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Hunger ist kein Schicksal, sondern eine Frage der Innovation

Hunger ist kein Schicksal, sondern eine Frage der Innovation

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Hunger ist kein abstraktes Problem. Er betrifft aktuell rund 800 Millionen Menschen weltweit. Und doch ist er lösbar. Davon ist Bernhard Kowatsch überzeugt. Der Gründer und Leiter des Innovation Accelerators des UN World Food Programme (WFP) arbeitet seit zehn Jahren von München aus daran, Nothilfe effizienter zu machen und nachhaltige Lösungen gegen Hunger zu skalieren. Im Videopodcast Pitch & People spricht er über technologische Hebel, globale Verantwortung – und warum Innovation Leben rettet.

16. Dezember 2025

PITCH & PEOPLE Folge 14: Bernhard Kowatsch

Hunger ist kein abstraktes Problem. Er betrifft aktuell rund 800 Millionen Menschen weltweit. Und doch ist er lösbar. Davon ist Bernhard Kowatsch überzeugt. Der Gründer und Leiter des Innovation Accelerators des UN World Food Programme (WFP) arbeitet seit zehn Jahren von München aus daran, Nothilfe effizienter zu machen und nachhaltige Lösungen gegen Hunger zu skalieren. Im Videopodcast Pitch & People spricht er über technologische Hebel, globale Verantwortung – und warum Innovation Leben rettet.

AcceleratorExperte

Das World Food Programme ist die größte humanitäre Organisation der Welt. Ihr langfristiges Ziel: sich selbst überflüssig zu machen. Bis 2030 soll es keinen weltweiten Hunger mehr geben. Für Kowatsch ist klar: Das ist kein naiver Idealismus, sondern eine realistische Vision. Global gäbe es genug Nahrung für alle Menschen. Das eigentliche Problem liege in Armut, Konflikten, Klimawandel und ineffizienten Systemen erzählt Bernhard Kowatsch, Leiter des Innovation Accelerators des UN World Food Programme, im Pitch & People Videocast:

„Prinzipiell ist globaler Hunger ein lösbares Problem. Es gibt auf der Welt immer noch genügend Essen, damit jeder Mensch ein gesundes Leben leben kann.“

Genau hier setzt der Innovation Accelerator an. Seit seinem Start wurden über 500 Startups, NGOs und interne Ventures unterstützt. Allein im vergangenen Jahr verbesserten diese Lösungen das Leben von 61 Millionen Menschen oder steigerten ihr Einkommen. Der Accelerator betreibt aktuell 18 verschiedene Impact-Programme, auch für externe Partner.

Effizienz kann Millionen freisetzen

Dass Innovation im humanitären Kontext messbaren Impact erzeugt, zeigen konkrete Beispiele. Eine interne Blockchain-Lösung des WFP verhindert doppelte Hilfsleistungen über Organisationsgrenzen hinweg. In der Ukraine konnten dadurch innerhalb von drei Jahren 270 Millionen US-Dollar eingespart werden. Geld, das stattdessen Menschen zugutekam, die zuvor keine Unterstützung erhalten hatten.

Ein KI-gestütztes System optimiert weltweit den Einkauf, die Lagerung und den Transport von Nahrungsmitteln. Allein damit sparte das WFP zuletzt über fünf Millionen US-Dollar ein. Jeder Effizienzgewinn bedeutet: mehr Hilfe, weniger Verschwendung. Kowatsch dazu:

„Wo auch immer wir einen Prozent Effizienzgewinn rausholen können, sind das Millionen Euro, die wir einsparen können – und die wiederum an hungrige Menschen gehen.“

Neben akuter Nothilfe geht es um langfristige Lösungen. Mit der Farm to Market Alliance werden KleinbäuerInnen mit Märkten, Krediten, Saatgut und Düngemitteln vernetzt. Über sogenannte Farmer Service Center konnten bereits rund 800.000 Landwirte erreicht werden, mit direktem Einkommenszuwachs für etwa 3,5 Millionen Menschen.

Ein weiteres zentrales Thema: Nachernteverluste. In vielen Ländern des globalen Südens verderben bis zu 50 Prozent der Ernte, weil Lagerungsmöglichkeiten fehlen. Die Lösung ist oft überraschend einfach: Trocknung, spezielle Säcke oder Silos. Damit lässt sich Getreide bis zu ein Jahr lagern, ohne Verluste.

Innovation entsteht in München – Wirkung weltweit

Warum sitzt ein globaler UN-Accelerator ausgerechnet in München? Für Kowatsch ist die Antwort klar: starkes Innovationsökosystem, exzellente Forschung, engagierte Unternehmen und eine zentrale Lage. Der Accelerator arbeitet eng mit Partnern wie Google, dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) oder digitalen Beratungen zusammen.

Ein Beispiel aus der Zusammenarbeit mit dem DLR: semi-autonome Amphibienfahrzeuge, die in Minengebieten oder Überschwemmungszonen Nahrungsmittel liefern können, ohne Menschenleben zu gefährden.

Startups gesucht – auch aus München

Der Innovation Accelerator folgt dem Prinzip der offenen Innovation. Bewerben können sich Startups, NGOs und Teams aus aller Welt. Aus rund 1.000 Bewerbungen werden etwa acht bis zehn Teams ausgewählt. Sie erhalten bis zu 100.000 US-Dollar Förderung – equity-frei – sowie Zugang zu Märkten, Landesbüros und Entscheidungsträgern.

Entscheidend ist nicht der Standort des Startups, sondern die Umsetzbarkeit der Lösung im globalen Süden. Ein Münchner Startup kann dabei genauso erfolgreich sein wie ein Team aus Nigeria oder Kenia. Kowatsch ergänzt im Interview:

„Unser primäres Ziel ist nicht, dass Startups möglichst viel Geld verdienen, sondern dass wir Menschen helfen – Menschen aus dem Hunger herauszuheben und ihr Einkommen zu vergrößern.“

80 Cent gegen den Hunger

Neben Technologie spielt auch individuelles Engagement eine Rolle. Mit der App ShareTheMeal, die Kowatsch mitgründete, können NutzerInnen für 80 Cent eine Mahlzeit spenden. Bisher wurden so 285 Millionen Mahlzeiten geteilt, von rund 1,9 Millionen Menschen weltweit.

Für Kowatsch ist das eine klare Botschaft: Jeder kann etwas tun. Hunger ist kein Naturgesetz. Er ist eine Frage von Entscheidungen, Systemen und Innovation.

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