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Münchner E-Methan-Startup Turn2x erhält 20 Millionen Euro für Expansion

Münchner E-Methan-Startup Turn2x erhält 20 Millionen Euro für Expansion

Das Turn2x-Gründerteam (v.l.n.r.): Dominik Schollenberger (CTO), Benedikt Stolz (COO), und Philip Kessler (CEO)

Credit: Turn2X

Das Turn2x-Gründerteam (v.l.n.r.): Dominik Schollenberger (CTO), Benedikt Stolz (COO), und Philip Kessler (CEO) – Credit: Turn2X

Bernd Heppel

Bernd Heppel

Das Münchner Climatetech Turn2x hat in einer Series-A-Finanzierung 20 Millionen Euro eingesammelt. Mit dem Kapital will das Startup seine E-Methan-Technologie skalieren und nach dem Start einer kommerziellen Anlage in Spanien weitere Produktionsstandorte aufbauen.

6. Oktober 2026

4 Min. Lesezeit

Turn2x stellt nicht einfach nur synthetisches Methan her: Das Münchner Startup setzt auf vergleichsweise kleine, modular aufgebaute Anlagen und produziert ein Gas, das chemisch dem fossilen Erdgas entspricht und deshalb nach Angaben des Unternehmens über bestehende Gasinfrastruktur transportiert und in vorhandenen Anwendungen genutzt werden kann.

20 Millionen Euro für weitere E-Methan-Anlagen

Die Series-A-Finanzierungsrunde wird von Antwerpen Ventures angeführt. Die Bestandsinvestoren LEA Partners, First Momentum Ventures und Verve Ventures beteiligen sich ebenfalls. First Momentum ist bereits 2023 bei Turn2x eingestiegen.

Zusätzlich beteiligen sich laut Investorenangaben mehrere Branchenexperten als Business Angels, darunter Tilman Weide, früher bei Linde Engineering, Christoph Zinsser, ehemals Head of Project Finance bei Stegra, sowie Marcelino Oreja, früherer CEO des spanischen Gasnetzbetreibers Enagás.

Das frische Kapital soll vor allem in neue kommerzielle Anlagen in Spanien und weiteren Märkten fließen. Gleichzeitig will Turn2x die Produktionskosten für E-Methan weiter reduzieren und das Team ausbauen.

Turn2x produziert E-Methan aus grünem Wasserstoff und CO2

Das Verfahren kombiniert zwei Ausgangsstoffe: erneuerbaren Wasserstoff und biogenes CO2. Zunächst wird Wasser mithilfe von erneuerbarem Strom per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Anschließend reagiert der Wasserstoff in einem Methanisierungsreaktor mit CO2 zu Methan.

Technologisch setzt Turn2x dabei auf einen sogenannten Wabenreaktor. Statt eines klassischen Festbettreaktors mit Schüttmaterial nutzt das Startup einen Metallkörper mit zahlreichen schmalen Kanälen, deren Oberflächen mit Katalysatormaterial beschichtet sind. Die Konstruktion soll Wärme besonders schnell abführen und dadurch flexible Lastwechsel ermöglichen.

Das ist für die Wirtschaftlichkeit relevant: Die Methanisierung kann stärker an die Verfügbarkeit und den Preis erneuerbaren Stroms angepasst werden. Turn2x kann seine Anlagen damit insbesondere dann betreiben, wenn viel Wind- oder Solarstrom verfügbar ist.

Nach Unternehmensangaben wurden für Reaktor und Verfahren elf Patente angemeldet.

9-MW-Module sollen E-Methan dezentral produzieren

Während zahlreiche Power-to-Gas-Projekte auf große zentrale Produktionsanlagen setzen, verfolgt Turn2x einen modularen Ansatz mit Einheiten von 9 MW. Diese Anlagen sollen unter anderem direkt an Biogasanlagen errichtet werden können. Dort steht biogenes CO2 als Ausgangsstoff zur Verfügung, wodurch zusätzliche CO2-Transporte vermieden werden können.

Turn2x beziffert den möglichen Investitionskostenvorteil seiner Architektur im Rahmen eines Projekts des European Innovation Council auf rund 30 Prozent.

Turn2x-Anlage in Spanien produziert bereits erneuerbares Methan

Turn2x betreibt bereits seit 2019 eine Pilotanlage in Brandenburg. Den entscheidenden Schritt zur Kommerzialisierung machte das Unternehmen allerdings in Spanien: In Miajadas in der Region Extremadura ging 2025 eine kommerzielle Anlage in Betrieb.

Im September 2025 vereinbarte Turn2x mit Axpo Iberia einen Stromliefervertrag. Aquila Clean Energy liefert dabei den erneuerbaren Strom. Axpo bezeichnet die Anlage als erste in Spanien, die Methan als Renewable Fuel of Non-Biological Origin, kurz RFNBO, produziert.

Für Turn2x ist dieser Schritt wichtig, weil nicht nur die technische Produktion, sondern auch die regulatorische Nachweisführung über die Vermarktungsmöglichkeiten synthetischer Kraftstoffe entscheidet.

Nach Angaben des Investors First Momentum ist die gesamte Produktion der Anlage über langfristige Abnahmeverträge verkauft. Insgesamt beziffert Turn2x das Volumen bereits geschlossener Abnahmevereinbarungen über seine Projektpipeline hinweg auf mehr als eine Milliarde Euro.

RED III erhöht Nachfrage nach RFNBO-Kraftstoffen

Parallel zur technischen Skalierung verändert sich der regulatorische Markt für synthetische Kraftstoffe. Die überarbeitete EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III sieht vor, dass RFNBOs bis 2030 mindestens 42 Prozent des industriell genutzten Wasserstoffs ausmachen; bis 2035 steigt der Zielwert auf 60 Prozent. Für den Verkehrssektor sieht die Richtlinie für 2030 einen RFNBO-Anteil von mindestens einem Prozentpunkt innerhalb der entsprechenden Kraftstoffvorgaben vor.

Auch Deutschland verschärft die Vorgaben. Der Bundestag beschloss am 23. April 2026 eine Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote. Für RFNBOs im Verkehrsbereich ist dabei ein steigender Mindestanteil vorgesehen; Branchenquellen beziffern ihn auf 0,1 Prozent 2026, 1,5 Prozent 2030, 5 Prozent 2035 und 10 Prozent 2040.

Damit entsteht für Anbieter synthetischer Kraftstoffe zunehmend eine regulatorisch getriebene Nachfrage. Ob und wie schnell daraus ein großer Markt für E-Methan entsteht, hängt allerdings neben den Quoten vor allem von Produktionskosten, der Verfügbarkeit günstigen erneuerbaren Stroms und geeigneter CO2-Quellen ab.

Infobox
Turn2X

Turn2X wurde 2022 von Philip Kessler, Dominik Schollenberger und Benedikt Stolz gegründet. Kessler hatte zuvor das Startup Understand.ai aufgebaut und verkauft, Schollenberger forschte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) an der Methanisierungstechnologie, auf der die Entwicklung von Turn2x basiert.

Gründerteam verbindet Startup- und Methanisierungs-Erfahrung

CEO Philip Kessler gründete Turn2x gemeinsam mit CTO Dominik Schollenberger und COO Benedikt Stolz. Schollenbergers langjährige Forschungsarbeit am KIT bildet nach Unternehmensangaben die technologische Basis des Methanisierungsreaktors.

Mit der Finanzierungsrunde erweitert sich auch das operative Know-how rund um Infrastrukturprojekte. Florian Antwerpen, der die Runde über Antwerpen Ventures anführt, steigt bei Turn2x in die europäische Projektentwicklung ein. Zuvor hatte er den Batteriespeicherentwickler Kyon Energy mitgegründet. Kyon wurde 2024 von TotalEnergies übernommen.

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