PITCH & PEOPLE Folge 50: Clero
Alle im Gruppenchat, keiner auf dem Tennisplatz. Das will Tjard Püschel ändern. Mit seinem Münchner Startup Clero entwickelt er eine Plattform, die Menschen für gemeinsame Hobbys zusammenbringt und Communities die Organisation erleichtert – vom Lauftreff bis zum Töpferkurs. Bei Pitch & People spricht er mit Kyrill Ring über seine Geschäftsidee, das geplante Geschäftsmodell und die Herausforderungen beim Gründen. Rund 1.000 Menschen stehen auf der Warteliste, 30 Communities haben zugesagt. Doch vor dem Start steigt der technische Mitgründer aus. Wie geht es weiter?
Tjard Püschel will Tennis spielen. Oder Fußball. Hauptsache, gemeinsam mit anderen. Doch nach seiner Rückkehr nach München findet er dafür schwerer Anschluss als gedacht. Apps zum Kennenlernen erfordern langes Hin-und-her-Schreiben, auf Instagram fehlt die passende Suche, neue Kontakte entstehen oft zufällig. Und am Ende landet alles in der nächsten WhatsApp-Gruppe.
Aus diesem Frust entwickelt Püschel Clero. Die Plattform soll Menschen über gemeinsame Interessen verbinden und lokalen Communities die Organisation erleichtern. Im Videocast Pitch & People erzählt der Gründer, wie er dafür erste Gruppen gewinnt, welches Geschäftsmodell dahintersteckt und warum der Ausstieg seines technischen Mitgründers die Startpläne verändert.
Das Gefühl, irgendwo neu anzufangen, kennt Püschel gut. Er studiert in Stuttgart, verbringt Auslandssemester in Singapur und Kapstadt und kehrt schließlich nach München zurück. Obwohl er hier viele Menschen kennt, fehlen ihm Kontakte für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Er beginnt, nach einer Lösung zu suchen – zunächst für sich, dann für ein Unternehmen.
Drei Tools für ein Treffen? Das muss einfacher gehen.
Püschel führt mehr als 200 Gespräche mit potenziellen NutzerInnen und Menschen, die Communities organisieren. Dabei entdeckt er ein wiederkehrendes Problem: Hinter einem gemeinsamen Lauf oder einer Radtour steckt oft viel digitale Arbeit. Hosts müssen auf Social Media neue Mitglieder gewinnen, in WhatsApp-Gruppen Fragen beantworten und über zusätzliche Dienste Veranstaltungen organisieren.
Clero soll diese Aufgaben auf einer Plattform bündeln. Menschen geben ihre Interessen an und entdecken passende Gruppen und Veranstaltungen. Hosts sollen Termine organisieren, Teilnahmeplätze begrenzen, Wartelisten führen und Tickets verkaufen können. Auch Abstimmungen und Kalenderfunktionen gehören zum Konzept.
Für die Kommunikation setzt Clero auf Beiträge statt auf endlose Chatverläufe. Ein chronologischer Feed zeigt die Neuigkeiten aus den eigenen Gruppen. Püschel beschreibt das Ziel so:
„Ich will davon wegkommen, dass du 10.000 Nachrichten kriegst.“
Die Plattform richtet sich dabei nicht allein an Sportbegeisterte. Auch Communities rund ums Töpfern, Nähen oder Stricken sollen Platz finden. Püschel grenzt den Startmarkt geografisch ein: Clero beginnt in München und soll anschließend in weitere Städte wachsen.
Beim Zugang für neue Gruppen hat das Team bereits nachjustiert. Ursprünglich sollte jede Person direkt eine Community eröffnen können. Für den Start plant Clero nun eine Prüfung: Angehende Hosts reichen zunächst ihr Konzept ein. So will das Team problematische Inhalte frühzeitig erkennen und die Moderation mit begrenzten personellen Ressourcen bewältigen.
1.000 Interessierte – und plötzlich fehlt der CTO
Noch vor dem Start baut Püschel Reichweite auf. Er bespielt Social-Media-Kanäle, spricht in einem eigenen Podcast mit Münchner Sport-Communities und gewinnt erste Gruppen für Clero. Rund 1.000 Menschen stehen auf der Warteliste. 30 Communities haben zugesagt.
Doch während das Interesse wächst, verliert Clero seinen technischen Mitgründer. Die App ist zu etwa 75 Prozent fertig. Ausgerechnet in dieser Phase muss das Team die technische Verantwortung neu besetzen.
Der Ausstieg zeigt, wie eng die Entwicklung eines jungen Startups mit den persönlichen finanziellen Möglichkeiten des Teams zusammenhängt. Nachdem die Rücklagen des technischen Mitgründers aufgebraucht waren, nahm er wieder einen Vollzeitjob an. Gemeinsam verfolgten sie zunächst den Plan, Clero neben der Arbeit fertigzustellen. Erst nach dem Start wollten sie mit ersten Nutzungsdaten in die Finanzierungsgespräche gehen. Doch die parallele Arbeit an Job und Startup wurde zu viel.
Für Püschel ist das nicht die erste schwierige Erfahrung beim Teamaufbau. Bereits eine frühere Mitgründerin verließ das Projekt wegen der Belastung neben ihrem Beruf. Mehr als 100 Gespräche führte er auf der Suche nach passenden MitgründerInnen. Fachliche Fähigkeiten allein reichen ihm dabei nicht: Auch persönlich muss die Zusammenarbeit tragen.
„Es ist wirklich so eine Achterbahnfahrt der Emotionen.“
Auch seinen eigenen Lebensunterhalt muss er während des Aufbaus sichern. Zunächst arbeitet er abends und an Wochenenden an Clero. Die Insolvenz seines damaligen Arbeitgebers wird zum Wendepunkt: Püschel konzentriert sich auf das Startup und deckt seine Grundkosten über Arbeitslosengeld. Für die erste Finanzierungsrunde setzt das Team auf Business Angels. Zunächst steht jedoch die Suche nach einer neuen technischen Mitgründung an.
Gemeinschaft soll sich auch für Hosts rechnen
Clero braucht nicht nur eine funktionierende App, sondern auch ein tragfähiges Geschäftsmodell. Püschel plant dafür Mitgliedschaften, ein Creditsystem und Kooperationen zwischen Marken und Communities.
Hosts sollen selbst entscheiden können, ob sie kostenlose Angebote oder bezahlte Mitgliedschaften anbieten. Wiederkehrende Beiträge sollen ihre Einnahmen planbarer machen. Statt für jede Veranstaltung erneut auf genügend Buchungen zu hoffen, können sie mit einem festen Mitgliederstamm arbeiten.
Für die Abwicklung plant Clero Credits als plattforminterne Währung. Diese sollen sowohl Mitglieder als auch Marken einsetzen können. Unternehmen erhalten damit einen Zugang zu Communities, die zu ihren Produkten und Zielgruppen passen. Clero übernimmt die Vermittlung.
Erste Kontakte zwischen Marken und Gruppen hat das Team bereits vor dem Plattformstart hergestellt. Künftig soll die App dieses Matching unterstützen. Konkrete Preise und den Anteil, den das Startup einbehält, nennt Püschel nicht.
Die Plattform muss außerdem einen Grund liefern, regelmäßig zurückzukehren. Denn sobald Menschen ihre Tennisrunde oder Laufgruppe gefunden haben, können sie sich auch ohne Clero verabreden. Püschels Antwort darauf liegt in der Organisation: Neue Termine, Veranstaltungen und Beiträge sollen die Mitglieder dauerhaft an ihre Community auf der Plattform binden.

Tjard Püschel ist Gründer des Münchner Startups Clero. Er studierte Online-Medien-Management an der Hochschule der Medien Stuttgart und schloss 2024 seinen Master in International Marketing and Brand Management an der Munich Business School ab. Auslandssemester führten ihn nach Singapur und Kapstadt. Berufliche Erfahrungen sammelte er unter anderem bei Telefónica, Sky Deutschland und dem FC Bayern München. Zudem machte er sich im Bereich Markenentwicklung selbstständig. Seine Schwerpunkte liegen in Branding, digitalem Marketing und Kommunikation. Die Idee zu Clero entstand nach seiner Rückkehr nach München: Püschel suchte Menschen für gemeinsame Sport- und Freizeitaktivitäten – und fand vor allem umständliche Kontaktwege und unübersichtliche Gruppenchats. Mit Clero will er lokale Communities leichter auffindbar machen und ihre Organisation vereinfachen.
Die App braucht noch Zeit. Die Community trifft sich schon.
Den Kontakt zu den ersten Gruppen hält Clero auch während der Verzögerung. Für eine Community-Challenge organisiert das Team eine Schnitzeljagd durch München. 15 Communities mit insgesamt etwa 150 bis 200 Menschen nehmen teil.
Eigentlich sollte die Veranstaltung den ersten Test der App ermöglichen. Das Team passt den Plan an und nutzt das Treffen, um die Communities zusammenzubringen und den weiteren Start vorzubereiten. Gleichzeitig bekommen die Hosts selbst ein Angebot: Statt wie sonst Veranstaltungen zu organisieren, können sie diesmal teilnehmen.
Mit einer „Host-Academy“ will Clero diese Unterstützung ausbauen. Geplant sind monatliche Workshops für Menschen, die eine Community gründen oder weiterentwickeln möchten. Zum Auftakt soll ein Steuerberater praktische Fragen beantworten.
Damit arbeitet Püschel bereits an einer wichtigen Voraussetzung für Cleros Start: Menschen, die regelmäßig andere zusammenbringen. Sie organisieren Veranstaltungen, gewinnen Mitglieder und geben der Plattform ihren Nutzen. Das Interesse erster Communities hat Clero bereits gewonnen. Jetzt muss das Team die App fertigstellen und zeigen, dass aus einer Warteliste aktive Gruppen werden.













