Munich Startup
Women in Tech: Katharina Hesseler von Omegga

Women in Tech: Katharina Hesseler von Omegga

Saskia Doll

Saskia Doll

7. Juli 2026

5 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was hat dich zur Gründung motiviert?

Katharina Hesseler: Mich hat die Möglichkeit motiviert, mit technologischer Pionierarbeit einen positiven Beitrag zu gesellschaftlichem Wandel zu leisten. Ich bin überzeugt, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Technologien wichtige Hebel sind, um die Herausforderungen unserer Zeit nachhaltig zu lösen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, wirtschaftlichen Fortschritt mit verantwortungsvollem Handeln zu verbinden. Mit Omegga habe ich die Chance, genau das umzusetzen und gleichzeitig etwas Eigenes aufzubauen, das echten Wandel anstoßen kann. Besonders erfüllend ist es für mich, diesen Weg gemeinsam mit einem Team zu gehen, das für Technologie und Impact brennt und mit außergewöhnlichem Engagement an unserer Vision arbeitet.

„Gründen ist kein Sprint, sondern ein Marathon“

Munich Startup: Was hättest du gerne vor deiner ersten Gründung gewusst?

Katharina Hesseler: Ich hätte gerne früher verstanden, dass Gründen weit mehr ist als die Erfolgsgeschichten, Finanzierungsrunden und Networking-Events, die man auf LinkedIn sieht. Die glänzende Seite des Unternehmertums ist sichtbar, die vielen schwierigen Phasen dazwischen nicht. Wer gründet, muss lernen, auch mit unvollständigen Informationen Entscheidungen zu treffen, Krisen auszuhalten und langfristig dranzubleiben. Gründen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Deshalb sind ein starkes Team, mit dem man Höhen und Tiefen gemeinsam durchsteht, sowie die eigene körperliche und mentale Gesundheit entscheidende Erfolgsfaktoren. Denn am Ende geht es nicht nur darum, eine gute Idee zu haben, sondern auch darum, die Ausdauer und Resilienz mitzubringen, sie trotz aller Herausforderungen in die Praxis umzusetzen.

Munich Startup: Wie ist dein Unternehmen bislang finanziert?

Katharina Hesseler: Seit unserer Gründung 2022 ist unser Team auf über 20 Mitarbeitende gewachsen. 2024 konnten wir einen EIC-Grant in Höhe von 2,4 Millionen Euro sichern. Ein Kunde ist bereits vollständig operativ, ein weiterer befinden sich in der Implementierungsphase. Mit der Anfang 2026 abgeschlossenen Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro mit IQ Capital, Capnamic und dem EIC Fund werden wir unser Team nun verdoppeln.

Munich Startup: Wann und wo bekommst du die besten Ideen?

Katharina Hesseler: Meistens nicht am Schreibtisch. Die besten Ideen kommen mir beim Sport, auf Spaziergängen oder auf Reisen – immer dann, wenn der Kopf etwas Abstand zum Tagesgeschäft hat. Oft entstehen die spannendsten Gedanken aber auch im Austausch mit unserem Team, Kunden oder Partnern, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.

Munich Startup: Was sind deine 3 liebsten Arbeitstools?

Katharina Hesseler: Claude und ChatGPT als Sparringspartner für Recherche, Strukturierung und erste Entwürfe von Präsentation und Konzepten.

Fathom: Automatische Meeting-Zusammenfassungen ermöglichen es mir, mich im Gespräch ganz auf mein Gegenüber und die Inhalte zu konzentrieren. Das spart Zeit und sorgt dafür, dass wichtige Erkenntnisse nicht verloren gehen.

Mein Gravel-Bike: Die tägliche Fahrt zur Arbeit ist für mich fester Bestandteil des Tages. Oft sortieren sich dabei Gedanken, neue Ideen entstehen oder Herausforderungen wirken plötzlich deutlich lösbarer. Gleichzeitig ist sie Zeit zum Abschalten und Auftanken und ein wichtiger Ausgleich, um langfristig fokussiert und energiegeladen zu bleiben.

„Kenne dein Publikum“

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?

Katharina Hesseler: Kenne dein Publikum und halte es einfach. Wer versteht, warum ein Problem relevant ist, versteht auch den Wert deiner Lösung.

Munich Startup: Erscheint es dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Katharina Hesseler: Ja. Es gibt aktuell große technologische und gesellschaftliche Umbrüche – von KI bis zur zunehmenden Verknappung von Ressourcen. Solche Veränderungen schaffen Herausforderungen, aber auch Chancen für neue Lösungen. Wer ein relevantes Problem löst und Durchhaltevermögen mitbringt, findet auch heute gute Voraussetzungen zum Gründen.

Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest du bei deiner nächsten Gründung setzen?

Katharina Hesseler: Auf den Bereich Klimaschutz und Dekarbonisierung. Die Begrenzung des Klimawandels ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und das Zeitfenster für wirksame Lösungen ist begrenzt. Die Möglichkeit, mit Technologie einen konkreten und messbaren Beitrag zu leisten, finde ich spannend.

Unternehmertum vom finanziellen Hintergrund abkoppeln

Munich Startup: Was könnte aus deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Katharina Hesseler: Gründungsstipendien sollten stärker an die tatsächlichen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Gerade in einer Stadt wie München ist es oft schwierig, allein von einem Stipendium zu leben, wenn man nicht bereits finanzielle Rücklagen hat. Dadurch wird Gründen für viele talentierte Menschen erschwert. Ich glaube, dass wir mehr Potenzial freisetzen könnten, wenn Unternehmertum unabhängig vom persönlichen finanziellen Hintergrund zugänglicher wäre.

Munich Startup: Welche Gründerin oder welchen Gründer würdest du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest du sie oder ihn fragen?

Katharina Hesseler: Elon Musk. Auch wenn ich persönlich nicht mit seinem politischen Kurs resoniere, beeindruckt mich sein unternehmerischer Einfluss. Er hat ganze Industrien geprägt und Themen wie Elektromobilität und Raumfahrt entscheidend vorangetrieben. Mich faszinieren Menschen, die nicht erklären, warum etwas nicht funktioniert, sondern sich an scheinbar Unmögliches wagen und es Realität werden lassen. Ich würde ihn fragen, wie er Prioritäten setzt, seinen Fokus zwischen mehreren Großprojekten aufteilt und woher er die Beharrlichkeit nimmt, auch dann an einer Vision festzuhalten, wenn nahezu alles dagegen spricht.

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