter anderem Startup-Pitches, Reverse Pitches, Speed Datings, Keynotes und Networking auf dem Programm. Ab 17 Uhr ist ein gemeinsamer Networking-Abschluss vorgesehen.
Nicht alle teilnehmenden Startups erhalten dabei Bühnenzeit. Nach Angaben des Veranstalters soll eine Auswahl von Unternehmen mit relevanten Anwendungsfällen und entsprechender Traktion ihre Lösungen präsentieren. Für die übrigen TeilnehmerInnen stehen insbesondere die direkten Kontakte zu Versicherern, InvestorInnen und weiteren PartnerInnen im Vordergrund.
Zum erweiterten Ökosystem gehlren unter anderem Gründerland Bayern, BayStartUP, Invest in Bavaria, BaFin, LMU und Munich Startup. Für GründerInnen ergibt sich damit nicht nur die Möglichkeit, Versicherungsunternehmen kennenzulernen, sondern auch Kontakte zu Finanzierung, Regulierung, Forschung und weiteren Unterstützungsangeboten am Standort München zu knüpfen.
KI, Regulierung und Venture Capital: Wohin fließt das Geld?
Ein Schwerpunkt des Nachmittags liegt auf der Frage, wie sich Startup-Finanzierung, Regulierung und die Zusammenarbeit zwischen jungen und etablierten Unternehmen verändern. Eine Panelrunde soll dazu unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Angekündigt sind das KI-Unternehmen TODAY, das Lösungen für Finanz- und Versicherungsberater entwickelt, Margaux Gregoir von Serena VC, Tizian Hoppen vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie Juliette Delattre von NTT DATA DACH.
C2PA und Content Credentials: Digitale Echtheit wird zum Versicherungsthema
Ein zweiter Themenblock beschäftigt sich mit einer Herausforderung, die durch generative KI deutlich an Bedeutung gewinnt: Wie lässt sich nachvollziehen, woher digitale Inhalte stammen und ob sie verändert wurden?
Im Mittelpunkt stehen C2PA und sogenannte Content Credentials. Der technische Standard soll Informationen über Herkunft und Bearbeitung digitaler Inhalte nachvollziehbar machen. Für Versicherungen kann das beispielsweise bei digitalen Schadensmeldungen, Dokumenten, Betrugsprävention oder Risikoprüfungen relevant werden.
Diese 7 Technologien stehen beim Tech Accelerator Day im Fokus
Neben den Panels sollen beim Accelerator Day verschiedene Technologien und Geschäftsmodelle diskutiert werden, die bereits konkrete Anwendungen in der Versicherungswirtschaft ermöglichen:
- Autonomous und Bionic Agents: KI-Agenten, die Aufgaben eigenständig übernehmen oder Mitarbeitende unterstützen.
- Risk & Compliance Automation: Automatisierung regulatorischer Prüfungen direkt im Vertriebsprozess.
- Customer Analytics und Churn Prevention: Daten- und KI-Systeme zur Analyse von Kundenverhalten und zur Verringerung von Kündigungen.
- Hybrid Advisory: Kombination menschlicher Beratung mit KI-gestützten Assistenzsystemen.
- Digital Identity, Security & Compliance: Technologien für Identitätsprüfung, Sicherheit und regulatorische Anforderungen.
- Neue Distributionsmodelle: Digitale Vertriebswege und neue Schnittstellen zum Versicherungskunden.
- Wallet Integration: Einbindung digitaler Wallets in Versicherungs- und Finanzprodukte.










