PITCH & PEOPLE Folge 47: Epique
Ein Großauftrag – und Epique sagt Nein. Warum? Darüber spricht Martin Luible in dieser Folge von Pitch & People. Der frühere Vapiano-Manager hat Ende 2023 gemeinsam mit seiner Frau und einem Geschäftspartner die vegane Bio-Patisserie Epique übernommen. Sein Ziel: eine internationale Lifestyle-Marke aufbauen. Seine größte Herausforderung: eine Produktion führen, obwohl er selbst noch nie etwas hergestellt hatte. Im Gespräch geht es um die turbulente Übernahme, Premium-Positionierung und die Frage, wann Wachstum ein Unternehmen überfordert. Außerdem erzählt Martin, wie er mit dem Hospitality-Summit BEAM in Bozen das Silodenken zwischen Landwirtschaft, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus aufbrechen will.
Für viele Food-Startups wäre es der ersehnte Durchbruch: Ein großes Handelsunternehmen möchte die Produkte in zahlreichen Märkten anbieten. Mehr Reichweite, mehr Umsatz, mehr Sichtbarkeit. Auch Epique bekam ein solches Angebot. Martin Luible und seine MitgesellschafterInnen lehnten es ab.
„Es ist zu früh, es ist zu groß. Und es ist auch nicht die Positionierung,“
erinnert sich Luible im Videocast Pitch & People an die Entscheidung. Die Produktionskapazitäten hätten zum Auftrag passen müssen, ebenso die Qualität und das Umfeld, in dem die Marke auftaucht. Für Luible steht fest:
„Ich glaube, das Wichtigste ist auch mal Nein zu sagen.“
Eine bemerkenswerte Haltung für einen Unternehmer, der mit Epique durchaus groß denkt. Die vegane, glutenfreie Bio-Patisserie aus Gauting bei München soll nach seiner Vorstellung zu einer globalen Lifestyle-Marke wachsen.
Eigentlich sollten nur die Maschinen weg
Dabei begann Luibles Einstieg mit einer ganz anderen Frage. Ende 2022 entdeckte er bei einem Spaziergang mit seinem Bruder am Münchner Max-Weber-Platz die Produkte von Epique. In einem kleinen Shop-in-Shop lernte er Mitgründer Dirk kennen. Die Optik überzeugte ihn, das Gespräch ebenso.
Luible, der zuvor bei Vapiano das Franchise-Geschäft und die internationale Expansion mit aufgebaut hatte, war inzwischen mit einer eigenen Hospitality-Beratung selbstständig. Er vermittelte die Produkte zunächst an passende KundInnen.
Im November 2023 rief Dirk erneut an: Ob Luible jemanden kenne, der die Maschinen kaufen wolle? Die ursprünglichen GründerInnen Dirk und Eva wollten aus persönlichen Gründen in die Niederlande ziehen und das Unternehmen abgeben.
Eine Woche später besichtigte Luible gemeinsam mit seiner Frau Miriam die Manufaktur in Gauting. Sie begeisterte sich für Geschmack, Gestaltung und Zutaten. Er sah das Potenzial der Marke – und des Tiefkühlprodukts.
Ende 2023 übernahmen die beiden gemeinsam mit Luibles langjährigem Freund und Geschäftspartner Stefan im Rahmen eines Asset Deals. Heute verantwortet Miriam die Produktentwicklung, Martin unter anderem Einkauf, Produktionsorganisation, Marketing und Vertrieb. Stefan unterstützt strategisch und beratend.

Fünf Tage Training für ein neues Leben
Die größte Herausforderung lag dort, wo Luibles bisherige Erfahrung an ihre Grenzen stieß: in der Herstellung.
„Wir beide haben in unserem Leben noch nie wirklich etwas produziert. Wir hatten keine Ahnung, was da auf uns zukommt.“
Über den Jahreswechsel musste ein Team entstehen, das die Produktion fortführen konnte. Anfang Januar begann die Einarbeitung durch Mitgründerin Eva, dafür standen fünf Tage zur Verfügung. MitarbeiterInnen fanden die neuen EigentümerInnen über persönliche Netzwerke und Empfehlungen.
Eine Absicherung hatten sie beim Kauf vereinbart: Die bisherigen BetreiberInnen sollten einen Vorrat für sechs Wochen bereitstellen. So blieb Zeit, die Abläufe zu lernen.
Doch auch der Einkauf erwies sich als anspruchsvoll. Luible berichtet von schwankenden Rohstoffmärkten und zeitweise nicht verfügbarer Kakaobutter. Große Vorräte anzulegen, war angesichts begrenzter Lagerflächen und finanzieller Mittel keine einfache Lösung. Eine Marke weiterzuentwickeln bedeutete plötzlich auch, Zutaten rechtzeitig zu beschaffen und die Produktion täglich abzusichern.
Vegan ist die Basis. Begehrlichkeit das Ziel.
An den Rezepturen und der ursprünglichen Idee zollt Luible den GründerInnen großen Respekt. Verändert hat das neue Team vor allem die Positionierung.
Während Dirk und Eva stark die vegane Ernährungsalternative betont hätten, rücken Martin und Miriam Genuss, Gestaltung und besondere Anlässe in den Vordergrund. Die Produkte seien weiterhin bio, vegan, glutenfrei und ohne Industriezucker. Kaufen sollen KundInnen sie vor allem, weil sie schmecken und als Geschenk oder Dessert überzeugen.
Den Aufbau der Marke treiben die UnternehmerInnen über Verpackung, Webshop, Social Media und Kooperationen voran. Luible nennt im Videocast unter anderem eine Listung bei Käfer und die Teilnahme als Partner an einem Event von Elle und Elle Decoration.
Als Vorbild dient ihm Ladurée: eine klar erkennbare Premium-Marke mit internationaler Präsenz. Tiefgekühlte Produkte sollen auch Epique helfen, über den lokalen Markt hinauszuwachsen.

Martin Luible ist Unternehmer und Mitinhaber der Patisserie-Manufaktur Epique aus Gauting bei München. Er bringt rund zwei Jahrzehnte Management-Erfahrung in der Hospitality-Branche mit. Bei Vapiano baute er das Franchise-Geschäft und die internationale Expansion mit auf, bevor er sich mit einer eigenen Hospitality-Beratung selbstständig machte.
Ende 2023 übernahm er Epique gemeinsam mit seiner Frau Miriam und einem Geschäftspartner. Während Miriam die Produktentwicklung verantwortet, kümmert sich Martin unter anderem um Einkauf, Produktionsorganisation, Marketing und Vertrieb. Gemeinsam wollen sie die vegane Bio-Patisserie zu einer internationalen Premium-Lifestyle-Marke entwickeln.
Darüber hinaus ist Luible Mitinitiator und Head of Content des Hospitality-Summits BEAM in Bozen, der AkteurInnen aus Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus zusammenbringt. Seine Management-Erfahrung und seine Rolle bei BEAM beschreibt auch das offizielle Veranstalterprofil.
Weltweite Ambitionen, 20-Liter-Mixer
Das Epique-Team besteht aus sieben Personen, darunter studentische Hilfskräfte und MinijobberInnen. Epique verkauft über den eigenen Webshop sowie an GeschäftskundInnen aus Feinkost, Gastronomie, Hotellerie und weiteren Bereichen. Das Unternehmen ist laut Luible bereits in Deutschland, Österreich und den Niederlanden vertreten.
Für den nächsten Wachstumsschritt braucht es allerdings sehr konkrete Investitionen: einen größeren Mixer, mehr Tiefkühlkapazität und zusätzliche MitarbeiterInnen. Eine kleinere Finanzierungsrunde im Family-and-Friends-Umfeld wird vorbereitet.
Langfristig kann sich Luible auch eigene Shop-in-Shop-Flächen vorstellen. Gleichzeitig verursacht der tiefgekühlte Versand mit Trockeneis im Privatkundengeschäft hohe Kosten. Mehr Verfügbarkeit über passende Partner soll deshalb ebenfalls helfen.
Die Ambitionen sind groß. Das Tempo soll zur Manufaktur passen:
„Wir denken groß, definitiv, aber wir versuchen unsere Strukturen und Organisationen nicht zu überfordern.“
Der abgelehnte Großauftrag steht genau für diesen Anspruch. Epique will wachsen, doch die Marke soll dabei halten, was ihre Produkte versprechen.
Raus aus den Bubbles: Ein „Davos der Hospitality“
Wie eng Lebensmittelproduktion, Gastronomie und Hotellerie zusammenhängen, erlebt Luible inzwischen selbst als Hersteller. Genau dieser Blick über die eigene Branche hinaus treibt auch sein zweites Projekt an: den Hospitality-Summit BEAM in Bozen.
Die Idee entstand aus seiner Erfahrung bei Fachveranstaltungen. GastronomInnen trafen GastronomInnen, Hoteliers blieben unter sich, ebenso Landwirtschaft und Tourismus. Für Luible gehören diese Bereiche zusammen – vom Anbau der Zutaten bis zum Erlebnis der Gäste.
Gemeinsam mit der Messe Bozen entwickelte er deshalb ein Format, das diese Grenzen überwinden soll. Der ambitionierte Arbeitstitel: „Das Davos der Hospitality“. Als Mitinitiator und Head of Content verantwortet Luible die Themen und die Auswahl der SpeakerInnen. BEAM bringt PionierInnen aus Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus zusammen, um gemeinsam über Zukunftsmodelle nachzudenken.
Der Name ist dabei Programm: BEAM steht für „Be Ambitious“. Luible will das Silodenken aufbrechen, das aus seiner Sicht den Einfluss der Branche begrenzt. Bei Epique sucht er dafür passende Kooperationspartner, in Bozen bringt er sie branchenübergreifend an einen Tisch.













